Freitag, 4. April 2014

Neues Rekordjahr durch El Nino?

Die globale Temperatur schwankt aufgrund verschiedener Einflüsse von Jahr zu Jahr. Der aktuell bestehende Erwärmungstrend wird dadurch über kurze Zeiträume maskiert. Während langfristig die globale Temperatur an der Oberfläche mit ca. 0,018 Grad pro Jahr ansteigt, sieht man kurzfristig oft Dellen nach unten verursacht durch kalte Phasen im Pazifik durch La Nina-Ereignisse und  Maxima, die von El Nino-Ereignissen verursacht werden. Sieht man ein stärkeres El Nino-Ereignis kommen, liegt die Vermutung nahe, dass eine außerordentlich hohe globale mittlere Temperatur für dieses Jahr zu erwarten ist. 2014 und 2015 könnte es wieder soweit sein, schreibt jedenfalls Michael Ventrice auf Jeff Masters WunderBlog.

Die Webseite Wunderground ist eine wichtige Informationsquelle für Menschen, die an Wetter und Klima interessiert sind und eine besondere Institution ist dabei der Blog von Jeff Masters. Hier gibt es oft Hintergrundinformationen und Kommentare zu aktuellen Wetterereignissen und Klimaentwicklungen. Natürlich wird hier auch die Entwicklung der El Nino-Southern Oscillation (ENSO) diskutiert. Dabei handelt es sich um eine Zirkulation kalten und warmen Wassers im Pazifik, die verschiedene Phasen einnehmen kann. Vereinfacht gesagt führen El Nino-Phasen dazu, dass vor allem im östlichen tropischen Pazifik warmes Wasser an die Oberfläche tritt. Dies hat eine Reihe von Witterungsentwicklungen in verschiedenen Weltregionen zur Folge und führt auch dazu, dass die Erwärmung der Erde weniger gut in tiefere Ozeanschichten transportiert wird. Warme Meeresgebiete sorgen dafür, dass die global gemittelte Oberflächentemperatur höher ist als normal. In Verbindung mit der globalen Erwärmung sorgt das dafür, dass neue Temperaturrekorde meistens mit einer entsprechenden ENSO-Phase, also einem El Nino, verbunden ist.
Vorhersage der Oberflächentemperaturanomalie im östlichen tropischen Pazifik entsprechend dem Ensemble des CFSv2-Modells für die letzten 10-Tage des 30-tägigen Initialisierungszeitraums. Quelle NOAA.


Wie Michael Ventrice in seinem Gastbeitrag in Jeff Masters Blog erläutert, sammelt sich gerade in 100 bis 200 Meter Tiefe im östlichen tropischen Pazifik sehr warmes Wasser (6 Grad wärmer als im Durchschnitt), was darauf hindeutet, dass hier gerade günstige Bedingungen für einen starken El Nino geschaffen werden. Auch die Erwartung starker westlicher Passate, die Wasser nach Osten schieben und für absinkendes Wasser vor Südamerika sorgen würden, ist hoch.  Weiter unten sieht man in dem Beitrag auch die Prognosen verschiedener Modelle, die insgesamt zeigen, dass im Laufe des Jahres die Wahrscheinlichkeit sehr groß ist, dass ein mittleres bis starkes El Nino-Ereignis entsteht. In Kombination mit der weiter laufenden globalen Erwärmung ist es nun ziemlich wahrscheinlich, dass die nächsten beiden Jahre am oberen Rand der Temperaturentwicklung stehen werden und entweder 2014 oder 2015 nach 2010 das nächste Rekordjahr für die globale Oberflächentemperatur werden.

Nachtrag: zum Thema sollte man auch Stefan Rahmstorfs Beitrag in der Klimalounge lesen.

Kommentare:

facepalm hat gesagt…

Das wird heuer bzw. 2015 noch spannend, insbesondere auch beim arktischen Meereis. Ich bin dann auch gespannt, auf was für Ausflüchte sich die Leugner dann stürzen werden, denn das "seit 1998 kühlt es ab" Märchen ist dann ja final geplatzt.

facepalm hat gesagt…

Ein weitere Beitrag mit einer Animation, die die Ausbreitung des warmen Wassers zeigt:

http://robertscribbler.wordpress.com/2014/03/25/monster-el-nino-emerging-from-the-depths-nose-of-massive-kelvin-wave-breaks-surface-in-eastern-pacific/