Mittwoch, 4. August 2010

Was das Wetter über den Klimawandel sagt

Wetter ist nicht Klima. Die Wetterparameter (Temperatur, Feuchte, Wind) zeigen eine erhebliche Variabilität um ihre Mittelwerte. Das gleiche gilt für Witterungen und jahreszeitliche Gänge in einzelnen Jahren. Weder ein einzelner heißer Sommer noch ein einzelner relativ kalter Winter beweisen eine Klimaänderung oder einen Trendwechsel. Das kann man allerdings mißverstehen. Es gibt nicht nur das eine Extrem, daß weniger kundige oder an einem bestimmten Klimatrend interessierte Menschen ein Einzelereignis als Zeugnis für ihre Meinung anführen, wie etwa ein Teil der Leugner, die mit einem recht kalten und schneereichen Winter in Teilen Europas eine globale Abkühlung beweisen wollten. Das andere Extrem ist das Mißverständnis, das einzelne extreme Wetterlagen keine Aussagen zum Klimawandel zuließen. Das ist ein Irrtum, denn eine Häufung extremer Wetterereignisse ist durchaus signifikant. Und zwar taugen sie für zwei Aussagen. Zum einen zu Aussagen bezüglich eines bestehenden Kliamwandels. Zum anderen dazu, was wir von diesem Klimawandel zu erwarten haben.

Verhältnis von hohen zu niedrigen Rekordtemperaturen an 1800 Wetterstationen in den USA ohne Alaska und Hawaii (©UCAR, graphic by Mike Shibao.)

Donnerstag, 29. Juli 2010

Stunde der Wahrheit in der Hockeyschlägerdiskussion

Der Artikel bei Real Climate, in dem Tamino die Fehler im Buch von Montford über den angeblichen Hockeyschläger-Schwindel erläutert, wurde von Kommentatoren als einer der besten überhaupt in dem Blog beschrieben. Ursache dafür ist nicht nur Taminos (unter seinem realen Namen ein anerkannter Statistiker) zwingende, ausführliche Analyse, sondern vielleicht mehr noch die Diskussion, die auf diesen Beitrag folgte. Sie entlarvte unter anderem eine Wissenschaftlerin, die mit dem Anspruch angetreten war, das Stammesdenken in der Klimaforschung aufzubrechen, am Ende aber nur zeigte, wie sehr sie selbst das Denken eines bestimmten Stammes verinnerlicht hatte und wie sehr sie das als Wissenschaftlerin kompromittiert. Und die Diskussion schlug Wellen in anderen Blogs. Die bange Frage ist, wie man nun mit dieser Diskussion umgehen soll. Wie packt man den Inhalt von mehreren Blogartikeln und über 700 Blogkommentaren (alleine bei Real Climate und bei Joe Romms Climate Progress) in einen übersichtlichen Artikel? Und wie geht man damit um, daß hier über technische Details gestritten wird, die eigentlich sauber nur Menschen verstehen können, die zum einen vertraut mit den ganzen verwendeten Datensätzen und zum anderen erfahren mit der Anwendung verschiedener statistischer Verfahren, darunter der Hauptkomponentenanalyse (oder Principal component analyses PCA) sind?

Donnerstag, 22. Juli 2010

Leugner ist das falsche Wort

Im Nachgang zum sogenannten Climategate wurde unter den betroffenen Wissenschaftlern das Bewußtsein geschärft, mit was sie es eigentlich zu tun haben. Gerade wurde bekannt, daß der Energiekonzern Exxon Mobile wieder 1,5 Millionen US-Dollar an Think Tanks und Organisationen ausgeteilt hatte, deren Aufgabe es ist, Zweifel an dem Stand der Wissenschaft zum Klimawandel zu erzeugen. Dabei hatte Exxon Mobile noch 2007 zugesichert, daß man die Finanzierung von Leugnergruppen in Zukunft unterlassen würde. Unter anderem gingen 50.000 US-Dollar an The Media Research Centre. Diese Einrichtung behauptete unter anderem, daß die Reihe von Untersuchungen zu Professor Michael Mann, Professor Phil Jones und die Climate Research Unit im Nachgang von Climategate, die diese Personen von den Vorwürfen entlasten konnten, nur Alibiveranstaltungen seien, die diese Personen reinwaschen sollten. Diese Propaganda machte genau so die Runde in den Leugnerblogs. Der Meteorologe Kerry Emmanuel, bekannt unter anderem durch seine Arbeiten zur Hurrican-Forschung, fand nun sehr deutliche Worte für Leugner unter den Wissenschaftlern, darunter auch Richard Lindzen und Fred Singer, die 2009 behauptet hatten, es gäbe keinen wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel.

Dienstag, 20. Juli 2010

Stephen H. Schneider 1945 - 2010

Am 19. Juli 2010 ist Stephen Schneider im Alter von 65 Jahren durch Herzversagen nach einem Schlaganfall in London gestorben. Stephen Schneider war einer der profiliertesten Klimaforscher (siehe auch der Nachruf durch Ben Santer auf Real Climate). Mir war er besonders als Redakteur und Gründer der Fachzeitschrift Climatic Change bekannt. Er war aber außerdem ein Wissenschaftler mit über 350 Publikationen als Erst- oder Mitautor und war mit großem Engagement als Experte zum Klimwandel für zahlreiche amerikanische Regierungen tätig. Außerdem war er Redakteur und Autor in der Arbeitsgruppe 2 des 4. Berichts des IPCC und Autor in den früheren Berichten des IPCC sowie Redakteur der zusammenfassenden Berichte für Entscheidungsträger und gehört damit auch zu den Personen, die mit dem Friedensnobelpreis 2007 geehrt wurden.

Homöopathie - auch ein Lehrstück für die Klimadebatte?

Homöopathie ist ein Testfall. Ein Testfall dafür, ob Politiker faktenbasierte Entscheidungen treffen, ein Testfall dafür, wie verbreitet Aberglaube in der Bevölkerung ist, ein Testfall für die Abwehrmechanismen von Pseudowissenschaften.

Die Geschichte dazu ist schnell erzählt. Obwohl Homöopathen in gut 200 Jahren den Nachweis schuldig geblieben sind, daß ihre Tradition der Medizin sich naturwissenschaftlich einordnen läßt und wirksam ist auf dem Niveau, das wir bei medizinischen Behandlungen sonst immer fordern, leisten wir uns den Luxus, über einige Krankenkassen homöopathische Behandlungen zu subventionieren. Der fatale Eindruck beim Patienten ist, daß das Medizin sei wie andere auch. Immerhin gäbe es ja auch bei bestimmten Krankheitsbildern, üblicherweise eher psychosomatisch angelegte Krankheitsbilder subjektiv beim Patienten den Eindruck von Verbesserungen während einer homöopathischen Behandlung. Einen solchen subjektiven Eindruck haben allerdings auch Patienten von afrikanischen Medizinmännern oder von Schamanen in Nordasien, wenn sie ausreichend besprochen, umtanzt und Naturgeistern entsprechende Opfer gebracht wurden. Auch das Opfern einiger kleiner Mädchen beim Höhepunkt einer Epidemie einer Infektionskrankheit ist in fernerer Vergangenheit schon von vielen als wirksame Maßnahme empfunden worden. Zwischen diesen Methoden und der Homöopathie besteht nur der Unterschied, daß man für das Opfern kleiner Mädchen keine Krankenkasse findet, die es finanziert. Warum ist das so? Wie gesagt, der objektive Wirksamkeitsnachweis ist nicht die Ursache – für die Homöopathie gibt es keinen. Und als Chemiker weiß ich, obwohl ich keine Ahnung von Medizin habe, daß der Homöopathie die naturwissenschaftliche Basis fehlt. Es gibt kein Gedächtnis des Wassers und hochpotenzierte Mittel können keine andere Wirkung haben als die des verwendeten Zuckers oder Wassers. Und an dem Punkt ist bereits jede sinnvolle Diskussion zu Ende, was danach kommt, ist sinnloses Predigen eines Aberglaubens, und beherrscht in seiner Langatmigkeit die Internetforen zu dem Thema. Dabei war schon seit 1835 die Position der Homöopathen nicht mehr haltbar. Dazu im Blog Science based medicine der Beitrag Homeopathy: failing randomized controlled trials since 1835.

Freitag, 16. Juli 2010

Moncktons Versuch, Kritik zu ersticken

In der Leugnerszene ist Christopher Monckton zu einem Flaggschiff ihrer Ansichten geworden. Das läßt in vielerlei Hinsicht tief blicken. Zum einen vertreten Leugner einander widersprechende Ansichten. Z.B. meinen einige von ihnen, Sonneneinstrahlung oder kosmische Strahlung würden das Klima steuern, was für eine hohe Klimasensitivität sprechen würde. Andere meinen, die Klimasensitivität wäre sehr gering und daher keine Klimaänderungen zu erwarten. Manche meinen, es gäbe natürliche Klimazyklen, die also von externen Größen gar nicht beeinflusst würden. Meistens ist aber gar nicht genau feststellbar, wie diese Menschen sich nun eigentlich Klimaänderungen vorstellen oder was sie überhaupt meinen. Trotzdem können sich alle darauf einigen, daß das IPCC falsch liegt, bei was auch immer und sich daher hinter einen Vertreter wie Monckton scharen.

Dienstag, 13. Juli 2010

Nachtrag zu: Erbsenzählen ist keine Wissenschaft

Ich hatte darauf hingewiesen, daß es keine Wissenschaft ist, redaktionelle Fehler oder Fehler in Details zu suchen oder gar zu erfinden. Und daß außerdem eine große Zahl von Untersuchungen bestägt, daß das IPCC oder vielfach angegriffene Wissenschaftler wie Michael Mann, James Hansen oder Phil Jones gute Arbeit leisten. Es ist aber auch klar, daß solche objektive Feststellungen die Gemeinde der Leugner gar nicht interessieren. Und daß es der Job der Medien wäre, dies den Menschen auf der Straße klar zu machen - doch die Medien tun es nicht.

Sie tun es auch nicht, weil es hier ein grundsätzliches Verständnisproblem auf Seiten der Journalisten gibt.

Sonntag, 11. Juli 2010

Erbsenzählen ist keine Wissenschaft

Angriffe gegen das IPCC oder gegen ausgewählte Feindbilder wie die Professoren Michael Mann, Phil Jones oder James Hansen wurden notorisch oft geführt und waren notorisch erfolglos. Man sieht das an der Serie von Entlastungen von Vorwürfen, die im Fall von Jones und der Climate Research Unit durch einen Parlamentsausschuß, durch den Oxburgh-Ausschuß und den Muir-Russell-Ausschuß ausgesprochen wurden oder über die Ergebnisse und den Abschlußbericht der Untersuchung bei Michael Mann erteilt wurden. Man sieht es auch daran, daß die angegriffenen Ergebnisse von anderer Seite reproduziert wurden, zuletzt beispielsweise wurden die Ergebnisse des 4. Berichts des IPCC vom Niederländischen Amt für Umweltanalysen PBL bestätigt. Man denke auch an die Bestätigung von Michael Manns "Hockeyschlägerkurve" durch ein Komitee des National Research Council der USA. Einige Zeitungen, die Falschmeldungen über angebliche Fehler im IPCC-Bericht verbreitet hatten, haben dies inzwischen zurückgezogen, zum Beispiel die britische Times einen angeblichen Fehler des IPCCs zur Bedrohung des Amazonas-Regenwaldes durch den Klimawandel. Die meisten Medien lassen jedoch über ihre Falschberichterstattung lieber Gras wachsen, wie zum Beispiel die völlig uneinsichtigen, arroganten und sturen Journalisten des Spiegels, deren Falschberichterstattung ich hier zum Thema gemacht hatte, wie das Versagen des Journalismus überhaupt. Einer der wichtigsten Aussagen im Muir-Russell-Report war im übrigen, daß dort bestätigt wurde, daß es möglich war, in zwei Tagen die Temperaturzeitreihe der Climate Research Unit auf Basis der Publikationen und frei verfügbarer Daten zu reproduzieren - etwas, was Steve McIntyre und seiner Climate Audit-Gemeinde trotz vorgeblich heftigster Anstrengungen ohne Anfragen nach dem Freedom of Information-Gesetz und selbst mit ihnen über mehrere Jahre angeblich nicht möglich war, was entweder schlimmste Unfähigkeit oder sehr bösen Willen ausdrückt.

Samstag, 10. Juli 2010

Auch Krake Paul kann sich irren...


Gerade geht die Fußball-WM ihrem Ende zu. Ein schönes Ereignis, bei dem die deutsche Mannschaft gute Laune verbreitet hat, wenn es auch für das Finale nicht gereicht hatte. Den Ausgang der ersten sechs Spiele der deutschen Mannschaft hatte ein Krake namens Paul im Sea Life Centre Oberhausen korrekt vorhergesagt. Das hat international mittlerweile zu einer Krakenhysterie geführt. Millionen Menschen weltweit glauben bereits an der Unfehlbarkeit des Kraken. Andererseits führen die Vorhersagen des Tieres auch dazu, daß die Anhänger der nicht begünstigten Mannschaften gereizt auf das Tier reagierten, die Anhänger der begünstigten Mannschaften hingegen dem Kraken größte Begeisterung entgegenbringen. Dabei sagt das arme Tier natürlich nicht voraus, wie die jeweiligen Spiele ausgehen, sondern wählt nur von zwei Boxen die eine aus, in der vermutlich das leckerste Futter wartet oder die das attraktivste Aussehen hat, zum Beispiel das hellste oder prägnanteste Streifenmuster (wie die spanische oder die deutsche Flagge im Gegensatz zur britischen oder argentinischen Flagge). Es sind Menschen, die aus dem Verhalten des Tieres Spielvorhersagen machen. Und diese Vorhersagen sind zufällig falsch oder richtig. Bei einer Serie von Spielvorhersagen ist die Wahrscheinlichkeit für eine komplett richtige Serie 1/2n (wenn man das Unentschieden hier ausblendet, was ich der Einfachheit halber im folgenden tue, für Paul gibt es auch kein Unentschieden). Bei 6 Spielen also 0,0156. Eine geringe Wahrscheinlichkeit, aber angesichts der Tatsache, daß es noch eine Reihe anderer Tierorakel gibt, war es doch zu erwarten, daß darunter eines ist, das eine solche korrekte Serie hinbekommt. Eigentlich unglaublich, daß es inzwischen viele Menschen gibt, die tatsächlich fragen, wie der Krake das macht oder ihm zutrauen, daß er Vorhersagen machen kann. Schon bei der durch Grippe dezimierten deutschen Mannschaft im Spiel gegen Uruguay sieht es für das Krakenorakel nicht so gut aus.

Dienstag, 6. Juli 2010

Bestätigung der Klimaforscher - warum es nie genug sein wird

Vor 12 Jahren (Mann, M.E., R.S. Bradley, and M.K. Hughes, Global-scale temperature patterns and climate forcing over the past six centuries, Nature, 392, 779-787, 1998.) publizierten Michael Mann und seine Kollegen eine Temperaturrekonstruktion für die Nordhemisphäre und den gesamten Globus, bei der im wesentlichen festgestellt wurde:
  • es gibt inzwischen eine Reihe geeigneter Temperaturproxizeitreihen, aus denen sich eine Temperaturrekonstruktion für die letzten bis zu 1000 Jahre zumindest für die Nordhemisphäre herstellen läßt,
  • die Warmperiode im Mittelalter, die für Europa eine durchaus spürbare Erwärmung darstellte, war global ein untergeordnetes Ereignis, denn die Warmzeiten in jenem Zeitraum traten je nach Region der Erde zu unterschiedlichen Zeiten auf,
  • In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts lag die Temperatur signifikant über allen vergleichbaren Zeiträumen der Temperaturrekonstruktion - wahrscheinlich war es also derzeit wärmer als je zuvor in den letzten 1000 Jahren und global auch wärmer als in der Warmzeit des Mittelalters.
Aus dieser Arbeit konnte man daher folgern, daß die Menschheit mit einer weiteren Klimaänderung den Bereich verlassen würde, den wir aus historischer Zeit kennen. Zudem hat die aktuelle Geschwindigkeit der Klimaänderungen keinen Präzedenzfall aus historischer Zeit. Und schließlich macht es die Temperaturrekonstruktion auch wahrscheinlich, daß die Klimasensitivität nicht all zu hoch ist, und der Bereich von ca. 2 bis 4,5 Grad je Verdopplung des CO2-Äquivalents ganz vernünftig ist.

Dienstag, 22. Juni 2010

Konsenswissenschaft ist gute Wissenschaft

Journalisten leiden unter der "berichte von beiden Seiten der Kontroverse"-Krankheit, bei der sie so tun, als könne man nicht erkennen, ob eine Seite definitiv falsch liegt. Daß der IPCC-Bericht an sich schon als Übersichtsartikel über die wissenschaftliche Literatur einen Konsens zum Klimawandel definiert, den man als Lackmustest nutzen kann, ob jemand Unsinn redet, hat Teile des Journalismus nicht erreicht. Daß es eindeutige Stellungnahmen aller großen Wissenschaftsvereinigungen zum Klimawandel gibt, ging auch an bestimmten Journalisten vorbei. Nun zeigt ein Artikel in den Proceedings of the National Academy of Sciences, daß es einen weiteren Ansatz gibt, mit dem man zeigen kann, daß die Wissenschaftler, die den Konsens zum Klimawandel vertreten, die qualitativ bessere Ansicht vertreten. Das Maß der Dinge ist hier die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten und wie oft diese zitiert werden. Letzteres ist ein Maß für Qualität, denn schlechte Arbeiten werden nur selten oder gar nicht zitiert, gute Arbeiten hingegen oft. Es mußte also nur jemand die Fleißarbeit leisten, für möglichst viele Wissenschaftler nachzuschauen, wie sie zum Konsens zum Klimawandel stehen und wie oft ihre Arbeiten zitiert werden, und wie viel ihrer Arbeiten zum Thema Klimawandel ist. Der Kanadier James Prall hatte diese Arbeit auf sich genommen und schon seit langem auf einer Webseite verbreitet. Zusammen mit anderen hat er die Ergebnisse der Anayse dieser Daten publiziert: William Anderegg, James Prall, Jacob Harold und Stephen Schneider, Expert credibility in climate change, PNAS 21. Juni 2010, doi:

Sonntag, 13. Juni 2010

Wenn das Mittelmaß die Wissenschaft beherrscht

Vor einer Woche hatte ich einen Beitrag schreiben wollen, der sich mit einer Reihe von Beiträgen auf der Klimazwiebel auseinandersetzen sollte. facepalm hatte darauf hingewiesen, daß dort gleich eine Serie von Beiträgen war, in denen Klimaforschern unterstellt wurde, sie seien Sympathisanten totalitärer Ansichten (hier durch Dennis Bray) oder man könnte ihre Arbeiten mit Tendenzen im Stalinismus vergleichen. Nun war ich wegen Audits auf Reisen und konnte das nicht mehr fertigschreiben. Ich hatte dazu schon mal etwas geschrieben, und in Randbemerkungen nimmt auch Stefan Rahmstorf in der Klimalounge zur Kenntnis, was da mit Billigung von Hans von Storch abläuft. Es gibt eine etwas andere Wendung, indem nun der Lysenko-Vergleich mißbraucht wird. Nicht zum ersten Mal übrigens, wie dieser Beitrag von Hans von Storch zeigt. Trofim Denisowitsch Lysenko war jemand, der nur ein rudimentäres wissenschaftliches Training hatte, aber aufgrund der politischen Verhältnisse zum dominierenden Wissenschaftler in der Agrarbiologie unter Stalin aufsteigen konnte und dadurch die Möglichkeit hatte, in seinem Bereich anderen vorzuschreiben, was man gefälligst als Stand der Wissenschaft zu akzeptieren habe. Wir haben nun zur Kenntnis nehmen dürfen, daß nach Meinung von Autoren des Blogs die Klimazwiebel inklusive Hans von Storch dies eine Parabel der Klimaforschung sei. Klimaforscher schicken also Kollegen mit anderer Meinung dank politischer Rückendeckung ins Lager. Aber halt, so hat es Hans von Storch nicht gemeint. Oder?

Donnerstag, 3. Juni 2010

Wenn die Hitze tötet

In Indien herrscht zur Zeit eine Hitzewelle von ungewöhnlichem Ausmaß. Eine unbekannte Zahl von Menschen sind ihr bereits zum Opfer gefallen. Die Zeit vor den Monsunregen im April und Mai ist die heißeste Zeit in Indien. Die Hitze ist vor allem deshalb unerträglich, weil im Gegensatz zur Wüste auch die Luftfeuchtigkeit hoch ist. Vor 7 Jahren meldeten Zeitungen, alleine in der Provinz Andhra Pradesh seien bis zum 2. Juni 900 Menschen an Hitzschlag gestorben. Die Zahlen für den gesamten Subkontinent sind natürlich mehrfach höher. Aber die Zahl der Menschen, die direkt und indirekt durch die große Hitze umgekommen war, ist wohl kaum zu ermitteln. In den vergangenen zwei Monaten herrschte erneut eine Hitzewelle, die über das übliche Maß hinausging. Am 2./3. Juni war die Minimumtemperatur in Dehli 34,7 Grad Celsius, ein 40-Jahres-Rekord. Es wird berichtet, daß schon über 1000 Menschen an Hitzschlag gestorben seien, vor allem alte Menschen und Kinder, während die Temperaturen tagsüber bis auf 50 Grad Celsius steigen. Die Monate März und April waren die heißesten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen in Indien und auch der Mai wies Temperaturen bis zu 7 Grad über dem saisonalen Mittel auf.

Die hohe Zahl an Toten ist nicht etwa einzigartig - es gab auch andere Jahre, in denen Hitzschlag und durch die Hitze verdorbenes Essen zu zahlreichen Toten vor der Monsunzeit führten. Das Problem tritt immer dann auf, wenn die Hitze so groß ist, daß die Körperwärme nicht mehr abgeführt werden kann und die Körpertemperatur längere Zeit über 40 Grad steigt. Hitze kann abgeführt werden, wenn verdunstender Schweiß die Haut auf etwa 35 Grad kühlen kann. Ist die Luftfeuchtigkeit zu hoch und gleichzeitig die Lufttemperatur hoch, ist dies nicht mehr möglich - die Haut bleibt wärmer als 35 Grad und kann die Körperwärme nicht mehr abführen. Die entscheidende Temperatur ist also nicht die Lufttemperatur, sondern die Verdunstungstemperatur auf der Haut. Bei gleicher Lufttemperatur steigt diese mit zunehmender Luftfeuchtigkeit deutlich an. Daher ist die gefühlte Temperatur bzw. der Wärmeindex abhängig von relativer Luftfeuchtigkeit und Lufttemperatur. In Indien lag und liegt die gefühlte Temperatur in weiten Landesteilen in dieser Trockenzeit im Tagesmaximum weit über 60 Grad Celsius.

Das Beispiel verdeutlicht, daß schon heute in den Tropen, wenn die relative Luftfeuchtigkeit nicht zu niedrig ist, die Lufttemperatur den Grenzbereich erreicht, bei dem menschliches Leben im Freien möglich ist. Sollte die Temperatur in diesen Regionen nur um wenige Grad ansteigen, wäre menschliches Leben dort kaum noch möglich. Auch für viele Tiere und sogar Pflanzen wäre ein Leben dort nicht mehr möglich. Die Frage ist daher, ob die globale Erwärmung den Bereich erreichen könnte, in dem Teile der Tropen zu Todeszonen würden? Im allgemeinen erfolgt die globale Erwärmung ungleichmäßig. Die Tropen erwärmen sich deutlich langsamer als die gemäßigten und die polaren Zonen. Die Treibhausgase unterdrücken vor allem die Auskühlung der Regionen, in denen die Strahlungsbilanz durch die Sonne negativ ist, etwa in der Nacht oder im Winter. In den polaren und gemäßigten Zonen wirkt zudem eine positive Rückkopplung durch eine verringerte Schnee- und Eisbedeckung bei einer Erwärmung. Eine globale Erwärmung von 3 Grad kann in den polaren Zonen zu einer mehr als doppelt so hohen mittleren Temperatursteigerung führen. In den Tropen andererseits steigt die mittlere Temperatur nur um 2 Grad oder weniger. Rekordhitze, wie jetzt in Indien, würde bei einer globalen Erwärmung um 3 Grad wahrscheinlicher, aber nicht unbedingt zum Regelfall. Noch höhere Temperaturen würden durch eine negative Rückkopplung aufgrund der verstärkten Abstrahlung proportional zur vierten Potenz der Temperatur und durch verstärkten Wärmetransport in die gemäßigten Zonen weitgehend unterdrückt.

Doch sollte die globale Temperatur um mehr als 11 Grad ansteigen, würde es in weiten Gebieten der Erde heiß genug werden, um sie für Menschen im Freien zu Todeszonen zu machen. Schon bei einem Anstieg der globalen Temperatur um 7 Grad würden in den Tropen Zonen entstehen, in denen die Verdunstungstemperatur über 35 Grad steigt und menschliches Leben im Freien nicht mehr möglich ist. Dies sind die Ergebnisse von Steven Sherwood und Matthew Huber in An adaptability limit to climate change due to heat stress, PNAS, 3. Mai 2010, die zum Beispiel hier bei Skeptical Science erläutert werden. Diese Ergebnisse verdeutlichen, daß wir es mit einer ganzen Serie von Grenzwerten zu tun haben, die die menschliche Besiedlung der Erde in Frage stellen. Bei 2 bis 3 Grad erfolgt die irreversible Schmelze von Eisschilden in Grönland und der Westantarktis, die im Laufe von vielleicht unter 3 Jahrhunderten zu einem mittleren Anstieg der Meeresspiegel von über 10 Metern führen können und dadurch zum Verlust sämtlicher bisher intensiv genutzter Küsten- und Tieflandregionen. Danach droht der Verlust vieler Ökogebiete wie etwa der tropischen Regenwälder und der Korallenriffe. Darüber oder darunter setzt der Verlust der Permafrostböden und die Ausgasung gewaltiger Mengen bisher im Boden gebundenen Kohlenstoffs ein, was den Anstieg von Treibhausgaskonzentrationen auf ein Vielfaches des heutigen Wertes irreversibel machen würde, also unabhängig von Emissionsminderungsmaßnahmen. Bei 7 Grad fangen wir an, Teile der Tropen als Siedlungsflächen zu verlieren. Bei 11 Grad wird der größte Teil der Erde lebensfeindlich.

Wenn wir über das 2 Grad-Ziel reden, haben wir im Hinterkopf, daß wir bei einem Scheitern mit größerer Dringlichkeit das 3 Grad-Ziel erreichen müssen und mit noch größerer Dringlichkeit unter einem globalen Temperaturanstieg von 4 Grad bleiben müssen. Denn durch das Einsetzen zusätzlicher positiver Rückkopplung würde über 4 Grad Temperatursteigerung nicht etwa die 5-Grad-Grenze in den Blick kommen, sondern es würde sich die Frage stellen, ob wir danach überhaupt noch die Kontrolle über die Erde gewinnen können, um nicht die 7-Grad-Grenze zu erreichen. Ich erinnere daran, daß wir bei jedem Ziel zur Emissionsbegrenzung aufgrund der Unsicherheit der Modellergebnisse immer über einen Temperaturbereich reden, bei dem es eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür gibt, daß wir am oberen Rand der Temperaturverteilung landen. Ohne Emissionsminderungsmaßnahmen sind Temperatursteigerungen um mehr als 7 Grad zu 10% wahrscheinlich - das ist viel! In den IPCC-Berichten gibt es keine Szenarien ohne Emissionsminderungsmaßnahmen, doch selbst hier liegen im A1F1-Szenario im oberen Bereich noch globale Temperatursteigerungen je nach Modell bis 6 Grad bis 2100 und mehr danach.

Zu der Wahrscheinlichkeitsverteilung von globalen Temperaturen abhängig von unseren Emissionen kommt ein zweites Risiko hinzu - die Trägheit unseres Klimasystems. Wenn die Treibhausgaskonzentrationen nicht mehr ansteigen, dauert es einige Zeit, bis die neue Gleichgewichtstemperatur erreicht wird. Innerhalb von 30 Jahren können derzeit ca. 0,5 bis 1 Grad globale Erwärmung hinzukommen, wenn wir augenblicklich die Treibhausgaskonzentrationen einfrieren können. Wenn wir erst abwarten, bis die globale Temperatur um 2 Grad gestiegen ist, würde ein dramatisches Handeln dann immer noch einen weiteren globalen Temperaturanstieg von mehr als einem Grad nicht mehr verhindern können. Wie viel mehr, hängt an langsamen Rückkopplungen wie die Kohlenstoffbilanz der Permafrostböden, die wir noch nicht ausreichend verstehen. Es ist bedauerlich, daß diese Zusammenhänge für die meisten Menschen und viele Entscheidungsträger zu komplex sind, um ein Gefühl für Dringlichkeit des Problems zu wecken.

Mittwoch, 2. Juni 2010

Anscheinend unwiderlegbar

Leugner sind anscheinend unwiderlegbar. Vor kurzem wieder hatte ein Besucher dieses Blogs damit argumentieren wollen, dass es seit 1995 keine signifikante Erwärmung gäbe, ein Blödsinn, der von der Leugnerszene im Rahmen ihre politischen Kampagne gestreut wird. Andere reden sogar immer noch von Abkühlung oder fehlender Erwärmung der Meere. Und in einer britischen Zeitung wird behauptet, die britische Royal Society wolle ihre Stellungnahme zum Klimawandel nach Kritik von "Skeptikern" (das heißt, Leugnern) überarbeiten. Egal wovon die Rede ist, die Realität sieht genau anders herum aus. Nicht nur ist eine globale Temperaturzeitreihe seit 1995 grundsätzlich nicht signifikant, weshalb man nur längere Zeitreihen betrachtet und die, das ist auch allgemein bekannt, zeigen eine globale Erwärmung in dem Umfang an, wie sie sich auch nach Modellrechnungen ergibt. Mehr noch, das laufende Jahr verspricht in mindestens einer der großen Temperaturzeitreihen einen neuen Rekord zu ergeben. Im laufenden Mittel der letzten 12 oder 13 Monate hat die GISS-Zeitreihe bereits einen neuen Rekord erreicht und in den Satellitenmessungen sind wir nicht mehr weit von einem neuen Temperaturrekord. Leugner sollte man daher immer wieder fragen: wo ist denn die globale Abkühlung, von der ihr 2008 und 2009 permanent geredet habt? Selbst die inkompetente Wissenschaftsredaktion des Spiegels hat ja der Abkühlungslüge der Leugner das Wort geredet.

Inzwischen konnten auch die Temperaturmessungen in den Ozeanen, mit denen die Wärme in den Meeren bestimmt wird, von Lyman und seinen Kollegen überarbeitet und korrigiert werden und zeigen nun über lange Zeiträume im Rahmen der Ungenauigkeit die erwartete Erwärmungsrate. Wissenschaftler wie Trenberth weisen darauf hin, daß die Messungen der Strahlungsdifferenz am Oberrand der Atmosphäre aufgrund des Treibhauseffektes und die gemessene Erwärmungsrate der oberen 700 Meter der Ozeane für kurze Zeiträume noch nicht zusammenpassen. Die Erwärmung war in den letzten Jahren zu langsam. Es fehlt nicht an Mutmaßungen, wie man die Daten in Übereinstimmung bringen kann. Die mittlere Tiefe der Ozeane liegt bei ca. 3700 Metern, und die Abdeckung der Ozeane durch Messsonden ist möglicherweise noch nicht ausreichend, um den räumlichen Fehler der Messungen genügend zu reduzieren. Schon bei einer Erfassung von einer 2000 Meter tiefen Schicht der Ozeane erhält man in den letzten Jahren eine stärkere Erwärmung als bei Betrachtung nur der oberen 700 Meter. Vielleicht geht mehr Wärme in tiefere Meeresschichten, als wir vermuten. Natürlich gibt es auch einen Fehler bei der Strahlungsdifferenz zwischen eingehender und abgehender Strahlung am Oberrand der Atmosphäre. Immerhin konnte eine Arbeitsgruppe um Susan Solomon feststellen, daß eine schwankende Konzentration von Wasser in der Stratosphäre die Erwärmungsraten vor der Jahrtausendwende beschleunigt und nach der Jahrtausendwende verzögert haben könnte. Den Effekt hat Georg Hoffmann in seinem Blog näher erläutert. Auch der Effekt der Aerosole kann zu einer Ungenauigkeit in der Strahlungsbilanz beitragen. Diese ganze Diskussion geht aber nicht über den langfristigen Trend, sondern nur darum, wie gut wir kurzzeitige Schwankungen der globalen Erwärmung und der globalen Temperatur verstehen.

Wenn man angestrengt nicht verstehen will, bieten die Feinheiten der Diskussion der globalen Erwärmung Leugnern viel Stoff, aber die für sie unangenehme Wahrheit ist, daß es global in erwarteter Weise wärmer wird und keine der Vorhersagen der Leugner über eine geringere Klimasensitivität oder globale Abkühlung eingetroffen ist.

Nun versuchen die Leugner, wo sie bei den Fakten nur Nieten ziehen, doch zumindest über Skandalisierungen und eingebildete Kontroversen in der Wissenschaft zu punkten. Immer kräftig unterstützt von inkompetenten Journalisten, wie z.B. die völlig unfähige Wissenschaftsredaktion des Spiegels oder ganz oben zitiert, die Times. Was die Times da aber schreibt, ist das exakte Gegenteil dessen, was wirklich passiert. Kurz gesagt, wenn der Leser maximal desinformiert sein möchte, muß er nur Artikel bevorzugt angelsächsischer Medien lesen - oder, ich muß leider immer wieder in die Kerbe hauen, die Ergüsse der naturwissenschaftlich unbeleckten Wissenschaftsjournalisten beim Spiegel (bei allen Ungenauigkeiten habe ich bei der FAZ, beim Fokus und, mit Ausnahme des Kommentarteils, bei der Welt eine deutlich bessere Trefferquote ausmachen können). Die Times streut also, die Royal Society wolle ihren Standpunkt zum Klimawandel überarbeiten? Das will sie wirklich, aber nicht in dem Sinne, daß man den sogenannten "Skeptiker"-Standpunkt einarbeiten möchte, sondern im Gegenteil in dem Sinne, daß man die Ergebnisse der Wissenschaft in den letzten drei Jahren berücksichtigen und einige Punkte klarer fassen möchte. Was soll denn in den letzten drei Jahren passiert sein, was irgendetwas an der Einschätzung geändert haben könnte, daß die Klimasensitivität für eine Verdopplung des CO2-Äquivalents bei 3 Grad liegt und ohne Gegenmaßnahmen die Summe der Klimaantriebe der Treibhausgase deutlich mehr als diese Verdopplung betragen wird? Im Gegenteil kamen ja in der publizierten Literatur nur Bestätigungen der Theorie und Widerlegungen der Leugner.

Und dies alles ist ja der Grund, warum ich das Wort "Leugner" immer ausschreibe. Diese Menschen mögen jeweils sehr verschieden argumentieren. Das reicht von Verschwörungstheorien über die Clownphysik nach dem Muster von Gerlich, Tscheuschner und Kramm, bei der der Treibhauseffekt geleugnet wird, über absurde Thesen einer exklusiven Steuerung des Erdklimas durch die Sonne bis zu der Behauptung einer geringen Klimasensitivität, wie es z.B. Lindzen behauptet. Gemeinsam ist ihnen allen nur eines: sie nehmen den Stand der publizierten Wissenschaft nicht zur Kenntnis und tun so, als wären sie nicht in den vergangenen Jahrzehnten widerlegt worden. Das erinnert an den schwarzen Ritter bei Monty Python, der selbst nach dem Verlust aller Gliedmaßen seine Niederlage nicht eingestehen wollte.



Leugner finden es beleidigend, "Leugner" genannt zu werden. Diese Bezeichnung ist genauso hart und unbarmherzig wie die Realität der globalen Erwärmung, aber auch genauso zutreffend. Und genau deshalb tut sie den Leugnern so weh.