Wenn man
mit Leugnern zu tun hat, begegnet man gelegentlich dem Vorwurf, dass
die wissenschaftlichen Erkenntnisse zum Klimawandel eine Religion
darstellten. Sie seien nicht vernunftgeleitet, sondern entstammten
einem naiven Glauben, der Mensch mache sich an der Umwelt schuldig
und müsse diese „Sünden“ abbüßen. Diese Unterstellung ist
eine Projektion, denn es sind die Leugner, die vernünftigen
Argumenten nicht zugänglich sind, sondern einen
antiwissenschaftlichen Glauben predigen. Die Unterstellung, die
Warnung vor dem Klimawandel sei eine Religion, begegnet einem sogar
in den Kommentarspalten eigentlich seriöser Medien. So hat die
Frankfurter Allgemeine Zeitung auch mit Joachim Müller-Jung einen
Wissenschaftsjournalisten, der in den letzten Jahren seriös über
den Klimawandel berichtet hat. Seine Glossen zum Klimawandel hatten
mir weniger gefallen und einmal bin ich ihn auch hart angegangen, als
er mal die ganze Wut über inkompetente Berichterstattung und
Kommentierung über die Angriffe von Leugnern gegen Wissenschaftler
abbekam, aber man kann sich diesen Artikel von ihm anschauen, um einen guten Überblick über aktuelle Größen des Klimawandels zubekommen. Im Wirtschaftsteil der FAZ hingegen fand man kürzlich
einen Kommentar mit unterirdischem Niveau. Eine religiöse Predigt,
die seit über 15 Jahren bekannte Rhetorikspiele von Leugnern
wiederholt. Kann sich die seriöse FAZ so etwas leisten?
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Sonntag, 17. Februar 2019
Dienstag, 22. November 2016
10 Jahre kalte Sonne - Vahrenholt
Vor 10 Jahren begann der Blog
Wattsupwiththat mit seiner Arbeit, eine Verschwörungstheorie über
die Klimaforschung zu verbreiten. Die Erzählung war damals, dass
Kohlendioxid gar nicht der entscheidende Treiber der globalen
Erwärmung wäre, sondern die Variation der Sonnenstrahlung über
Klimaänderungen entscheiden würde. Im Laufe eines Jahres wurde die
Erzählung ausgeweitet: die globalen Temperaturzeitreihen seien
falsch, weil die Wetterstationen zu schlecht seien und künstliche
Wärmesignale zeigten und die globale Erwärmung hätte 1998 bereits
ihren Höhepunkt erreicht und würde wieder zurückgehen. Klimawandelleugner gab es schon vorher,
aber schnell entwickelte sich der Blog des früheren
Wetterpräsentators Watts zu dem größten Leugnerblog. Die dort
verbreitete Verschwörungstheorie über angeblich kriminelle Klimaforscher,
die der Öffentlichkeit die globale Erwärmung vortäuschten, wurde
schließlich in Deutschland vom Autorengespann Vahrenholt und Lüning
aufgegriffen. Sie machten daraus das Buch „Die kalte Sonne“. Ein Rückblick zeigt, wie weit sich dieses Leugnertheater von der Realität entfernt hat...
Dienstag, 15. April 2014
Andreas Frey - der Abweg
Den folgenden Beitrag schreibe ich für mich als Erinnerungsstütze. Ab und zu fällt mir ein Journalist auf, der seine privilegierte Stellung in den Medien nutzt, um persönlich Politik zu machen und Leugnerthesen zu unterstützen. Die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke. Da war die verbale Hinrichtung von seriösen Klimaforschern wie Professor Phil Jones durch Spiegeljournalisten, die mit den Namen Marco Evers, Olaf Stampf und Gerald Traufetter verbunden ist. Da ist Axel Bojanowski, der regelmäßig ein Forum für Leugnerthesen bietet und dafür sorgt, dass man die Namen Judith Curry, Pielke jr. und sr., von Storch oder Tol oft im Spiegel erwähnt findet, ansonsten aber subtiler vorgeht, als andere Journalisten mit politischer Agenda. Da gibt es bei der Welt den überhaupt nicht subtilen Kommentator Ulli Kulke, der regelmäßig gegen den Stand der Wissenschaft hetzt. Während es bei den Wissenschaftlern eine überwältigende Einigkeit über den Status der Klimaforschung und zum Klimawandel in den Grundsatzfragen gibt - es gibt auf der Seite der Leugner kein einziges seriöses Forschungsinstitut, keinen meteorologischen Dienst, kein Wissenschaftsgremium und keinen Bericht irgendeiner dafür eingerichteten Wissenschaftlergruppe, der ihre Standpunkte stützt - sind die Journalisten anscheinend fast so wie die Bevölkerung in Lager aufgespalten, von denen eines bereitwillig Leugnerbehauptungen aufnimmt und den Klimawandel als Problem wegreden will. Und es gibt Nachwuchs. Als solcher ist mir Andreas Frey aufgefallen. Andreas Frey war nach dem Studium der Geographie, BWL und Linguistik 2011 als Volontär zur Badischen Zeitung gekommen, wo er bereits zuvor viele Jahre Arbeiten übernommen hatte (zum Beispiel im Sportressort). Vier Monate hospitierte er unter anderem auch im
Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Artikel findet man von ihm neben der Badischen Zeitung (zum Beispiel Werbung für das Buch "Die Klimafalle" von Hans von Storch und Werner Krauß) auch in der FAZ (zum Beispiel ein ganz vernünftiger Artikel zum Thema Stadtklima, aber auch wieder unter besonderer Nennung von Hans von Storch), in der Süddeutschen und in der Zeit. In letzterer Zeitung war mir ein besonders übler Artikel aufgefallen. Der Titel ist in wahrem Größenwahn mit "Sieben Thesen zum Klimawandel" überschrieben. Der mit Fachkenntnis nicht ausgestattete (woher denn?) Journalist meint, er könnte den Wissenschaftlern Alarmismus vorwerfen. Nun ist schon dieser Begriff verräterisch. Während der Begriff Leugner verkürzt ausdrückt, was Menschen machen - sie leugnen den Sachstand der Klimaforschung, der anhand der Fachpublikationen nachverfolgt werden kann - ist der Begriff "Alarmist" für seriöse Wissenschaftler einfach nur Hetze und Diffamierung, denn so werden Wissenschaftler bezeichnet, die Sachverhalte darstellen, die nachvollziehbar sind. Festzustellen, dass die Klimasensitivität einen Wert um 3 Grad je Verdopplung des CO2-Äquivalents hat, dass die globale Temperatur weiter ansteigt oder dass der pH-Wert der Ozeane deutlich sinkt, kann man nicht als Alarmismus bezeichnen.
Sonntag, 23. März 2014
Ist Leugnen logisch ?
Den Sachstand der Wissenschaft zu leugnen, weil die Schlußfolgerungen daraus einem nicht passen, erscheint unvernünftig. Dahinter steckt, sich freiwillig dumm zu stellen und Wissen abzuwehren. Das Leugnen ist auch die erste Phase der Reaktion auf existentielle Krisen (dann folgen Wut, Verhandeln, Resignation, Depression und, im Idealfall, Akzeptieren). Doch es wäre nicht sachdienlich, so zu tun, als würden Leugner aus Dummheit so handeln. Unter den Leugnern findet man intelligente (wenngleich eher engstirnige), gut ausgebildete Menschen. Dummheit ist eher nicht der Grund dafür, zum Leugner zu werden. Deshalb ist es auch die falsche Strategie, Leugner überzeugen zu wollen, indem man Ihnen den Sachstand der Wissenschaft erläutert. Wenn Sie bereit wären, den zu akzeptieren, hätten Sie schon lange die Vielzahl ausführlicher Erklärungen zum Klimawandel nutzen können. Für Leugner gibt es vernünftige Gründe, den Sachstand der Wissenschaft abzulehnen. Diesen Monat hat zu dem Thema auch Victor Venema in seinem Blog Variable Variability originelle Gedanken zu dieser Frage entwickelt und überlegt, ob die Abweichler bezüglich der Klimafrage vielleicht den Klimawandel mögen?
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Samstag, 1. Februar 2014
Auf unsere Kosten
Viele Lobbyvereine, die den wissenschaftlichen Sachstand zum Klimawandel leugnen und bekämpfen, sehen sich moralisch als Verteidiger der Geldbeutel ihrer Klienten. Sie sehen in der Wissenschaft zum Klimawandel nur die Lautsprecher grüner Umverteilungspolitik und die potentielle Verschwendung von Geldern. Es steht jedoch zu befürchten, dass ihre Sabotage der Wissenschaft und ihre irrationale Panikmache vor vernünftiger Umweltpolitik nicht nur große Schäden anrichten wird, sondern wir hinterher noch erleben werden, dass die gleichen Menschen sich dann davor drücken werden, dafür die Verantwortung zu übernehmen. Es ist davon auszugehen, dass die größte Geldverschwendung von denen verursacht wird, die ihre Ideologie über die Realität stellen. Die Leugner haben bisher schon Zweifel an der seriösen Wissenschaft gesät, dabei Wissenschaftler in ihrer Arbeit behindert und vielleicht auch verhindert, dass es größere Fortschritte bei der Vermeidung von Treibhausgasemissionen gibt. Sie haben verschiedene Wissenschaftler diffamiert, bedroht und mit sinnlosen Klagen überzogen. Sie haben den organisatorischen Hintergrund für Hacherangriffe auf Rechner verschiedener wissenschaftlicher Einrichtungen geboten - der Hackerangrif auf die Climate Research Unit war dabei nur der bekannteste. Und nachdem da alles geschehen ist, können wir uns sicher sein, dass sich die Leugner davor drücken werden, ihre Schäden zu bezahlen. Das ist keine Behauptung, sondern eine Beobachtung. Skeptical Science macht auf einen Bericht aufmerksam, in dem ein Wissenschaftler aus Neuseeland seine Erfahrung mit der destruktiven und unverantwortlichen Arbeit professioneller Leugner schildert.
Sonntag, 26. Januar 2014
Treibhaus der Scheinwissenschaftler
Ab und an nutzt man eine Suchmaschine, um zu untersuchen, wie sichtbar man selbst ist. Auf diesem Wege erfahre ich manchmal, dass in Blogs, die ich freiwillig nicht lesen würde (wie EIKE) manchmal jemand über mich schimpft. Das ist nicht besonders anständig, denn ich kann mich ja nicht wehren, wenn ich den Blog nicht frequentiere. Ärgerlich ist es, wenn dabei ein Pseudonym, das ich in einem Board benutze, im Zusammenhang mit meinem richtigen Namen gern und oft gepostet wird. Diese Menschen tun das nicht zufällig, sondern weil sie denken, dass sie mir damit schaden können. Es ist ein Beleg dafür, dass sie ahnen, dass ihre Argumente schlecht sind – dann wird man persönlich. Es zeigt auch, welch schäbigen Charakter manche Leugner haben. Es ist der Geist, aus dem heraus Drohbriefe an Wissenschaftler gehen, Hackerangriffe auf Wissenschaftsinstitute erfolgen, Nazivergleiche erfolgen bis dahin, dass man unter Wattsupwiththis ein Foto von einem Blogger eingestellt hatte, dessen Gesicht mit Photoshop in die SS-Uniform von Himmler kopiert wurde. Ein Leugner, dem ich in seinem Blog erklärte, dass man aus 6 Jahren Temperaturdaten keinen klimatischen Trend berechnen kann, verbreitete dann sogar in einem anderen Blog, dass ich beruflich ein Versager wäre und wegen meiner Unfähigkeit meine Stelle verloren hätte - ein Stalker also. Und als ich den Unfug von Gerlich und Tscheuschner in einem Blogbeitrag kritisierte, was später zu einem Kommentar zur Widerlegung in dem entsprechenden Journal führte, musste Herr Tscheuschner mich sogar auf meine Privatnummer anrufen, als ich friedlich mit der Familie beim Teetrinken saß und wollte mich dazu nötigen, eine Debatte mit ihm aufzunehmen. Das läßt einen wundern, was im Kopf solcher Leugner eigentlich vor sich gehen muss. Nicht weniger heftig ist ein gewisser Gerhard Kramm, Meteorologe an der University of Alaska Fairbanks. Kramm ist wie Gerlich und Tscheuschner und zusammen mit einem gewissen Dlugi der Meinung, dass es einen Treibhauseffekt nicht gibt. Wir werden also wieder zurückgeworfen in die Zeit vor Arrhenius und über 100 Jahre Wissenschaft gehen hier den Abfluss runter. Dieser Herr Kramm hat ebenfalls an verschiedenen Stellen über mich geschimpft und dabei mit Freude meinen Namen und mein Pseudonym zusammen genannt, damit es über Suchmaschinen möglichst gut sichtbar ist. Er hat auch verschiedene Personen diffamiert, denen er verschiedene schlimme Dinge unterstellte, die nicht ganz der Wahrheit entsprachen. Also kein sympathischer Zeitgenosse. Faszinierend war aber, wo ich sein Geschimpfe noch fand – in einem Wissenschaftsartikel, publiziert in einem fachbegutachteten Journal. Wie geht das denn, fragte ich mich. Die Auflösung folgt unter den weiteren Informationen.
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Samstag, 18. Januar 2014
Wissenschaftsbetrug
Wissenschaftsbetrug ist ein weites Feld. Dazu gehören Plagiate, das Fälschen von Beweisen, das Vortäuschen von Referenzen und Täuschungsmanöver beim Publizieren. Der betrügerische Wissenschaftler kann versuchen, seinen Artikel alleine unterzubringen, er kann aber auch hoffen, Helfer bei den Redakteuren zu finden, die ihm wohlgesonnene Fachbegutachter besorgen oder den Artikel so durchwinken. Die Gründe für den Betrug können auch verschieden sein. Es kann knallhart um Geld gehen, zum Beispiel bei Pharmastudien mit gefälschten Daten. Der Betrüger kann um seine Karriere besorgt sein und seiner Publikationsliste aufhelfen. So etwas geht früher oder später schief, weil es genug Kollegen gibt, die solche Machenschaften mit Vergnügen aufdecken. Daneben gibt es auch Anhänger eine antiwissenschaftlichen Richtung, die immer wieder tricksen, um ihrem Glauben einen seriösen Anstrich zu verpassen in Form angeblich fachbegutachteter Artikel. In diesem Fall sind die Pseudowissenschaftler gelegentlich so schmerzfrei, dass es sie gar nicht stört, wenn schon bald ernsthafte Wissenschaftler auf den Plan treten und den Wissenschaftsbetrug aufdecken. Hauptsache man hat die Trophäe, das heißt, die Publikation und hält damit die Diskussion außerhalb der Wissenschaft am Laufen. Der durchgewunkene Artikel wird unabhängig von der späteren Demaskierung dauerhaft als angeblicher Beweis für die eigene Wissenschaftlichkeit präsentiert. In bestimmten Bereichen geht es auch nur darum, den Anschein andauernder wissenschaftlicher Debatte um längst gelöste Fragen zu erwecken. Aha, also geht es um Leugner des wissenschaftlichen Sachstands zum Klimawandel. Wie wäre es, dachten sich da einige, wenn wir gleich unsere eigene Fachzeitschrift aufmachen, eigene Redakteure, eigene Fachbegutachter und das noch unter einem seriösen Mantel? Tatsächlich, da geht was. Blicken wir doch mal ins jüngst verstorbene Journal "Pattern Recognition in Physics"...
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Montag, 6. Januar 2014
Tunnelblick bei Kalte Sonne
Der Blog "Die kalte Sonne" ist das Verkaufsförderungsportal für das gleichnamige Buch von Sebastian Lüning (früher RWE) und Fritz Vahrenholt (verschiedene Managementposten in der Energieindustrie), in dem so ziemlich alle bekannten Unwahrheiten aus der Leugnerecke rezitiert werden, die man im Internet finden kann. Die Herren sind im eigenen Interesse mehr oder weniger kommerziell tätig. Dieser Blog hier ist nun ein Privatvergnügen, das ich mangels Zeit sehr unregelmäßig betreibe und sich sicher nicht an großes Publikum richtet. Ein Posting hier zieht im Laufe der Zeit meistens zwischen 100 und 300 Klicks auf sich, die Hälfte davon kommen aus Suchmaschinenlandungen, das heißt, hier folgen maximal ca. 50 regelmäßige Leser dem Blog. Ein Erfolg ist für den Blog, wenn mal ein Beitrag weiterzitiert oder in Übersetzung in einem anderen Blog wiedergepostet wird, was nur selten vorkommt. Da ist es schon verwunderlich, wenn beim Blogbeitrag zum Thema Klimasensitivität Herr Lüning tatsächlich vorbeischaut und drei Links auf seinen Blog hinterlässt. Er wollte beweisen, dass in der wissenschaftlichen Fachwelt neuerdings fast alle Beiträge eine Klimasensitivität nahe 1,5 zeigen. Das ist eine offensichtlich falsche Behauptung. Im 5. IPCC-Bericht werden knapp 20 neuere Publikationen ausgewertet, dazu die Ergebnisse verschiedener Modelle, und es kommt dabei heraus, dass der Überlappungsbereich aus allen Arbeiten eine Häufung um den Wert 3 und einen Bereich der wahrscheinlichen Werte von 1,5 bis 4,5 zeigt. Nimmt man alle Arbeiten dazu, die seit Herausgabe des IPCC-Berichts publiziert wurden, ändert sich an dem Bild gar nichts. Bei "Die kalte Sonne" sieht man das anders.
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Sonntag, 5. Januar 2014
Bezahltes Leugnen
Wissenschaftliche Ergebnisse zu produzieren ist teuer. Messnetze zu betreiben, Großrechner zu beanspruchen, wissenschaftliche und technische Mitarbeiter zu bezahlen, das alles kostet viel Geld. Diese wissenschaftlichen Ergebnisse zu leugnen, ist hingegen billig. Ein Mensch, der in Teilzeit täglich in seinem Blog die verschiedenen Standardprozeduren des Leugnens variiert, ist mit 10000 Euro pro Jahr gut bezahlt. Dafür kauft man eine kleine Workstation oder beschäftigt noch nicht mal 2 Monate einen wissenschaftlichen Assistenten. Ein Drittmittelantrag für einen Mitarbeiter und eine Meßkampagne, Reisen, Publizieren, Rechnungen anfertigen fängt bei gut 200.000 Euro an. Vor dem Hintergrund wird vielleicht klar, dass mit den Spenden einiger tausend irregeleiteter Menschen und zusammen einigen Millionen aus der Lobbyarbeit interessierter Unternehmen eine gut vernetzte, produktive Leugnerindustrie finanziert werden kann - auf eine Arbeit, die die Finanzströme behandelt, hatte ich vor kurzem verwiesen. Wie Leugner damit umgehen? Die beste Strategie ist immer, vorbeugend anderen vorzuwerfen, was im eigenen Lager als Standard praktiziert wird. Also den Wissenschaftlern vorzuwerfen, sie würden den Klimawandel propagieren, um damit den eigenen Arbeitsplatz zu schaffen. Das ist aus vielen Gründen absurd. Wissenschaftler werden nicht für bestimmte Ergebnisse bezahlt, sondern für das Forschen an sich. Auch die Wetterdienste werden nicht unterhalten, um den Klimawandel als Ergebnis zu erhalten, sondern um Messungen zu machen und zu interpretieren. Leugner hingegen bei Zeitungen, in Blogs und Pseudoinstituten wie der deutsche Rentnerverein EIKE oder Fred Singers SEPP werden dafür bezahlt, dass bei denen eine Leugnung der Wissenschaft hinten herauskommt. Ob ihre Beiträge wissenschaftlich irgendeinen Wert haben, ist da privater Luxus. Aktuell gibt es einen weiteren intimen Einblick in die Leugnerindustrie zu bewundern.
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Sonntag, 29. Dezember 2013
Antiwissenschaftliche Bewußtseinsbildung - Geld und Medien
In früheren Beiträgen hatte ich darüber geschrieben, dass die Leugnung des wissenschaftlichen Sachstands zum Klimawandel eine Bewegung ist, bei der wirtschaftliche und politische Interessen zusammenkommen. Antigrüne, wirtschaftslibertäre politische Bewegungen und Unternehmen, die von der Förderung, dem Vertrieb und der Nutzung fossiler Brennstoffe abhängen, haben gemeinsame Interessen daran, politische Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen zu behindern. Dies geschieht am effizientesten mit der gleichen Taktik, die schon die Tabaklobby angewendet hat: man erzeugt Zweifel an der Sicherheit der wissenschaftlichen Wissens und greift die Wissenschaftler, die unerwünschte Ergebnisse liefern, möglichst direkt an. Dazu bedient man sich Lobbyvereinen und Lobbyunternehmen, die nach außen als angebliche wissenschaftliche Institutionen auftreten und eine Flut von wissenschaftlich aussehenden Publikationen erzeugen, um den Anschein einer intensiven Debatte über schon längst geklärte Fragen zu erzeugen. Der Erfolg zeigt sich insbesondere in den USA bei Umfragen: 97% der Wissenschaftler akzeptieren den Sachverhalt einer vorwiegend von Menschen verursachten globalen Erwärmung. Doch in der Bevölkerung in den USA glauben fast genauso viele Menschen, dass die globale Erwärmung nicht stattfindet oder nicht vom Menschen verursacht ist, wie andere glauben, dass es eine menschengemachte globale Erwärmung gibt. Lobbyvereine, die die öffentliche Meinung beeinflussen, kosten nur ein Bruchteil der Aufwendungen für seriöse Klimaforschung, trotzdem müssen sie finanziert werden. Das geschieht durch Menschen, die an einer libertären, staatsfeindlichen, industriefreundlichen Politik interessiert sind, also auch, aber nicht nur, durch entsprechende Industrieunternehmen. Am Beispiel des Heartland-Instituts konnte man schon einen Blick in solche Strukturen werfen, bei denen die Kampagne gegen die Wissenschaft über den NIPCC-Bericht, über die Beeinflussung von Schulen und Medien und politische Lobbyarbeit finanziert wird. Eine neue Publikation von Robert J. Brulle in Climatic Change, 2013 (DOI 10.1007/s10584-013-1018-7) erhellt diese Zusammenhänge genauer.
Sonntag, 25. August 2013
Leugner und seriöse Wissenschaftler
Ich habe in diesem Blog immer wieder mal über seriöse und unseriöse Wissenschaftler geschrieben und überlegt, was die unseriösen Wissenschaftler eigentlich antreibt. Oft reicht einfache Unfähigkeit zur Erklärung nicht aus. Tatsächlich können auch recht intelligente Menschen in einem bestimmten Bereich sehr sonderbare Ansichten annehmen - Intelligenz schützt dagegen nicht. Im gleichen Sinn stellt sich immer wieder die Frage, was eigentlich Leugner antreibt, Menschen, die trotz anderslautendem Standpunkt der Experten, der Leute also, die es wissen müßten, beharrlich ihre abweichende Meinung zu einem Thema verteidigen und dabei bei Bedarf nicht nur Expertenmeinungen, sondern auch die fehlende Logik ihrer Argumente ignorieren bis dahin, dass sie für ihre Meinung zwei sich direkt widersprechende Sachverhalte zulassen, wenn sie nur jeweils einzeln ihren Standpunkt stützen. Das hatte ich dieses Jahr erst behandelt. Um den Leugnerkosmos besser zu verstehen, habe ich einige Quellen zusammengetragen. Schauen wir uns doch die Merkwürdigkeiten menschlichen Denkens und Meinens an.
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Sonntag, 17. Februar 2013
Leugnen der Wissenschaft - wer, wie, warum?
Ich schreibe oft abkürzend von Leugnern. Wenn man salopp ist, nennt man sie irreführend Klimaleugner oder Klimawandelleugner, was zur dümmlichen Antwort einlädt, dass man doch nicht das Klima oder seinen Wandel leugnet. Geleugnet wird vielmehr der akzeptierte Stand der Wissenschaft zum Klimawandel. Es sind also Leugner der Wissenschaft. Und zumindest in den USA findet man vergesellschaftet mit dem Leugnen des Standes der Wissenschaft zum Klimawandel häufig die Leugnung anderer wissenschaftlich gut begründeter Annahmen. Beispiele sind die Leugnung der Evolutionstheorie, die Leugnung des Zusammenhangs zwischen Aids und dem HI Virus, zwischen Passivrauchen und verschiedenen Erkrankungen oder der Wirksamkeit von Impfungen. Hingegen findet man einen engen Zusammenhang zwischen der Wissenschaftsleugnung und Marktinteressen bzw. der Ablehnung staatlicher Eingriffe. Und in dem Zusammenhang fallen einem zwei Dinge ein. Zum einen eine wissenschafliche Studie, deren Resultate - geleugnet werden. Was aktuell zu einer weiteren Studie führte. Zum anderen der Jahrestag der Aufdeckung der wissenschaftsfeindlichen Ausrichtung des Heartland Institute und der finanziellen Hintergründe der bezahlten Wissenschaftsleugnung durch Peter Gleick. Was findet man da?
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Montag, 21. Mai 2012
War es das schon mit dem Heartland-Institute?
Das Heartland-Institute ist eine Lobby-Organisation, die im Auftrag ihrer Geldgeber deren Sicht der Dinge unter dem Deckmantel angeblicher Wissenschaft verbreitet. Zur Heartland-Methodik gehört es, Pseudoexperten dafür zu bezahlen, damit sie dem wissenschaftlichen Kenntnisstand widersprechende Essays und andere Publikationen erstellen oder Schautagungen veranstalten, die äußerlich Wissenschaftstagungen ähneln sollen. Verschiedene Formen der Werbung und Propaganda gehören zum Repertoire der Lobbyisten, die sich in ihre Verkleidung als Wissenschaftsförderer auch noch einer Steuerbefreiung erfreuen. Viele Jahr lang ging das gut. Doch jetzt steckt das Unternehmen in einer Krise.
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Donnerstag, 23. Februar 2012
Vorteil genommen mit Folgen
Der Skandal um das Heartland Institute und seine Finanzierung von Pseudowissenschaft und Pseudoexperten hat erste Auswirkungen. Der Abgeordnete im Repräsentantenhaus Raul Grajalva (Demokrat aus Arizona) fordert eine Untersuchung des Verhaltens von Indur Goklany, einem leitenden Beamten im Innenministerium, der durch pseudowissenschaftliche Publikationen über die angeblich durch den Klimawandel nicht steigende Zahl von Opfern von Naturkatastrophen zu der antiwissenschaftlichen Kampagne von Klimawandelleugnern beigetragen hatte. Die Untersuchung bezieht sich auf die bekanntgewordene Absicht des Heartland Institute, im Jahr 2012 1000 Dollar pro Monat an Goklany zu zahlen. Dies könnte gegen Regeln verstoßen, die es Beamten des Innenministeriums nicht erlauben, Zahlungen anzunehmen, die dazu dienen, die Politik des Hauses zu beeinflussen. Ich glaube, kürzer heißt es, Bestechlichkeit ist verboten.
Fälschungsverdacht unbestätigt
Als Peter Gleick die Heartland Institute-Dokumente über verschiedene Blogs der Öffentlichkeit zugänglich machte, gab es mehrere Verteidigungslinien, um sich gegen Kritik zu immunisieren. Die erste Reaktion war, daß die Dokumente gestohlen seien und es daher illegal sei, sie zu publizieren. Darauf gründet ein wesentlicher Teil der juristischen Drohungen des Lobby-Unternehmens gegen Meinungsäußerungen über den Heartland-Skandal. Die zweite Reaktion war, daß die Dokumente oder Teile davon gefälscht seien. Daher droht das Heartland Institute nicht nur mit Klagen wegen des Verbreitens vertraulicher Interna und des Diebstahls von Dokumenten, sondern auch gleichzeitig wegen angeblicher Verleumdung, was sich natürlich widerspricht. Die dritte Reaktion ist, die Signifikanz der Dokumente herunterzuspielen, indem behauptet wird, daß nichts von dem, was dort zu finden ist, in irgendeiner Form illegal oder unmoralisch sei, sondern das normale Geschäft eines Think Tanks sei, der abweichende Ansichten zu politisch-ökonomisch- wissenschaftlichen Themen untersuchen und publizieren lasse. Die vierte Verteidigungsliste besteht aus einer Reihe von Ablenkungsmanövern. Variante a: Greenpeace hat einen viel größeren Etat als wir. Variante b: Wissenschaftler werden auch für ihre Forschung von Geldgebern finanziert (und bezahlen ihre Arbeit nicht aus ihrem Privatvermögen). Variante c) Peter Gleick hat getrickst, um unsere Dokumente zu bekommen, die im übrigen nicht unsere Dokumente sind, sondern von ihm gefälscht, was beweist, daß wir Opfer sind und viele Wissenschaftler auf der Seite des IPCC unmoralische Fanatiker mit Neigung zu ökologistischem Terror sind (das ist zwar frei formuliert, aber kaum übertrieben). Auf Ablenkungsmanöver muß man nicht eingehen, sie sind auch nicht wirklich neu, wurden allerdings in Leugnerblogs ausgiebig diskutiert. Was die anderen Reaktionen des Heartland Institute angeht, sind sie unplausibel und in sich widersprüchlich, und daher liegt der Verdacht nahe, daß das Heartland Institute hier, genauso wie in vielen anderen Verlautbarungen, nicht die Wahrheit sagt.
Mittwoch, 22. Februar 2012
Demonstrierte Inkompetenz
Im Wall Street Journal hatten im Januar 16 Wissenschaftler mit meist geringem Bezug zur Klimaforschung und bekannte Anhänger des Leugnens von Teilen der anerkannten Wissenschaft zum Klimawandel einen offenen Brief veröffentlichen lassen, in dem sie bekannte und widerlegte Leugnerthesen wiederholten. Diesmal wurde dem sehr rasch von Experten aus der Klimaforschung widersprochen. Die Gruppe hat nun eine Antwort geschrieben, die erneut an der Kompetenz der Pseudoexperten zweifeln läßt. Schon ein einziges Beispiel genügt.
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Schach
Im Schachspiel geht man gelegentlich kalkulierte Opfer ein. Man verliert eine wichtige Figur, um die gegnerischen Reihen zu öffnen und kann dann vielleicht, trotz Figurenunterlegenheit, das Schachmatt der Gegenseite erzwingen. In der Auseinandersetzung mit wissenschaftsfeindlichen Lobbygruppen denkt man ungern in solchen taktischen Begriffen. So etwas paßt zu Politikern, vielleicht auch zu Journalisten. Aber sollten sich nicht Wissenschaftler von so etwas fernhalten? Peter Gleick ist inzwischen vom National Center for Science Education zurückgetreten, eines von vielen Opfern, die mit der Bloßstellung des Heartland Institute verbunden sind.
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Dienstag, 21. Februar 2012
Geständnis
Der Mann, der die Heartland-Dokumente durch einen Trick erhalten und dann verbreitet hatte, meldete sich. Mit einem reuevollen Geständnis. Beim Heartland-Institute triumphiert man. In den Leugnerblogs wird die Nachricht mit Freude verbreitet. Ein Mißverständnis, denn die Serie von Peinlichkeiten beim Heartland Institute ist damit noch länger geworden. Denn dies ist ein neues Zeugnis, daß die Darstellung des Heartland Institute über den Vorfall nicht glaubwürdig ist.
Montag, 20. Februar 2012
Klageorgie der Leugner
Das Heartland Institute droht offensichtlich systematisch allen Bloggern mit juristischen Schritten. Ich hatte bereits auf Greg Ladens Blog hingewiesen, der als erster über einen Schreiben der Juristin des Leugner-Unternehmens berichtete. Doch nicht nur für das Bloggen über die skandalösen Vorgänge bei dem Lobby-Unternehmen gibt es Klagedrohungen. Auch in anderer Hinsicht ist das Unternehmen klagefreudig, wie zum Beispiel der Blog Rabett Run kommentiert. Eine Ergänzung zum gestrigen Blogbeitrag.
Sonntag, 19. Februar 2012
Erster Blogger meldet juristische Schritte des Heartland Institute
Das Heartland Institute hat, nachdem für sie belastende Dokumente an die Öffentlichkeit gekommen sind, in dreierlei Weise reagiert. Zum einen hat sie behauptet, daß die belastenden Dokumente teilweise oder ganz gefälscht seien. Zum zweiten haben sie massiv mit juristischen Schritten gedroht gegen alle, die die Dokumente öffentlich zugänglich machen oder sie kommentieren. Zum dritten hat man in den letzten Tagen sehen können, wie alle Blogs im Leugnernetzwerk in heftige Aktivität fielen, um zu argumentieren, wie gemein es sei, Dokumente gegen den Willen der Betroffenen zu verbreiten, daß die Dokumente außerdem gefälscht seien, daß sie außerdem überhaupt nichts Neues und daher auch nichts Schlimmes enthielten und daß schließlich Greenpeace viel mehr Geld erhielte als das Heartland Institute, was anscheinend irgend etwas beweist, ich habe leider nicht kapiert, was. Und jetzt schlägt das Imperium zurück - der erste Bloger erhielt Post.
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