Die WHO und alle damit befaßten Institute haben IMMER, JEDERZEIT darauf hingewiesen, daß der Ausgang der Schweinegrippepandemie nicht vorhersagbar ist. Es kann harmlos ausgehen und sogar schwächer als eine saisonale Grippe sein oder auch viel schlimmer und in der Größenordnung der spanischen Grippe 1917-1920 gelangen. Nachdem man die Pandemie eine Weile beobachtet hatte, was klar, daß einerseits überproportional viele junge Menschen einen schweren Krankheitsverlauf zeigten, andererseits die Krankheitsverläufe nicht die Virulenz und Mortalität der spanischen Grippe zeigten. Trotzdem war die Impfkampagne dagegen sinnvoll - zum einen, weil jeder, der nicht stirbt, den Aufwand wert ist und zum zweiten, weil das Virus um so mehr Gelegenheit hat, zu mutieren und dabei gefährlicher zu werden, je mehr Menschen die Grippe durchmachen. Und drittens schließlich schützt die Durchimpfung der Bevölkerung auch die Menschen, die aus irgendeinem Grund gleichzeitig zu den Risikogruppen gehören, aber nicht geimpft werden können, wie bestimmte Allergiker, die gleichzeitig Asthmatiker sind und Säuglinge.
Nachdem die erste Pandemiesaison nun abgelaufen ist und wir nicht mehr Todesfälle gesehen hatten als in einer normalen Grippesaison, tauchen nun immer mehr Menschen auf, die, ich kann es nur unhöflich sagen, argumentieren wie unverständige Kinder. Zum Beispiel meldet sich heute der Spiegel mit einem Artikel, in dem der WHO Panikmache vorgeworfen wird. Vor dem von mir oben gegebenen Hintergrund muß man doch fragen: haben diese Spiegel-Schreiberlinge eigentlich noch alle beieinander? Hier wird mal wieder aus Geldgier ein bestimmtes Sentiment des Bildungsproletariats bedient: wenn vor einer Gefahr gewarnt wird und man hat Glück, daß nichts passiert wird, dann wird "Panikmache" gerufen. Dann reagiert man gleich seinen Minderwertigkeitskomplex ab, weil hier Experten gewarnt hatten und man sich denen nun überlegen fühlen kann und man kann auch noch über die Steuergelder schimpfen, die dabei verbraten wurden. Aber es hat alles nichts mit dem zu tun, was ich oben geschrieben hatte: niemand konnte garantieren, daß die Schweinegrippepandemie harmlos verläuft und jede Impfkampagne gegen eine solche Infektion ist sinnvoll.
Jedes Gleichnis hinkt, aber ich bringe es trotzdem: wenn man Russisch Roulett spielt, sitzt eine Kugel in der Revolvertrommel. Die Chance, daß es gut ausgeht, wenn man abdrückt, ist 1:6. Wenn jemand also abdrückt und er dabei keine Kugel in den Kopf bekommt, würden dann die Beobachter sagen, daß Russisch Roulett zu spielen eine harmlose Sache ist und daß davor zu warnen Panikmache sei? Wenn also vor einigen Pandemien gewarnt wurde und diese dann glimpflich ausgehen, heißt das nun, daß Organisationen, die gewarnt hatten, kompromittiert sind, daß sie ihre Glaubwürdigkeit verspielt hätten? Genau das wird in dem Spiegel-Artikel behauptet. Hier werden die Leser für dumm verkauft, weil man damit Auflage machen kann. Das ist aber unverantwortlich, denn wenn die Menschen anfingen, sich auszusuchen, ob sie Warnungen des Robert-Koch-Instituts oder der WHO ernst nehmen, könnten wir diese Einrichtungen gleich schließen. Und wenn diese anfingen zu überlegen, ob sie lieber nicht warnen, weil sie ihre Glaubwürdigkeit nur behalten, wenn die Katastrophe 100% sicher kommt, vor der sie warnen, werden sie keine neutrale Bewertung von Krankheiten vornehmen können.
Und obwohl die Impfkampagne schon sinnvoll war, weil ein gefährlicher Pandemieverlauf möglich war, möchte ich noch einen drauf setzen. Die nachfolgende Graphik zeigt die Zahl der Todesfälle von Kindern und Jugendlichen in US-Städten von 2006 bis heute. In grün sind die normalen Todesfälle durc hsaisonale Grippe eingezeichnet. In violett die Todesfälle aufgrund der Schweinegrippe. Die Schweinegrippe hat für eine deutlich erhöhte Sterblichkeit von Kindern und Jugendlichen gesorgt. DESWEGEN hatten wir die Impfkampagne. Dieser Spiegelschreiberling soll doch mal den Eltern, die ein an der Grippe verstorbenes Kind zu beklagen haben, ins Gesicht sagen, daß das alles Panikmache war. Die Impfkampagne hat weltweit tausenden von Kindern das Leben gerettet und wenn mal wieder vor einer neuen Grippevariante gewarnt wird, hoffe ich, daß jeder, der das hier gesehen hat, diese Fakten mal auf sich wirken läßt und versteht, daß die Pandemievorsorge nicht erst dadurch sinnvoll wird, daß sich in den Straßen auf Ansage die Leichen stapeln. Sondern weil schon 266 tote Kinder und Jugendliche in den US-Städten zu viel sind, deshalb machen wir das alles. Und weil manche dieser Kinder aus irgendeinem Grund selbst nicht geimpft werden können, sind wir es, die mit verantwortlichem Handeln Herdenimmunität herstellen. Daran haben die Spiegel-Journalisten nicht gedacht. Falls sie überhaupt an etwas neben ihrer Bezahlung denken...