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Dienstag, 15. April 2014

Andreas Frey - der Abweg

Den folgenden Beitrag schreibe ich für mich als Erinnerungsstütze. Ab und zu fällt mir ein Journalist auf, der seine privilegierte Stellung in den Medien nutzt, um persönlich Politik zu machen und Leugnerthesen zu unterstützen. Die Wahrheit bleibt dabei auf der Strecke. Da war die verbale Hinrichtung von seriösen Klimaforschern wie Professor Phil Jones durch  Spiegeljournalisten, die mit den Namen Marco Evers, Olaf Stampf und Gerald Traufetter verbunden ist. Da ist Axel Bojanowski, der regelmäßig ein Forum für Leugnerthesen bietet und dafür sorgt, dass man die Namen Judith Curry, Pielke jr. und sr., von Storch oder Tol oft im Spiegel erwähnt findet, ansonsten aber subtiler vorgeht, als andere Journalisten mit politischer Agenda. Da gibt es bei der Welt den überhaupt nicht subtilen Kommentator Ulli Kulke, der regelmäßig gegen den Stand der Wissenschaft hetzt. Während es bei den Wissenschaftlern eine überwältigende Einigkeit über den Status der Klimaforschung und zum Klimawandel in den Grundsatzfragen gibt - es gibt auf der Seite der Leugner kein einziges seriöses Forschungsinstitut, keinen meteorologischen Dienst, kein Wissenschaftsgremium und keinen Bericht irgendeiner dafür eingerichteten Wissenschaftlergruppe, der ihre Standpunkte stützt - sind die Journalisten anscheinend fast so wie die Bevölkerung in Lager aufgespalten, von denen eines bereitwillig Leugnerbehauptungen aufnimmt und den Klimawandel als Problem wegreden will. Und es gibt Nachwuchs. Als solcher ist mir Andreas Frey aufgefallen. Andreas Frey war nach dem Studium der Geographie, BWL und Linguistik 2011 als Volontär zur Badischen Zeitung gekommen, wo er bereits zuvor viele Jahre Arbeiten übernommen hatte (zum Beispiel im Sportressort). Vier Monate hospitierte er unter anderem auch im Wissenschaftsressort der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Artikel findet man von ihm neben der Badischen Zeitung (zum Beispiel Werbung für das Buch "Die Klimafalle" von Hans von Storch und Werner Krauß) auch in der FAZ (zum Beispiel ein ganz vernünftiger Artikel zum Thema Stadtklima, aber auch wieder unter besonderer Nennung von Hans von Storch), in der Süddeutschen und in der Zeit. In letzterer Zeitung war mir ein besonders übler Artikel aufgefallen. Der Titel ist in wahrem Größenwahn mit "Sieben Thesen zum Klimawandel" überschrieben. Der mit Fachkenntnis nicht ausgestattete (woher denn?) Journalist meint, er könnte den Wissenschaftlern Alarmismus vorwerfen. Nun ist schon dieser Begriff verräterisch. Während der Begriff Leugner verkürzt ausdrückt, was Menschen machen - sie leugnen den Sachstand der Klimaforschung, der anhand der Fachpublikationen nachverfolgt werden kann - ist der Begriff "Alarmist" für seriöse Wissenschaftler einfach nur Hetze und Diffamierung, denn so werden Wissenschaftler bezeichnet, die Sachverhalte darstellen, die nachvollziehbar sind. Festzustellen, dass die Klimasensitivität einen Wert um 3 Grad je Verdopplung des CO2-Äquivalents hat, dass die globale Temperatur weiter ansteigt oder dass der pH-Wert der Ozeane deutlich sinkt, kann man nicht als Alarmismus bezeichnen.

Sonntag, 29. Dezember 2013

Antiwissenschaftliche Bewußtseinsbildung - Geld und Medien

In früheren Beiträgen hatte ich darüber geschrieben, dass die Leugnung des wissenschaftlichen Sachstands zum Klimawandel eine Bewegung ist, bei der wirtschaftliche und politische Interessen zusammenkommen. Antigrüne, wirtschaftslibertäre politische Bewegungen und Unternehmen, die von der Förderung, dem Vertrieb und der Nutzung fossiler Brennstoffe abhängen, haben gemeinsame Interessen daran, politische Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasemissionen zu behindern. Dies geschieht am effizientesten mit der gleichen Taktik, die schon die Tabaklobby angewendet hat: man erzeugt Zweifel an der Sicherheit der wissenschaftlichen Wissens und greift die Wissenschaftler, die unerwünschte Ergebnisse liefern, möglichst direkt an. Dazu bedient man sich Lobbyvereinen und Lobbyunternehmen, die nach außen als angebliche wissenschaftliche Institutionen auftreten und eine Flut von wissenschaftlich aussehenden Publikationen erzeugen, um den Anschein einer intensiven Debatte über schon längst geklärte Fragen zu erzeugen. Der Erfolg zeigt sich insbesondere in den USA bei Umfragen: 97% der Wissenschaftler akzeptieren den Sachverhalt einer vorwiegend von Menschen verursachten globalen Erwärmung. Doch in der Bevölkerung in den USA glauben fast genauso viele Menschen, dass die globale Erwärmung nicht stattfindet oder nicht vom Menschen verursacht ist, wie andere glauben, dass es eine menschengemachte globale Erwärmung gibt. Lobbyvereine, die die öffentliche Meinung beeinflussen, kosten nur ein Bruchteil der Aufwendungen für seriöse Klimaforschung, trotzdem müssen sie finanziert werden. Das geschieht durch Menschen, die an einer libertären, staatsfeindlichen, industriefreundlichen Politik interessiert sind, also auch, aber nicht nur, durch entsprechende Industrieunternehmen. Am Beispiel des Heartland-Instituts konnte man schon einen Blick in solche Strukturen werfen, bei denen die Kampagne gegen die Wissenschaft über den NIPCC-Bericht, über die Beeinflussung von Schulen und Medien und politische Lobbyarbeit finanziert wird. Eine neue Publikation von Robert J. Brulle in Climatic Change, 2013 (DOI 10.1007/s10584-013-1018-7) erhellt diese Zusammenhänge genauer.

Donnerstag, 23. Februar 2012

Bojanowskis Feldzug

Der Spiegel erweitert mal wieder seine Desinformationskampagnen zu Themen des Klimawandels. Das Ausmaß der irreführenden Berichterstattung im Spiegel ist erstaunlich. Axel Bojanowski hat sich diesmal den Skandal um das Heartland Institute herausgegriffen und in bekannter Manier die Geschichte auf den Kopf gestellt. Geht es nach ihm, ist es ein Skandal der Wissenschaftler und speziell von Peter Gleick. Der eigentliche Skandal kommt bei ihm gar nicht vor. Falschberichterstattung durch Auslassung ist in mehreren Punkten nachweisbar und demonstriert, daß der Spiegel beim Thema Klimawandel eine Agenda hat. Dieses Magazin ist keine seriöse Nachrichtenquelle für dieses Thema (und für welches dann überhaupt?) Eine Analyse.

Freitag, 17. Februar 2012

Heartlandgate und keine deutschen Medien

Der Skandal um die Täuschung von Öffentlichkeit und Behörden durch amerikanische Lobby-Unternehmen, die die Aufgabe haben, den menschenverursachten Klimawandel zu leugnen zieht in den britischen und amerikanischen Medien Kreise. Die Aufmerksamkeit für diesen echten Skandal ist wesentlich geringer als für den vorgetäuschten Skandal bei der Climate Research Unit und beim IPCC, aber zumindest sind die Beteiligten hier Teilen der Öffentlichkeit bekannt. Doch versucht man via google oder google news zu erfahren, wie die deutschen Medien darüber berichtet, erhält man keine Ergebnisse. Die Berichterstattung ist, wie schon beim angeblichen Climategate, nicht geeignet, die Öffentlichkeit in Deutschland angemessen zu informieren.

Montag, 13. Februar 2012

Vahrenholt und Lüning abgewatscht

Es wird schwierig, noch etwas Neues zum Buch "Die kalte Sonne - Warum die Klimakatastrophe nicht stattfindet" zu schreiben, denn der aufgewärmte kalte Kaffee der Autoren Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning und ihrem Stichwortgeberteam Henrik Svensmark, Nicola Scafetta, Werner Weber und Nir Shaviv war schon so gut ausdiskutiert, daß die Erwiderungen sich fast von selbst schrieben. Hier gebe ich eine kurze Liste von Beiträgen, die mir auffielen.


Mittwoch, 8. Februar 2012

Keinen Plan, aber gute PR

Ich stehe in der Versuchung, noch stärker herauszuarbeiten, in wie vielen Bereichen das RWE-Team Vahrenholt und Lüning grundlegende Kenntnisse der Statistik, Meteorologie und Physik über Bord werfen. Immerhin haben sie eine Webseite für ihr Buch "Die kalte Sonne" einrichten lassen, auf deren FAQ man aus dem Staunen nicht heraus kommt. Doch zunächst interessiert mich etwas anderes, nämlich die exzellente PR und die gute Vernetzung, die dieses Machwerk begleitet. Ein paar Stichworte möchte ich da geben.

Dienstag, 21. Juni 2011

Neuer eingebildeter IPCC-Skandal

In China fallen öfters mal Säcke mit Reis um und in der Blogosphäre findet sich immer wieder mal jemand, der meint, dem IPCC einen Skandal anhängen zu müssen. Diesmal hat Mark Lynas den Wanderpokal. Sein Problem: die Arbeitsgruppe zu Maßnahmen gegen den Klimawandel (WG3) des IPCC hat einen Bericht zu Möglichkeiten herausgegeben, über erneuerbare Energien den Klimawandel zu verlangsamen. Der Bericht liefert auf über 1000 Seiten Informationen zu den verschiedenen alternativen Energien im Vergleich zum heutigen Energieträgermix und mögliche Entwicklungen abhängig von ökonomischen Randbedingungen. Wie schafft man es, da einen Skandal zu finden? Entweder pickt man sich auf den 1544 Seiten irgendeinen nebensächlichen Fehler heraus, den es in so einem langen Bericht unweigerlich geben muß oder man mäkelt an der Vita eines von etwa 120 Autoren herum oder man mißversteht eine Textpassage aus der Zusammenfassung, die aus irgendeinem Grund den Inhalt des Berichts zu verkürzt wiedergibt. Nichts davon macht Mark Lynas, denn es geht noch dümmer.

Mittwoch, 17. November 2010

Unbelehrbare Journalisten und die Spinner, die sie zitieren

Vor etwas über einem Jahr wurde der angebliche Climategate inszeniert. Damals hatten Unbekannte einen Server der Climate Research Unit an der East Anglia University gehackt und Emails gestohlen, aus denen dann Vorwürfe gegen Professor Phil Jones und seine Mitarbeiter konstruiert wurden. Nachfolgende Untersuchungen zeigten, daß diese Vorwürfe falsch waren. Die Drahtzieher dieser Straftat stammen wohl aus Klimawandelleugnerkreisen, aber polizeiliche Untersuchungen verliefen im Sande. Ungefähr zeitgleich wurde auch die angebliche Aufdeckung zahlreicher Fehler im IPCC-Bericht inszeniert. Auch hier ergab die nachfolgende Untersuchung, daß die angeblichen Fehler keine waren. Die zwei einzigen echten Fehler waren eine falsche Angabe der ungefähren Zeit, zu der die Gletscher im Himalaya weitgehend abgeschmolzen sein sollten und eine von den Niederlanden falsch übermittelte Zahl über den Anteil des Landes, der unterhalb der Meeresoberfläche liegt. Gerade der erste dieser Fehler war aber von IPCC-Autoren selbst entdeckt und korrigiert worden, während die Niederlande ihre falsch übermittelte Zahl korrigieren mußten und klarstellten, daß eher die Fläche damit beschrieben wird, die bei Hochwasser von Überschwemmung bedroht ist. Doch der Wahnsinn dieser Zeit ist nicht vorüber - einige Journalisten haben immer noch nichts begriffen. Ein Blick in die Thüringer Allgemeine.

Montag, 20. September 2010

Spiegel schreibt schon wieder Blödsinn

Vor über 2 Wochen hatten Matthew Penn und William Livingston eine nicht-fachbegutachtete Studie auf arXiv geladen, laut der sie anhand einer Spektrallinie eine Abnahme des Magnetfeldes der Sonne und darüber der Sonnenfleckenzahl bestimmen konnten. Mit Hilfe einiger noch unbestätigter Annahmen und durch eine lineare Extrapolation meinten die Autoren, daraus ableiten zu können, das der gegenwärtige 11-jährige Sonnenfleckenzyklus nur halb so stark ausfällt wie der vorige und der nächste (25. in der internationalen Zählung) ganz ausfallen wird. Ob es so wird, geben die Autoren ehrlich zu, würde die Zukunft zeigen und empfehlen weitere Messungen.

Auf zur Geisterbahnfahrt beim Spiegel:

Montag, 30. August 2010

Vertrauen wir den Journalisten?

Die Frage lautet eigentlich: Vertrauen wir den Wissenschaftlern? Und sie wird gestellt von Andrew Revkin, den früheren Wissenschaftsjournalisten der New York Times, der sich wacker bemüht, sein einstiges hohes Ansehen zum Teufel gehen zu lassen.

Montag, 9. August 2010

Too little, too late

Es tröpfelt langsam herein, die Entschuldigungen von Zeitungen und Sendern für ihre Falschberichterstattung zum Klimawandel. Die Frankfurter Rundschau hat es getan, die britische Sunday Times und nun auch die BBC. Die Zeitungen hatten fälschlich behauptet, der IPCC-Bericht von 2007 hätte einen Fehler zu dem möglichen Absterben von Teilen des Amazonas-Regenwaldes enthalten. Die Sunday Times mußte zugeben, allerdings erst auf Druck von Dr. Simon Lewis, daß sie ihn falsch zitiert hatte und er zwar kritisiert hatte, daß World Wildlife Fund und IPCC jeweils in Berichten die Originalquelle in Nature zu dem möglichen Rückgang des Regenwaldes nicht angegeben hatten, daß er aber zugleich darauf hingewiesen hatte, daß die Quelle inhaltlich korrekt zitiert wurde. Die Angabe im IPCC-Bericht, daß bis zu 40% des Amazonas-Regenwaldes von Trockenheit bedroht seien bei einem Fortschreiten der globalen Erwärmung, war korrekt. Die Rundschau hatte ihre Falschdarstellung schon früher zurückgezogen. Sie hatte mit Bezug auf eine Falschdarstellung in der Sunday Times ungeprüft die Behauptung übernommen, der IPCC-Bericht hätte die Ausdehnung von möglichen zukünftigen Dürrezonen in Afrika übertrieben. Auch diese Behauptung war falsch.

Inzwischen gibt auch die BBC zu, fälschlich den Eindruck erweckt zu haben, mit dem Diebstahl der Emails von der Climate Research Unit unter Professor Phil Jones durch nach wie vor unbekannte Hacker sei der Verdacht aufgekommen, Forscher des Instituts hätten die Debatte über die globale Erwärmung manipuliert, um die Bedrohung ernster erscheinen zu lassen, als sie selbst glaubten.

Dienstag, 13. Juli 2010

Nachtrag zu: Erbsenzählen ist keine Wissenschaft

Ich hatte darauf hingewiesen, daß es keine Wissenschaft ist, redaktionelle Fehler oder Fehler in Details zu suchen oder gar zu erfinden. Und daß außerdem eine große Zahl von Untersuchungen bestägt, daß das IPCC oder vielfach angegriffene Wissenschaftler wie Michael Mann, James Hansen oder Phil Jones gute Arbeit leisten. Es ist aber auch klar, daß solche objektive Feststellungen die Gemeinde der Leugner gar nicht interessieren. Und daß es der Job der Medien wäre, dies den Menschen auf der Straße klar zu machen - doch die Medien tun es nicht.

Sie tun es auch nicht, weil es hier ein grundsätzliches Verständnisproblem auf Seiten der Journalisten gibt.

Sonntag, 11. Juli 2010

Erbsenzählen ist keine Wissenschaft

Angriffe gegen das IPCC oder gegen ausgewählte Feindbilder wie die Professoren Michael Mann, Phil Jones oder James Hansen wurden notorisch oft geführt und waren notorisch erfolglos. Man sieht das an der Serie von Entlastungen von Vorwürfen, die im Fall von Jones und der Climate Research Unit durch einen Parlamentsausschuß, durch den Oxburgh-Ausschuß und den Muir-Russell-Ausschuß ausgesprochen wurden oder über die Ergebnisse und den Abschlußbericht der Untersuchung bei Michael Mann erteilt wurden. Man sieht es auch daran, daß die angegriffenen Ergebnisse von anderer Seite reproduziert wurden, zuletzt beispielsweise wurden die Ergebnisse des 4. Berichts des IPCC vom Niederländischen Amt für Umweltanalysen PBL bestätigt. Man denke auch an die Bestätigung von Michael Manns "Hockeyschlägerkurve" durch ein Komitee des National Research Council der USA. Einige Zeitungen, die Falschmeldungen über angebliche Fehler im IPCC-Bericht verbreitet hatten, haben dies inzwischen zurückgezogen, zum Beispiel die britische Times einen angeblichen Fehler des IPCCs zur Bedrohung des Amazonas-Regenwaldes durch den Klimawandel. Die meisten Medien lassen jedoch über ihre Falschberichterstattung lieber Gras wachsen, wie zum Beispiel die völlig uneinsichtigen, arroganten und sturen Journalisten des Spiegels, deren Falschberichterstattung ich hier zum Thema gemacht hatte, wie das Versagen des Journalismus überhaupt. Einer der wichtigsten Aussagen im Muir-Russell-Report war im übrigen, daß dort bestätigt wurde, daß es möglich war, in zwei Tagen die Temperaturzeitreihe der Climate Research Unit auf Basis der Publikationen und frei verfügbarer Daten zu reproduzieren - etwas, was Steve McIntyre und seiner Climate Audit-Gemeinde trotz vorgeblich heftigster Anstrengungen ohne Anfragen nach dem Freedom of Information-Gesetz und selbst mit ihnen über mehrere Jahre angeblich nicht möglich war, was entweder schlimmste Unfähigkeit oder sehr bösen Willen ausdrückt.

Samstag, 15. Mai 2010

Wie der Journalismus versagt

Dumm, inkompetent, Journalist? Warum eigentlich überkommt einem beim Blick durch die Zeitungen das Gefühl, daß hier ein ganzer Berufsstand auf breiter Front versagt? Journalisten können vielleicht Agenturticker in knackigen Meldungen zusammenfassen, sie können Politiker zu verfänglichen Aussagen verleiten und Skandale basteln, die mehr oder weniger treffend sind, aber wenn es darum geht, ein korrektes Bild über ein komplexes Thema zu vermitteln, ziehen Journalisten in der Regel die Versagerkarte. Und wie das geht, das sehen wir wieder bei einem aktuellen Beispiel.

Nachdem ja Journalisten bereits in skandalöser Weise fabrizierte Falschinformationen (Verzeihung, das Wort heißt - Lügen!) der Leugnerlobby in einer Serie von -gates verbreitet hatten und es auch nicht für nötig befanden, die Korrekturen in gleichem Umfang nachzureichen, ja, wie im Beispiel des Spiegels das Loch, daß sie sich gegraben hatten, zu einer Untiefe des Grauens ausschachteten, befanden es immer mehr Wissenschaftler für an der Zeit, sich zu diesen Angriffen auf die Wissenschaft zu Wort zu melden. In Science unterschrieben auf Initiative von Peter Gleick 255 Mitglieder der US-Akademie der Wissenschaften einen Kommentar unter dem Titel: "Climate Change and Integrity of Science", in dem sie ausdrücklich die Feststellungen der Klimaforschung unterstützten und sich gegen die Verbreitung von Lügen und ein Klima antiwissenschaftlicher Verfolgung wehrten. Für mich wäre das eigentlich keine Meldung wert, weil bekannt sein sollte, daß sämtliche Vereinigungen von Wissenschaftlern sich zu den Grundaussagen der Klimaforschung bekennen und auch jede wissenschaftliche Kommission, die sich bisher mit dem Thema befaßt hatte, immer zu den gleichen Ergebnissen gekommen war - der Klimawandel erfolgt durch Treibhausgase, ist real, ist meßbar und auf Dauer bedrohlich, deshalb muß die Emission von Treibhausgasen in kurzer Zeit drastisch reduziert werden. Es ist ein Konsens, der sich seit Jahrzehnten entwickelt hat und die Ergebnisse der Forschung haben permanent nur die Unsicherheit dieses Konsenses verringert, aber keien Argumente dagegen geliefert.

Daß es für mich keine Meldung wert ist, bedeutet aber nicht, daß die Medien nicht verpflichtet wären, über diese Erklärung von Akademiemitgliedern zu berichten. Die Medien haben immerhin verbreitet, daß es Skandale gegeben hätte und deshalb die Klimaforschung unter Beschuß stünde und sogar in Teilen in Frage stünde. Falschmeldungen, teilweise brutal gelogen (wie im Fall des notorischen Lügenreporters Kulke oder durchgängig der Wissenschaftsredaktion des Spiegels), und daher in dringender Not zu einer Korrektur. Da wäre es eine Sache des Anstandes, wenn die Medien angemessen diese Botschaft von 255 Wissenschaftlern, die meistens bereits Publikationen zu Themen vorweisen, die einen Bezug zum Klimawandel haben und deshalb angeschrieben wurden, verbreiten würden. Tatsächlich aber wurden der Kommentar der Wissenschaftler vom Wall Street Journal, von der New York Times und von der Washington Post zurückgewiesen, als Peter Gleick jeweils dort zunächst ihren Kommentar zur Veröffentlichung anbot. In allen diesen Zeitungen waren Falschmeldungen zu angeblichen Skandalen der Klimaforschung verbreitet worden, die sich in Wahrheit nur als Skandale von Journalisten herausstellten. Journalisten wie zum Beispiel Leake und Rose, die gelogen hatten. Erst Science war bereit, den Kommentar zu drucken. Und danach fand sich kaum eine Zeitung bereit, darüber zu berichten, auch der Spiegel nicht, auch die Welt nicht, auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung nicht und schon gar nicht die oben genannten amerikanischen Zeitungen. Für Lügen war Platz, für die Information der Leser nicht.

Und dann wurde doch über den Science-Artikel berichtet. Der Kommentar wurde nämlich, nicht von den Wissenschaftlern, sondern in der Redaktion, mit einem Bild versehen. Ein Eisbär auf einer Eisscholle im Meer. Das kommt durchaus vor. Es gibt auch echte Bilder davon. In dem Fall aber hatte die Redaktion nur eine Photomontage gefunden. Unwichtig, nicht wahr? Das Bild hat sowieso mit dem Kommentar der Wissenschaftler nicht viel zu tun, es ist nur Dekoration, nicht wahr? Natürlich nicht für die Leugner. Da sie zur Sache keine Argumente haben, können sie ja nur an Details und Nebensächlichkeiten herummäkeln. Ihre Botschaft war: das Bild sei gefälscht. Und daher müsse die Botschaft der Wissenschaftler auch falsch sein. Das ist so lächerlich, daß intelligente Menschen einen solchen Unfug ignorieren würden. Peter Gleick wies darauf hin, daß dies die konfuse Logik der Leugner aufdeckt, und daß in der Tat Eisbären, die auf einzelnen Eisschollen im Meer treiben, vorkommen, daß aber die ganze Leugnerdebatte kein einziges Argument zum Klimawandel vorgebracht hat. Aber wir haben es hier mit Journalisten zu tun. Mit Menschen, die keine Zeit haben, um komplexe Sachverhalte zu verstehen. Mit Menschen, die ihr Geld damit machen, daß sie über Skandale und Konflikte schreiben. Über Klatsch. Die sich keineswegs in der Pflicht sehen, Menschen über ihre komplizierte Welt zu informieren, um sie kompetent zu machen. Die für ihren Unterhaltungswert bezahlt werden. Selbstverständlich ist das einzige, was Journalisten überhaupt in größerer Zahl dazu bewegt, über eine Botschaft von Akademiemitgliedern zu schreiben, ein angeblicher Skandal. Den Initiator der Aktion bringt dies sogar zu sarkastischen Feststellungen, daß wohl die falsche Bildwahl der Scienceredaktion das beste war, was ihrem Kommentar passieren konnte, denn dadurch erhielt er eine bessere Verbreitung. Besser konnten Journalisten eigentlich nicht demonstrieren, wie beliebig ihre Informationsauswahl ist, wie dumm und inkompetent sie arbeiten, wie überflüssig ihre Medien sind, die meiner Meinung nach allesamt ruhig pleite gehen können. Denken Sie daran - die Informationen, die Sie hier finden, hätten eigentlich in dem FAZ-Beitrag finden müssen, in dem stattdessen nur ein Plagiat der Leugnerbotschaft zu dem Scienceartikel steht - Titel: "Manipuliertes Manifest: Von der Kunst, die Klimadebatte aus das Glatteis zu führen". Joachim Müller-Jung, Wissenschaftsreporter mit getrübtem Blick, hat hier ganze Arbeit geleistet, um sich zu blamieren. Hat er etwas über die Sabotage an der Klimaforschung geschrieben? Nein. Zur politischen Verfolgung von Klimaforschern in den USA? Irgendetwas? Nein. Zu der Serie von Lügen der Leugnerlobby? Nein. Zu den entlastetenden Untersuchungen zur Klimaforschung? Nein. Aber daß eine Photomontage als Layoutbeigabe zu einem Kommentar diesen widerlegen könnte, das findet der Mann berichtenswert. Ist das zu glauben?

Der einzige Berufsstand, der noch arroganter und selbstgerechter als Richter und Ärzte ist, ist der der Journalisten. Sich korrigieren, wieso denn? Fehler eingestehen? Wie denn, welche Fehler? Qualitätskontrolle? Das haben doch Journalisten nicht nötig. Der Presserat spricht ab und zu Rügen aus, nach einer bürokratischen Prozedur, die sofort zusammenbrechen würde, wenn Menschen auf die Idee kämen, mal sämtliche Falschberichterstattungen der Medien konsequent zu melden. Und was geschieht nach so einer Rüge? Folgendes:

Beeindruckend, nicht wahr?

Jetzt war mal die Chance, zum Thema Klimawandel das Bild wieder geradezurücken. Und die gesamte Medienlandschaft versagt. Sie bringen nicht die Meldung, sie bringen das Gemecker über das zugehörige Lay-Out. Bravo, Joachim Müller-Jung, auf diesen Beitrag können Sie stolz sein. Denn es war eine absolut typische Leistung Ihrer Zunft. Dumm, inkompetent, am Thema gescheitert.

Dienstag, 4. Mai 2010

Nachtrag zu "Wenn schon Mist schreiben, dann richtig"

In dem Beitrag habe ich es versäumt, zu schreiben, wer eigentlich der Autor, Axel Bojanowski ist. Er ist Wissenschaftsjournalist beim Spiegel, schreibt aber auch für andere Zeitungen und Zeitschriften. Stefan Rahmstorf hatte sich schon über eine frühere Falschdarstellung von ihm beschwert, in der er Ergebnisse des republikanischen Wegmann-Reports zu angeblichen Fehlern der Temperaturrekonstruktion von Michael Mann und seinen Kollegen fälschlich als Ergebnisse einer Studie der National Academy of Sciences ausgegeben hatte, die weitgehend die Ergebnisse von Mann et al. 1998 bestätigte. Auch beim Thema Meeresspiegel sah Rahmstorf die Notwendigkeit zur Korrektur. Kein Wunder, daß Bojanowski es sich nicht verkneifen konnte, gegen Rahmstorf nachzutreten und ihn als jemanden darzustellen, der versucht, Journalisten zu schikanieren. Der Mann mag es offensichtlich nicht, wenn man ihm seine Fehler vorhält.

Bojanowski läßt es sich auch nicht nehmen, Studien hervorzuheben, die die Mär von der globalen Warmzeit um 1400, die heutige Temperaturen erreicht haben soll, zu verbreiten. So schrieb er 2003 und 2004 je entsprechende Beiträge für die Welt am Sonntag:

Das Klima war viel komplexer, Erderwärmung auch schon um 1400. Die Forscher müssen umdenken, Welt am Sonntag 15.8.2004.

Als Grönland noch grün war. Welt am Sonntag, 15. 6. 2003.

In dem einen Beitrag wird unkritisch die Behauptung von McIntyre und McKitrick übernommen, daß die Temperaturrekonstruktion von Mann et al. 1998 widerlegt sei und es im Mittelalter global so warm war wie heute, in dem anderen Beitrag wird ein schon bald danach widerlegter Artikel von Soon et al. zitiert, in dem diese Behauptung verbreitet war. Der Skandal um die Publikation dieses Artikels, der eine Leugner-Seilschaft bei Climate Research offenlegte, führte zum Rücktritt der Redaktion.

Daher meine Einschätzung: wir erleben im Spiegel keine Ausrutscher oder eine vorübergehende Mode, um mit der Kontroverse Auflage zu machen. Der Spiegel ist ein Tummelplatz für Journalisten, denen die Wahrheit egal ist, die zum Leugnernetzwerk gehören und aktiv Desinformation der Öffentlichkeit betreiben. Ich befürchte, daß das Blatt über keinen einzigen seriösen und integren Wissenschaftsjournalisten verfügt.

Noch ein Hinweis: eine kleine Übersicht von Fehlervorwürfen an die Klimaforschung, die in Medien verbreitet wurden und was daraus wurde, gibt es bei der Frankfurter Rundschau.

Montag, 3. Mai 2010

Wenn schon Mist schreiben, dann richtig

Es gibt eine schöne englische Redensart "When in a hole, stop digging." - "Wenn man in einem Loch ist, soll man aufhören zu graben." Die Journalisten des Spiegels sollten das beherzigen, denn sie machen das Gegenteil. Nachdem Marco Evers, Olaf Stampf und Gerald Traufetter zum Klimawandel mit dem Artikel "Die Wolkenschieber" vorgeführt hatten, wie man lügt, diffamiert und Unterstellungen verbreitet, gibt es jetzt bei Spiegel Online einen Nachschlag mit noch mehr Lügen, Diffamierungen und Unterstellungen, aber nun auch noch verbunden mit Hinterfotzigkeit, denn man findet munter eingestreut viele Textstellen, mit denen sich die Spiegeljournalisten den Anschein der neutralen Berichterstattung geben wollen. Erst die Würdigung des Textes im Zusammenhang, die Analyse verräterischer Formulierungen und die eingestreuten Verlinkungen machen deutlich, daß hier in Wahrheit die Desinformation der Öffentlichkeit weitergeht. Diesmal wird Axel Bojanowski vorgeschickt, der unter dem Titel "Forscherskandal: Heißer Krieg ums Klima" Kriegsberichterstattung vom Kampf zweier Bürgerkriegsparteien vorspielt. Nur daß es diese zwei Parteien nur in dem Paralleluniversum des Spiegels gibt, denn in Wahrheit gibt es nur eine Partei, die Lobbyisten, die der Öffentlichkeit was über den Klimawandel vorlügen wollen. Alle übrigen Akteure reagieren nur in irgendeiner Form auf diese Partei. Mit diesem Krieg zwischen zwei Parteien hat der zum Thema völlig inkompetente Journalist aber eine griffige Erzählung, die jedem, der die Hintergründe nicht kennt, sofort einleuchtet und die betroffenen Wissenschaftler genau in die Position bringt, in der dann die ganzen Schläge unter die Gürtellinie treffen. Deshalb muß ein wichtiger Punkt vorausgeschickt werden.

Angenommen, es brächte irgendeinen wirtschaftlichen Vorteil, wenn man annimmt, daß 2+2=3 ist, würde es sofort eine Lobby dafür geben, diese Ansicht zu verbreiten und es würden sich auch Menschen finden lassen, die mit beliebiger Komplexität Argumentationen vorführen, warum 2+2=3 ist oder zumindest, warum wir uns nicht so sicher sein sollen, daß unter allen Umständen 2+2=4 ist. Vielleicht gibt es ja noch einen Fortschritt in der Mathematik, irgendeine spezielle Topologie, unter der vielleicht auch etwas anderes als 2+2=4 sinnvoll wäre. Und so weiter... Es ist hoffentlich einsichtig, daß 2+2=3 objektiv falsch ist. Hier gibt es keinen Anlaß zur Diskussion. Es ist dann auch nicht sinnvoll, dies als Auseinandersetzung zweier Gruppen zu behandeln, die sich beide irgendwie im Recht fühlen können. Hier gibt es nur eine richtige Ansicht und eine Partei, die eine Lüge verbreiten will. Eine Berichterstattung dazu, die vorgibt, eine Auseinandersetzung zweier Gruppen zu schildern, ohne sich auf eine Seite zu stellen, ist nicht neutral - sie ist desinformierend und heuchlerisch. Bei einer Aussage, die entweder wahr oder falsch ist, ist auch unentschieden falsch. Da die Leugner des wissenschaftlichen Standes zum Klimawandel falsche Behauptungen verbreiten, wie etwa die, daß unsicher sei, ob es sich derzeit global erwärmt, ob der Mensch der wesentliche Antrieb des aktuellen Klimawandels sei, ob der Klimawandel potentiell gefährlich sei, ob die Temperaturrekonstruktionen von Mann et al. 1998 reproduzierbar sind, ist eine neutrale Berichterstattung nur eine, die diese Ansichten als falsch darstellt. Genau das tut der Spiegel nicht, er berichtet nicht neutral, sondern verfälschend. Und da ich hier eine ganze Serie von Artikel finde, in der verschiedenste Journalisten immer wieder diese Erzählung vorbringen, daß es unter Klimaforschern zwei Parteien gäbe, "Skeptiker" und "Alarmisten" und viele zwischen diesen Parteien, und man daher beim Thema Klimawandel noch Grund zu Zweifeln hätte, über was, wird vage gehalten, ist dies anscheinend Redaktionslinie beim Spiegel. Das heißt, dieser Lügenjournalismus ist nicht das Vergehen einzelner Journalisten beim Spiegel, sondern die Redaktion hat irgendwann die Linie ausgegeben, daß man hier mit der Skandalwelle reiten möchte, weil man sich dadurch Auflage verspricht. Noch bösartiger wäre die Unterstellung, daß man hier auf Anzeigenkunden schielt. Dafür führt man die Parodie investigativen Journalismus vor, die sich darin erschöpft, Unterstellungen der Leugnerszene mit eigener Garnierung abzuschreiben.

Der Ansatz des Spiegels

Der Ansatz des ganzen Geschreibsels ist einfach. Man behauptet, die gestohlenen Emails der Climate Research Unit CRU analysiert zu haben, um so zu erhellen, ob sich die Erde wirklich erwärmt und ob die beteiligten Klimaforscher da Lobbyisten in die Falle getappt seien. So steht es in der Einleitung. Das ist zugleich absurd und verlogen. Es ist absurd, weil man über die Emails niemals so etwas feststellen könnte. Ob die Aussagen der Forscher korrekt sind, erhellt nur die wissenschaftliche Fachdiskussion über die Fachliteratur. Hier ist die Antwort eindeutig: die grundsätzlichen Aussagen der Klimaforschung sind reproduzierbar und werden durch die reale Entwicklung zunehmend bestätigt. Wenn man der globalen Temperaturzeitreihe bei CRU nicht glaubt, hat man mehrere andere Zeitreihen zur Verfügung, an Land, zur See oder durch Satelliten und viele andere Indikatoren für eine globale Erwärmung. Wenn man Mann et al. 1998 nicht den Hockeystick glaubt, gibt es über ein Dutzend anderer Temperaturrekonstruktionen der letzten 12 Jahre, die zeigen, daß die grundsätzlichen Ergebnisse korrekt waren. Deshalb ist es sinnlos, auch nur anzufangen, in den Emails irgendwas finden zu wollen. Selbst wenn da ein Geständnis von Mann stünde, er hätte 1998 die Daten gefälscht, wäre das schon längst durch all die anderen Artikel dazu überholt. Es wäre für ihn ein Problem, aber nicht für die Wissenschaft. Verlogen ist diese Analyse, weil diese Analyse bereits durchgeführt wurde. Unter anderem hat bereits der Guardian eine solche Analyse durchgeführt. Alle Untersuchungen kommen zu ähnlichen Ergebnissen: aus den Emails lassen sich keine Verfälschungen von Daten und Ergebnissen ableiten, allenfalls, daß die Wissenschaftler von antiwissenschaftlichen Angriffen genervt waren, in den Emails stellenweise ihren Frust über die Sabotage ihrer Arbeit abreagierten und versuchten, Angriffe über Absprachen abzuwehren. Und man muß schon ein mieses Charakterschwein sein, Menschen an den Pranger zu stellen, die Versuche zur Sabotage und zur Falschdarstellung im fachlichen Bereich durch konzertierte Aktionen abwehren wollen.

Ein Soziologe urteilt über die Klimaforschung

Der Spiegeljournalist wertet nun auch nicht den fachlichen Inhalt - kann er ja gar nicht - er macht daraus ein soziologisches Problem. Zwei Gruppen kämpfen miteinander, das menschelt schön und läßt sich schnell auf eine Ebene bringen, die Durchschnittsbürger mitverfolgen können. Daher bewertet die Emails nicht etwa ein Klimaforscher, sondern ein Soziologe, ein gewisser Peter Weingart von der Uni Bielefeld. Nun ist Weingart ein Mensch mit Vorbelastung. Schon seit längerem behauptet er, daß Wissenschaftler aus bestimmten Gründen zum Alarmismus neigen würden. Diese Behauptung wird fatalerweise davon begleitet, daß Prof. Weingart unter dem Dunning-Kruger-Effekt leidet und über ein Thema redet, das er offensichtlich nicht versteht, von dem er aber meint, etwas zu verstehen. Zum Beispiel ist ihm nicht klar, daß die Klimasensitivität, die vorgibt, wie stark der Klimawandel wird, über die letzten 30 Jahre im Mittel der Publikationen recht konstant blieb, während Szenarien, auf die diese Klimasensitivität angewendet wird, sich geändert haben - das kann der Soziologe offensichtlich gar nicht auseinanderhalten. Das IPCC ist nicht, wie Weingart behauptet, im Laufe der Jahre moderater geworden, sondern im Gegenteil in den Aussagen im Laufe der Zeit konkreter und in der zentralen Feststellung tendenziell dramatischer. So ein Mann ist genau der Zeuge, den der Spiegel brauchen kann. Und so kommentiert er in die Emails das hinein, was schon vorher seine vorgefaßte Meinung war - Klimaforscher neigen aus Gutmenschentum zum Alarmismus und ihnen fehlte die Fähigkeit zur Selbstkritik, das zu erkennen. Daher titelt der Spiegel auch mit "Forscherskandal", obwohl sie eigentlich über den Medienskandal schreiben müßten, nämlich ihrer eigenen verkorksten, gelogenen Gegenwirklichkeit und ihrer fehlenden Selbstkritik, endlich mal ihre Lügen zu korrigieren. Wieso schafft es der Spiegel eigentlich nicht, die ganzen Lügen und die ganze konzertierte Desinformation der Öffentlichkeit über ThinkTanks, Seilschaften bei den Republikanern in den USA, bei den Energiefirmen und ihren willigen Helfern aufzudecken? Das wäre investigativer Journalismus. Aber vielleicht zuviel Arbeit, zu schädlich für das Anzeigengeschäft oder zu offensichtlich und daher nicht auflagenträchtig. Also gräbt sich der Spiegel weiter in sein Lügenloch, zusammen mit Weingart.

Wie man mit Formulierungen Meinung macht

Ich schrieb in der Einleitung, der Spiegelartikel sei hinterfotzig. Das sieht man daran, daß unter anderem mit der Formulierung die Aussagen von Absätzen gedreht werden. Im Teil 2 des Artikels wird etwa die Frontstellung beschrieben: "Die Fronten in der Klimadebatte sind seit langem verhärtet: Auf der einen Seite steht eine überschaubare Anzahl tonangebender Klimaforscher, auf der anderen eine mächtige Lobby aus Industrieverbänden, deren Ziel es ist, die Gefahren der Erderwärmung zu bagatellisieren. Sie wird insbesondere vom rechten politischen Spektrum der USA, von Verschwörungstheoretikern, aber auch von kritischen Wissenschaftlern unterstützt. Doch damit waren die Rollen von Gut und Böse keineswegs eindeutig verteilt. Die Mehrheit der Klimaforscher stand zwischen beiden Parteien."
Man beachte erst mal, daß so getan wird, als könne es überhaupt eine Debatte zwischen Industrieverbänden und Wissenschaftlern geben. Das geht gar nicht - wissenschaftliche Debatten finden unter Wissenschaftlern statt. Man beachte weiterhin, daß von einer "überschaubaren Anzahl" Wissenschaftler geschrieben wird - es wird direkt das Bild vermittelt, hier ginge es um eine kleine Gruppe, im Gegensatz zu einer Mehrheit. Das ist falsch. Die Vorstellungen der Klimaforschung sind ein Konsens, der deshalb von einer überwältigenden Mehrheit der Wissenschaftler geteilt wird, weil an diesen Fragen seit Jahrzehnten gearbeitet wird. Dann steht da noch das Wort "tonangebend". Die Unterstellung dabei ist: eine radikale Minderheit will der Mehrheit ihre Ansicht aufdrücken. Dann kommt ein Satz, mit dem der Spiegel Neutralität suggerieren will - er bringt Schlüsselwörter: rechtes politisches Spektrum, Verschwörungstheoretiker, der Leser denkt, ja, das klingt nach böser Industrielobby. Aber dann der Tiefschlag - und kritische Wissenschaftler. Also sind die anderen Wissenschaftler - die tonangebenden, die Minderheit, die die IPCC-Aussagen vertreten - nicht kritisch. So demontiert man diejenigen, die 2+2=4 vertreten, und tut dabei, als sei man neutral. Der i-Punkt darauf ist dann der Schluß: "Die Mehrheit der Klimaforscher stand zwischen den Parteien." Welchen Parteien? Was für eine Mehrheit? Die Mehrheit unterschreibt die Feststellungen des IPCC. Aber genau diese Feststellungen stehen unter Beschuß der Energielobby und der Leugnergruppen, zu denen dann auch willige Helfer aus der Wissenschaft zählen, wie Fred Singer oder Lindzen oder Pat Michaels, die vom Spiegel so irreal als "skeptisch" bezeichnet werden. Ein anderes Beispiel, und mehr kann ich nicht bringen, weil das sonst in eine seitenlange Abhandlung ausarten würde, ist das hier: "Die Erdölkonzerne reagierten alarmiert. Zusammen mit Firmen anderer Branchen, die die Verteuerung fossiler Energieträger fürchteten, schmiedeten sie Bündnisse. Dafür konnten sie auch einige scharfsinnige Klimaforscher wie etwa Patrick Michaels von der University of Virginia gewinnen." Man beachte, daß zuerst wieder die Ölkonzerne thematisiert werden. Scheinbar ist der Spiegel neutral und hebt das Lobbyproblem hervor. Doch dann das verräterische Wort: "einige scharfsinnige Klimaforscher". Wieso "scharfsinnig"? Das ist ein Adjektiv, das hier aus dem Nichts kommt. Sind etwa alle, die nicht die Lobbypositionen vertreten, nicht scharfsinnig? Zumal Michaels sich hervorgetan hat durch die Publikation abgrundtief schlechter Artikel, durch Diffamierungen von Kollegen, durch Käuflichkeit und durch Lügen.

Und wieder Lügen und Unterstellungen

Auch in diesem Spiegelbeitrag wird auf die Wahrheit eingeprügelt, bis sie blutend am Boden liegt und nur noch röchelt. Da steht etwa "Zwar gilt die Prognose einer bevorstehenden Erwärmung als gut belegt. Doch über die Folgen bestehen weiterhin erhebliche Unsicherheiten." Verlinkt ist hier nicht etwa irgendein seriöser Text über Unsicherheiten in der Klimafolgenforschung, sondern der eigene Lügenartikel "Die Wolkenschieber". Ein Lügenzirkelschluß des Spiegels also. Die Prognose gilt nicht als, sie ist belegt, was einen wesentlichen Teil des IPCC-Berichtes der WG 1 ausmacht. Und die Unsicherheiten der Klimafolgen sind dort auch erläutert, entsprechen aber keineswegs den Darstellungen von Industrielobby, Leugnern - und dem Spiegel.
Im Tenor des alten Artikels geht es auch hier im Teil 5 weiter. "Um eindeutige Kurven zu erhalten, mußten die Forscher freilich ein wenig nachhelfen." schreibt der Spiegel und unterstellt Datenfälschung. Vielleicht versteht der Journalist selbst nicht, was dieser Satz eigentlich bedeutet, doch er präzisiert: "Baumringdaten zeigen seit Mitte des 20. Jahrhunderts keine Erwärmung mehr - und stehen damit im Widerspruch zu den Temperaturmessungen. Diese offensichtlich falschen Baumdaten wurden mit dem umgangssprachlichen "Trick" aus Temperaturkurven getilgt." Das ist falsch. Die Baumringdichten bestimmter Bäume zeigen nach ca. 1960 keine Korrelation mit der Temperatur. Das bedeutet aber nur, daß nun andere Faktoren die Baumringdichte dominieren. Das steht keineswegs im Widerspruch zu Temperaturmessungen. Die Baumringdichten waren auch nicht falsch. Sie waren nur nicht mit dem gleichen Modell interpretierbar wie Daten vor 1960. Warum das so ist, wird in der Fachliteratur diskutiert und ist noch nicht geklärt. Es wurden auch keine Daten "getilgt". Sie sind in den Publikationen da und die Divergenz zwischen Baumringdichte und gemessener Temperatur nach 1960 wird diskutiert.

Es wird unterstellt, Forscherzirkel hätten kontrolliert, wer in Fachzeitschriften publizieren durfte und so ihre Meinung durchgesetzt. Das ist nachweislich falsch - es ist sogar furchtbarer Blödsinn von einigen Wissenschaftlern wie Patrick Michaels publiziert worden, der eigentlich gar nicht hätte veröffentlicht werden dürfen. Selbstverständlich werden Wissenschaftler im sorgfältigen Peer Review offensichtlich falsche Artikel korrigieren oder gar zurückweisen, wenn sie ihre Arbeit sorgfältig machen. Genau das ist Zweck des Peer Review. Für den Spiegel ist es aber Meinungsmache, sobald Wissenschaftler in Emails darüber diskutieren, daß es miese Artikel gibt, die konzertiert in Fachzeitschriften gedrückt werden sollen. Und wieder scheinbare Neutralität, die in Wahrheit Partei ist. Der Rücktritt mehrerer Wissenschaftler aus der Redaktion von Climate Research, nachdem durch Mauschelei ein offensichtlich falscher Artikel von Patrick Michaels veröffentlicht wurde, wird zu einem Mahnmal des Einflusses von Michael Mann und anderen stilisiert, obwohl selbst Hans von Storch, sicherlich nicht im Verdacht, zu Manns Truppen zu gehören, an der Spitze der Protestierer gegen die Mauschelei bei Climate Research stand.

Das unverantwortliche Verhalten des Spiegels

Der Spiegel macht den Wissenschaftlern zum Vorwurf, daß sie Feststellungen sehr vehement verteidigen, die der Aussage "2+2=4" im Wahrheitswert nahe kommen. Viele Feststellungen zum Klimawandel, die von Leugnern immer noch angegriffen werden, sind bereits auf hohem Niveau abgesichert. Wenn Journalisten dann ein Forum für Leugner bieten, weil sie in krasser Inkompetenz deren falsche Behauptungen verbreiten, werden sie zu recht kritisiert und ist die Frage nach einer Qualitätskontrolle der Medien berechtigt. Doch der Spiegel kehrt das um: "Allerdings versuchten Wissenschaftler mitunter, Druck auszuüben, wenn sie mit der medialen Berichterstattung nicht einverstanden waren." Verlinkt ist ein Artikel, in dem Prof. Stefan Rahmstorf angegriffen wird. Rahmstorf hat natürlich keinen Druck auf Medien ausgeübt. Wie denn? Wenn der Spiegel Blödsinn schreibt, erreicht er damit sofort Millionen Menschen. Wenn Rahmstorf dagegen einen Leserbrief schickt, kommt der erst mal zu einer Person - und in einen Papierkorb - Asymmetrie der Medienmacht. Rahmstorf hat kritisiert, daß Falschmeldungen verbreitet wurden. Das scheint für Journalisten nicht akzeptabel zu sein. (...) Journalisten halten nichts von Selbstkritik und Qualitätskontrolle, denn dafür haben sie keine Zeit und es ist ihnen zu teuer.

Es läßt sich noch viel über die Geschichtsklitterung des Spiegels schreiben, wenn er die Geschichte der Wissenschaft des Klimawandels mit Hansens Auftritt vorm Senat 1988 und einem Aufruf deutscher Physiker 1986 beginnen läßt und etwa Charney-Report, JASON-Report und Nierenberg-Report oder die Enquete-Kommission im Bundestag Ende der 80er Jahre unterschlägt. Da geht es nur darum, eine Verschwörungstheorie über Alarmismus der Klimaforscher zu entwickeln, die in die Spiegelrealität paßt. Da wird auch unterstellt, Klimaforscher, die nicht eindeutig Stellung bezögen, würden in eine der angeblichen Parteien unter den Wissenschaftlern gedrängt. Als Beleg wird dann Judith Curry herangezogen, die aber gar keine Klimaforscherin ist und auch nicht neutral. Aber es gibt so viel an dem Spiegelartikel zu kritisieren, daß es jeden Rahmen sprengen würde. Der Spiegel nimmt eindeutig Front gegen Wahrheit und Wissenschaft. Und macht klar, daß er es so meint. (Nachträglich leicht gekürzt.)

Montag, 26. April 2010

Wenn Meckern doch mal hilft...

In der Klimalounge berichtet Professor Stefan Rahmstorf davon, daß die Frankfurter Rundschau Einsicht gezeigt hatte. Einen Artikel wurde zurückgezogen, in dem die Lügengeschichte von den Leugnern North und Leake übernommen wurde, daß im IPCC-Bericht Aussagen zu Wassermangel in Teilen Afrikas unzulässig auf den ganzen Kontinent ausgedehnt worden wären. Im IPCC-Bericht war nachweislich die Literatur zum Thema korrekt wiedergegeben worden. Näheres sollte man dort nachlesen.

Freitag, 2. April 2010

Müll gegen Geld

Medienschelte liest man in diesem Blog öfters. Ich schreibe das nicht gern, denn es gibt viele andere interessante Themen. Einiges ist in der Pipeline, aber in der Freizeit, neben Arbeit und Familie, bleibt einiges auf Halde, bis es zu alt ist, um noch jemanden zu interessieren. Den letzten Kommentar zum Egotrip des Prof. Tol, der dem Spiegel eine Meldung wert war, hätte ich vielleicht auslassen können, denn im letzten Spiegel vom 29.03.2010 gab es ein Machwerk, das den zuvor kritisierten Bericht seriös, sauber und neutral erscheinen läßt.

Der "Bericht" ist von Marco Evers, Olaf Stampf und Gerald Traufetter, und diese Namen sollte man sich merken als die von Menschen, die anscheinend Unterstellungen, Lügen und mediale Hinrichtungen zu ihrem Lebensunterhalt anbieten, denn dies ist es, was ich in dem Artikel vorfinde. Marco Evers ist seit 1995 Wissenschaftsredakteur beim Spiegel - er sollte wissen, was er da tut. Olaf Stampf ist, ich habe es nicht geglaubt, als ich das las, Ressortleiter Wissenschaft und Technik beim Spiegel. Ich habe dann allerdings ein paar Artikel zurückverfolgt, die seinen Namen trugen und entdeckte dabei, daß der Mann systematisch Artikel verbreitete in dem Tonfall "globale Erwärmung ist nicht schlimm" und immer mal wieder Leugnerlügen einstreute. Gerald Traufetter ist ebenfalls Wissenschaftsredakteur beim Spiegel, schreibt ansonsten auch mal ein Buch über die "Weisheit der Gefühle" - polemisch könnte ich schreiben, mit Vernunft hat der Mann es nicht so. Und sowieso könnte man mal fragen, was eigentlich Leute, die Politik- und Kulturwissenschaft studiert haben, überhaupt bei naturwissenschaftlichen Themen wie Klimawandel zu melden haben? Dummheit, Inkompetenz und Gleichgültigkeit gegenüber dem Thema, das ist meine erste Reaktion. Aber ich greife vor. Während ich hier tippe, sehe ich auch, daß schon Stefan Rahmstorf sich dazu gemeldet hat, und gerade was die Fakten angeht, empfehle ich auch den Besuch bei der Klimalounge. Doch zurück zum Thema...

Was man in diesem Artikel findet, hätte von Leugnern selbst geschrieben worden sein. Es ist teilweise wortwörtlich der Lügenbrei, der einem in Leugnerblogs gefüttert wird, nur hier steht es eben in der Druckversion des wichtigsten deutschen Nachrichtenmagazins, noch wiederholt in der freien Online-Ausgabe. Dazu wird hier eine mediale Hinrichtung von Personen betrieben, bei denen gerade die Unschuld erneut in einem Kommissionsbericht festgestellt wird. Es wird Personen Unfähigkeit und Datenfälschung unterstellt in einer Weise, die übler Nachrede gleichkommt, wenn man dafür keine Belege bieten kann. Es werden Falschmeldungen aus der britischen Presse wiederholt, die bereits widerlegt wurden. Dafür werde ich im folgenden Text Beispiele geben. Es wird sogar, diese Frechheit macht sprachlos, den Klimaforschern der reißerische, in alle Extreme verfallende, inkompetente Schundjournalismus des Spiegels von eben diesen Schmieranten zum Vorwurf gemacht. Doch vorher frage ich mich, wie ich das eigentlich angehen soll? Soll ich den Journalisten, offensichtlich ohne naturwissenschaftliche Ausbildung und von solchen Themen überfordert, hier Unfähigkeit vorwerfen? Daß sie nicht wissen, wie man zu einem Thema Recherche betreibt, um zum Beispiel zu untersuchen, ob Vorwürfe, die vorgebracht wurden, bereits von anderer Seite entkräftet wurden? Daß sie nicht merken, wann sie von einer Interessengruppe instrumentalisiert werden und nur ihr Sprachrohr sind? Daß ihnen nicht klar ist, daß man sich zu einem Thema, über das man schreibt, vorher sachkundig machen muß? Der Vorwurf der Dummheit und Inkompetenz ist noch der harmloseste, der mir einfällt. Aber ich kann es nicht glauben, daß jemand als Journalist sein Handwerk nicht versteht und als Wissenschaftsjournalismus sich nicht zumindest erforderliche Grundkenntnisse anliest. Oder soll ich bösen Willen unterstellen, eine Agenda der Journalisten? Vernetzung im Leugnerlager, nicht offengelegte Interessenkonflikte bei dem Thema? Das klingt mir zu sehr nach Verschwörungstheorie. Oder geht es hier einfach um nackten Zynismus? Man schreibt, was sich gut verkaufen läßt, und da eben gerade auf Klimaforscher geschossen wird, springt man unter den...Verzeihung, auf den anfahrenden Zug? Ich weiß es nicht, jeder soll sich eine der drei Möglichkeiten auswählen. Aber folgendes kommt dabei heraus:

Mediale Hinrichtung:

Phil Jones ist zum Sündenbock der Leugner gemacht worden. Man hat seine Arbeit durch sinnlose FOI-Anfragen sabotiert, man hat seine Arbeitsgruppe mit Hackerangriffen attakiert, Emails gestohlen und durch selektive Zitatauswahl dann Unterstellungen fabriziert, die bei Untersuchungen als haltlos erwiesen wurden. Er hat Morddrohungen erhalten und das läßt keinen unberührt. Er wird immer wieder angegriffen, um die Wissenschaft zu unterminieren. Was machen nun die Spiegel-Schmieranten? Sie walzen so richtig aus, wie tief er gestürzt sei, wie gesundheitlich angegriffen er ist, alles um nur ein Bild zu vermitteln. Das eines geschlagenen Mannes. Kein Wort darüber, wer daran schuld ist und daß die Vorwürfe gegen Jones haltlos sind. Der wichtigste Punkt dabei ist, daß die Temperaturzeitreihe der Climate Research Unit (CRU) im wesentlichen durch andere globale Temperaturzeitreihen reproduziert wird. Alleine das macht Vorwürfe gegen CRU haltlos. In der Logik der medialen Hinrichtung liegt es natürlich, die Zeitreihe, die das Ergebnis der Arbeit einer ganzen Gruppe ist und wiederum insgesamt auf Daten vieler Wetterdienste weltweit beruht, Jones-Zeitreihe genannt wird, und jeder Fehler, der irgendwo in den Daten sein könnte und von einem der Datenlieferanten zu verantworten wäre, nur diesem einen Mann zugeschrieben wird.

Ist das Dummheit, ist das Unwissenheit oder doch einfach nur Menschenverachtung, aus einem Mann noch Geld mit diesem Brutalojournalismus zu machen, der bereits geradezu krimininellen Angriffen ausgesetzt war?

Mit Pachauri wird das gleiche gemacht. Die Spiegelschundautoren sind sich auch nicht zu schade, die Geschichte zu wiederholen, daß er in seiner Freizeit einen erotischen Roman geschrieben hätte. Irrelevant und nur geeignet zum medialen Hinrichten.



Sprachrohr sein:


Wenn man sich das Machwerk durchliest, stößt man auf einige Namen, die die Alarmglocken schlagen lassen. Steve McIntyre, der aus dunklen Kanälen finanzierte frühere leitende Angestellte von Bergbauunternehmen. Ross McKitrick, Lobbyist, tätig für das Heartland-Institute, für das George C. Marshall-Institute und andere Lobbygruppen, die die Interessen verschiedener Unternehmen vertreten. Dafür wird gelogen, getäuscht und getrickst. Wollen die Journalisten etwa behaupten, sie wüßten nicht, wofür die beiden Männer stehen? Wollen sie etwa behaupten, sie wüßten nicht, daß die beiden bei der Wegman-Anhörung wie auch bei einem Artikel zu Mann et als. Temperaturrekonstruktion mit Tricks den Eindruck zu erwecken versuchten, diese Temperaturrekonstruktion sei fehlerhaft, gar eine Fälschung? Und das, obwohl diese Arbeit gut reproduzierbar und bestens bestätigt ist? Ist in den 12 Jahren danach auch nur eine seriöse Temperaturrekonstruktion veröffentlicht worden, die nicht zu den prinzipiell gleichen Ergebnissen gekommen ist? Nein! Was aber machen diese Schmierfinken? Sie zeichnen das Bild McIntyres als das des armen Underdogs, der nur mit einem kleinen Notebook allein aus Wahrheitsliebe aus privater Tasche die Rechnungen all der Klimaforscher auf ihren Superrechnern widerlegt. Bullshit! McIntyre ist es, der in nunmehr 12 Jahren über seinen Blog ClimateAudit die miesesten und feigsten Unterstellungen verbreitet hat ohne je in der Lage zu sein, auch nur einmal seine Kernbehauptungen zu belegen. McIntyre ist es, der geschlagen ist. Es konnte nie anders ausgehen, denn seine Agenda ist es nicht, recht zu behalten, sondern nur, Unterstellungen zu verbreiten, das Märchen von der anhaltenden Diskussion, ob es einen Klimawandel gibt, am Leben zu erhalten. Er ist da, um Verwirrung zu stiften, zu sabotieren und aufzuhalten, nicht um etwas zur Wissenschaft beizutragen. Kritiklos reproduzieren die Spiegel-Journalisten die bereits widerlegten Leugner-Märchen, wie etwa das gegen heute angeblich wärmere Mittelalter. Auch von Storch wird gern zitiert, in allen Facetten seiner heuchlerischen "Honest Broker"-Haltung, nach der die meisten seiner Kollegen Alarmisten seien und eine politische Agenda betrieben. Das wäre eine Rufmordkoalition, und für die machen sich die Spiegeljournalisten zum Sprachrohr. Nochmal gefragt: wollen diese Journalisten behaupten, sie wüßten nicht, wofür diese Männer stehen, wie sie widerlegt wurden, welchen schmutzigen Job die beiden "Macs" für Energieunternehmen und andere zu erledigen haben?


Eigene Fehler anderen zuschieben:


Der Spiegel macht sein Geld mit starken Schlagzeilen und gut inszenierten Titelblättern. Der Spiegel gehörte auch zu den Blättern, die nach den Hinweisen der Klimaforschern in den 80er Jahren, daß ein Klimawandel definitiv drohe, gleich mal den Kölner Dom unter Wasser setzten, was in keinem Bericht der Klimaforscher je als Szenario auftauchte. Und dann haben die Schmieranten tatsächlich die Unverschämtheit zu schreiben:

"Es waren Szenen wie aus einem Horrorfilm: Wie Riffe ragen die Wolkenkratzer von New York aus der See. Überflutet sind längst auch Hamburg und Hongkong, London und Neapel. Anderswo hat das Meer ganze Länder verschluckt: Dänemark, die Niederlande und Bangladesch existieren nicht mehr.

Mit solchen Horrorvisionen rüttelten Klimaforscher vor einem Vierteljahrhundert die Öffentlichkeit auf. (...)"
Nie hat in irgendeinem Bericht zum Klimawandel gestanden, daß in absehbarer Zeit sämtliche Eisschilde abtauen würden. Und zu keiner Zeit hat irgendein Klimaforscher je ausgeschlossen, daß im Laufe eines langen Zeitraums - 1000 Jahre, einige Jahrhunderte - das gesamte Festlandseis abtauen könnte, würde die Menschheit unbegrenzt CO2 in die Atmosphäre blasen und die globale Erwärmung ungebremst immer weiter gehen. Die Horrorszenarien einerseits wie auch die angebliche Meinungsänderung in der Klimaforschung sind beide nur Erfindungen solcher Journalisten wie eben dieser "Wissenschafts"journalisten des Spiegels.

Fehler über Fehler:

Es wird behauptet, die Temperaturkurve des Jones (das heißt, die globalen Temperaturdaten von CRU) sei umstritten. Wo denn?

Es gäbe keine Quelle für die Zunahme von Naturkatastrophen. Vielleicht in der verdrehten Welt von Roger Pielke jr., den man im Spiegel auch zu Wort kommen läßt. Aber die Realität sieht anders aus.

Die Autoren und Gutachter des IPCC seien parteiisch gewesen. Auf welcher Skala denn? Auf der von Koch Industries und Exxon? Das wird wohl so sein. Aber auf keiner seriösen Skala.

Sie behaupten, die Hockey-Schlägerkurve sei als Mogelei entlarvt worden. Das genaue Gegenteil ist festgestellt worden, es ist nachgewiesen worden, daß die Kurve keine Mogelei ist.


Sie behaupten, es spräche viel dafür, dass es im Mittelalter zwischen 900 und 1300, in Wahrheit doch wärmer war als heute. Falsch. Es spricht nichts dafür. Und Weinbau in Schottland gibt es heute, sogar Ackerbau und Fortwirtschaft in Grönland auf einem Niveau, der im Wikingerzeitalter definitiv ausgeschlossen war. Nicht, daß das ein guter Indikator für die globale Temperatur wäre.

Sie behaupten, durch einen Fehler wäre die höchste Temperatur in den USA erst für 1998 angegeben worden und hätte dann dank McIntyre auf 1934 korrigiert werden müssen. Falsch. Vorher und nachher war die höchste Temperatur in den 48 zusammenhängenden Staaten der USA vor 2005 1934. Korrigiert werden mußten Temperaturdaten nach 1999, und auch dies nur um einen geringfügigen Betrag, der die Daten nicht außerhalb der angegebenen Fehlergrenzen veränderte und global bedeutungslos war.

Sie behaupten von Jones zur Behandlung der Daten der Wetterdienste: "Er hat die Aufzeichnungen, wie er die Homogenisierung vornahm, gelöscht." Gelogen! Verbreitet wird das vom Competitive Enterprise Institute im Interesse ihrer Auftraggeber. Und jetzt von den Spiegel-Schmieranten.

Sie behaupten, Professor Peter Webster hätte dies bestätigt. Peter Webster kollaboriert mit Jones. Laut Spiegel hätte sich Webster über schlampige Dokumentation und Fehler in den Daten beschwert, die er allerdings nicht, wie der Spiegel behauptet, erhielt, um CRU zu überprüfen, sondern für ein gemeinsames Projekt mit Jones zu einem speziellen Thema. Nach all diesen Fehlern, dieser Rufmordkampagne und der Übernahme zigfach wiederholter Leugnermärchen, kann man darauf vertrauen, daß hier nicht einzelne Äußerungen Websters aus dem Zusammenhang gerissen und verfälscht wurden? Dafür spricht die Absurdität der Anschuldigungen. Es wird von "Temperatursprüngen" in den Stationsdaten geschrieben. Das ist Quatsch. Entweder geht es um Inhomogenitäten in den Zeitreihen einzelner Stationen. Das gibt es, ist trivial und Grund dafür, daß die Homogenisierung der Zeitreihen für globale Klimadaten erforderlich ist. Genau dies ist auch vielfach unabhängig überprüft. Oder es geht um Sprünge in der globalen Zeitreihe. Die gibt es nicht. Die Zeitreihe ist on-line und man kann sie nach Belieben gegen die Zeitreihen anderer Institute auftragen und vergleichen. Wo sollen da signifikante Sprünge sein? Der Temperaturanstieg auf der Südhalbkugel sei so stark wie auf der Nordhalbkugel und das könne man nicht verstehen, läßt der Spiegel Webster sagen. Das ist, mit Verlaub, nicht wahr und ich denke nicht, daß Webster das so gesagt hat.

Sie behaupten, CRU hätte den Wärmeinseleffekt nicht berücksichtigt, McKitrick hingegen hätte den nachgewiesen. Jones hätte erfolglos versucht, diesen Nachweis aus dem 4. IPCC-Bericht herauszuhalten und er hätte dann das Urteil hineingeschmuggelt, Ross McKitricks Arbeit wäre statistisch nicht signifikant. Genau das ist der Punkt. Ross McKitricks Arbeit ist statistisch fehlerhaft und nicht signifikant und es ist wiederholt nachgewiesen worden, daß der Wärmeinseleffekt ausreichend berücksichtigt wurde und die globalen Temperaturzeitreihen nicht verfälscht. Was RossMcKitrick sonst noch verbricht, ist nur einen Verriß wert.

Ich breche hier ab, es folgen noch fast 2/3 des Textes in gleicher Nicht-Qualität. Wenn die Spiegelschreiberlinge permanent von Leugnerblogs abgeschrieben hätten oder eine Auftragsarbeit für das Heartlandinstitut verfaßt hätten, sähe das Resultat genau so aus.

Fazit:

Die Spiegeljournalisten haben hier Rufmord, mediale Hinrichtung und die Verbreitung systematischer Falschinformation betrieben. Das Geschreibsel ist, wie immer man es werten will, entweder völlig inkompetent oder eine Fabrikation einer Desinformationskampagne von Lobbyinstituten und ihrem Bloggernetzwerk. Dies ist eine Arbeit der Wissenschaftsredaktion des Spiegels. Es belegt, daß dieses Blatt überhaupt nicht in der Lage ist, vertrauenswürdige, wahrhaftige Berichterstattung zu solchen Themen zu leisten. Spiegelabonnenten sind in meinen Augen Masochisten, daß sie für diesen Schund auch noch Geld bezahlen. Und, das muß ich leider anfügen, ich habe den schlimmen Verdacht, daß dies kein spezifisches Problem des Spiegels ist, sondern daß diese Art von Lügenjournalismus in vielen Printmedien geduldet wird. Weil die Leser sich das bieten lassen und diesen Müll bezahlen...

Donnerstag, 1. April 2010

Ökonomenstreit

In einem neuen Beitrag bei Spiegel Online wird mal wieder vorgeführt, wie man aus einem Maulwurfshügel einen Berg baut. Es soll nämlich schon wieder das Bild gemalt werden, daß es lauter Skandale um die IPCC-Berichte gibt. Und da suchen Journalisten nach Möglichkeiten, eine bestehende Serie zu verlängern. Der Boden wird bereitet, indem zunächst an frühere Angriffe gegen das IPCC erinnert wird, ohne dabei zu erwähnen, daß viele dieser Anschuldigungen sich als haltlos und fabriziert herausstellten. Dann wird herausgestellt, daß sich diesmal der Angriff auf den Bericht der dritten Arbeitsgruppe zu Maßnahmen gegen den Klimawandel richtet, der bisher nicht im Fokus der Leugnervorwürfe stand. Die dritte Arbeitsgruppe fragt unter anderem nach den Kosten des Klimawandels und den Kosten für Maßnahmen dagegen und setzt sie ins Verhältnis.

An der Stelle muß ich um Verzeihung bitten, daß ich zu diesen Fragen nicht den rechten Zugang habe. Ich bin kein Ökonom und habe bedauerlicherweise Vorurteile gegen die Arbeit der Wirtschaftswissenschaftler. Die Projektionen der Klimamodelle haben gewisse Unsicherheiten. Wenn man darauf noch ökonomische Modelle mit ihren eigenen Unsicherheiten setzt, kann das Ergebnis nicht besonders überzeugend sein. Und mein Vertrauen in die Arbeit von Wirtschaftswissenschaftlern ist dadurch getrübt, daß hier anscheinend verschiedene Schulen, Paradigmen und sogar politische Lager eine Rolle spielen. Wirtschaftswissenschaften versuchen das komplexe Handeln von Menschen in Gesetzmäßigkeiten zu fassen, und da sind meines Erachtens mehr Freiheitsgrade als bestimmende Parameter vorhanden. Hier gilt noch mehr, daß Voraussagen schwierig sind, insbesondere solche, die die Zukunft betreffen. Das Problem mit den Abschätzungen zu zukünftigen Kosten des Klimawandels oder der Maßnahmen dagegen ist, daß diese Kosten, die bereits fehlerhaft geschätzt werden und ihrerseits auf Klimaprojektionen mit Unsicherheiten basieren, über Jahrzehnte aus der Zukunft auf die Gegenwart abgezinst werden, was die Fehler weiter vergrößert, denn man kann für verschiedene Zinssätze argumentieren. Und was einen eigentlich interesiert, ist die Differenz zwischen Kosten der Klimawandelfolgen und der Schutzmaßnahmen, also zweier sehr unsicherer Zahlen. Man sieht aus meiner Beschreibung, daß ich diesen Arbeiten der Ökonomen nichts abgewinnen kann. Vermutlich habe ich keine Ahnung davon.

Vielleicht halte ich den Nutzen dieser ganzen Überlegungen auch deshalb für fraglich, weil ich nicht genau weiß, wie man den Zusammenbruch der Ozeane als Ökosystem bewerten will. Oder wie man auf die Gegenwart abzinst, wenn die Nahrungsproduktion in Teilen Asiens zusammenbricht. Ich habe den Verdacht, daß man für manches unendliche Kosten ansetzen müßte, weil es Ereignisse sind, die wir um keinen Preis akzeptieren wollten. Die verschiedenen möglichen Realisierungen von Klimawandelkosten ergeben eine Verteilung, die zwei Flügel hat. Auf dem einen Flügel liegen, salopp gesagt, die optimistischen Szenarien und auf dem anderen Flügel die Apokalypsen. Ich habe den Verdacht, daß viele Wirtschaftswissenschaftler bezüglich der naturwissenschaftlichen Fragen ignorant sind und noch als reines Kostenproblem behandeln, was in Wahrheit ein existentielles Problem ist. Oder wieviel kosten einige tausend oder einige Millionen Menschenleben? Wie setzt man das ins Verhältnis zu einer bestimmten Menge prognostizierten Wirtschaftswachstums? Und was ist diese Prognose nach dem nächsten Finanzmarktcrash wert?

Nun meldet der Spiegel, daß ein namhafter Ökonom gravierende Fehler im Bericht der 3. Arbeitsgruppe ausgemacht hätte. Was der Spiegel den Lesern als Zusatzinformation vorenthält ist, daß der Kritiker Richard Tol (Bild) zwar ein Ökonom mit einer großen Zahl einschlägiger Publikationen ist, aber auch er bekannt dafür ist, immer recht gleichförmige Ergebnisse zu erzielen. Wenn es nach ihm geht, sind die Kosten des Klimawandels eher gering, die Hälfte der schädlichen Folgen des Klimawandels bereits geschehen oder unvermeidlich und die Kosten von Maßnahmen gegen den Klimawandel eher hoch. Daher empfiehlt er, es mit Maßnahmen gegen den Klimawandel doch gemächlich angehen zu lassen. Ich glaube, das Muster ist klar. Tol leugnet den Klimawandel nicht. Aber er dreht alles so, daß man trotzdem nichts schwerwiegendes zu tun braucht. Er ist damit im übrigen nicht allein. Es gibt verschiedene Schulen unter den Wirtschaftswissenschaftlern.

Richard Tol hatte in der Klimazwiebel ein Pamphlet mit Vorwürfen an das IPCC eingestellt. Und das ist im Grunde, abgesehen von vielen Auslassungen, wie etwa einer nachvollziehbaren Quellenangabe, vom Spiegeljournalisten übernommen worden. Die Leistung des Reporters war es noch, den kritisierten Edenhofer zu fragen, was er dazu meint, und sich noch einen Gesinnungsgenossen Tols nennen zu lassen, der dessen Kritik teilt. Aber hat Tol etwas gravierendes in der Hand? Tol wirft unter anderem dem IPCC vor, daß bei der Abschätzung des Nutzens von Umweltschutzmaßnahmen graue Literatur in den Bericht der 3. Arbeitsgruppe eingegangen wäre, obwohl man dazu einen fachbegutachteten Übersichtsartikel hätte zitieren können, der 2005, also zeitig zur Erstellung des Berichts, vorlag. Klingt böse, zumal Tol auch vorbringt, daß die Arbeitsgruppe schon bei der Erstellung des Berichts von Experten kritisiert wurde. Tol meint, das wäre Absicht. Die IPCC-Arbeitsgruppe unter Leitung von Ottmar Edenhofer hätte Schätzungen bevorzugt, die den Nutzen von Umweltschutzmaßnahmen bei der Beschäftigung hoch ansetzen (siehe Kapitel 11.8.2 im Bericht der 3. Arbeitsgruppe), aber eine fachbegutachtete Metastudie nicht berücksichtigt, die den Nutzen deutlich niedriger ansetzt. Im Spiegelbericht wird behauptet, die fachbegutachtete Studie wäre genannt, aber vom IPCC nicht berücksichtigt worden. Schaut man sich aber den Kommentarbereich zum Bericht an, wo die Entwurfsversionen und Korrekturwünsche dokumentiert sind, stellt man fest, daß auf zahlreiche Änderungswünsche von Tol eingegangen worden ist, wie auch auf Wünsche von Montgomery, der ähnlich stark eher wirtschaftsfreundliche Intentionen hat. Was man dort aber nicht findet, ist die Arbeit von Patuelli, Nijkamp and Pels (2005, Ecological Economics, 55 (4), 564-583), die Tol vermißte. Das IPCC konnte hier seinem Vorschlag nicht folgen, weil er nicht gemacht wurde. Nun handelt es sich dabei zwar um eine Metastudie, die sicher eine sinnvolle Ergänzung zum Thema ergeben hätte, aber letztlich ist auch diese Arbeit nur eine Einzelmeinung, die man nicht übergewichten sollte. Und es gibt tatsächlich keinen Grund, eine Arbeit nur deshalb geringzuschätzen, weil sie unter grauer Literatur firmiert, wenn es hier um Berichte anerkannter Behörden geht oder um den renommierten Stern-Report (in einem anderen Bereich). Tol meint, die IPCC-Arbeitsgruppe hätte einseitig bestimmte Arbeiten favorisiert. Tol macht aber, bestenfalls, nichts anderes. Was mir eher noch auffällt, daß sich jemand namens Tol darüber aufgeregt, daß mindestens 8 Publikationen aus 2005 (teilweise noch nicht erschienen) nicht berücksichtigt worden waren, geschrieben von - Tol. Darunter auch eine Metastudie, die zufälligerweise zum Ergebnis kommt, daß sich bei geschickter Auswahl der zugrunde liegenden Studien die Kosten für den Klimawandel je Tonne CO2 gegenüber der Berücksichtigung aller Studien halbieren. Ein guter Teil der eher optimistischen Studien bezüglich der Kosten von CO2 stammt von - Tol, teilweise zusammen mit anderen Autoren. Und hier muß man der IPCC-Gruppe zugutehalten, daß sie auch hier deutlich im Sinne Tols nachgebessert hatten. Ich werde den Verdacht nicht los, daß Tol vor 100% Übereinstimmung mit ihm mit dem IPCC nicht zufrieden gewesen wäre.

Am Ende fragt man sich, warum nun eigentlich der Aufstand? Tol findet, daß Tol nicht genügend zitiert wurde und kritisiert, daß die Arbeitsgruppe zu anderen Ergebnissen gekommen ist als Tol. Daher sei sie voreingenommen, würde CO2-Kosten zu hoch und CO2-Nutzen zu niedrig ansetzen. Meint Tol. Große Meldung im Spiegel. Und schon wieder sei das IPCC in der Kritik. Allerdings nur alter Wein in neuen Schläuchen. Es dürfen schon Wetten abgeschlossen werden, wann von Storch oder Pielke jr oder Tol oder Kombinationen von diesen weitere Kommentare dazu abgeben, wie einseitig und politisch unterwandert das IPCC doch sei. Was uns Pielke, von Storch und Tol ganz neutral erzählen werden. Honest Broker halt.

Sonntag, 28. März 2010

Die Gefahren der neutralen Berichterstattung.

In den Medien hält sich hartnäckig das Gerücht, man würde das Publikum gut informieren, wenn man in den Medien "beide Seiten" zu Wort kommen ließe, also zum Beispiel seriöse Wissenschaftler und Leugner, die von der Industrie bezahlte Lügen verbreiten, wie zum Beispiel es würde in den letzten Jahren kühler werden oder die Sonne würde im wesentlichen das Klima antreiben. Dahinter steckt die absurde Ansicht, es würde sich im Wettbewerb der Meinungen die bessere schon durchsetzen, wenn nur die Medien über alle Alternativen "informieren". Genau diese Haltung der Medien, beide Seiten einer Kontroverse zu berichten, wird von Lobbyisten ausgenutzt. Was dabei tatsächlich geschieht, zeigt eine Untersuchung, die ich hier verlinke. Dabei werden drei Gruppen betrachtet. Die erste Gruppe hat keine Informationssendung zum Klimawandel gesehen. Die zweite Gruppe hat eine Informationssendung gesehen, in der der Stand der Wissenschaft in Interviews mit Wissenschaftlern dargestellt wird zur Existenz des Klimawandels und zu seinen Folgen. Die dritte Gruppe hat diese Informationssendung gesehen, aber zusätzlich wird am Ende der Sendung ein Interview mit einem Leugner (sogenannten "Skeptiker") gezeigt, der eine alternative (nämlich falsche Sicht) erläutert. Hier wird also "die Kontroverse" berichtet - die falsche und die richtige Sicht werden als gleichwertig präsentiert.

Es reicht schon, wenn man in einer Berichterstattung zur globalen Erwärmung das Interview mit einem Leugner (einem sogenannten "Skeptiker") einfügt, um die Wahrnehmung des Berichts zu verändern. Es verändert zwar nicht die Einstellung einer Mehrheit der Zuschauer (man berücksichtige bei den gezeigten Diagrammen, daß die Balken nicht bis Null gehen, um die Unterschiede zwischen den Gruppen besser aufzulösen), aber je nach Frage werden 5 bis 12 Prozent der Zuschauer zusätzlich dazu gebracht, daran zu glauben, daß es eine Kontroverse in der Wissenschaft über grundsätzliche Fragen des Klimawandels gäbe oder die Notwendigkeit von Maßnahmen gegen den Klimawandel abzustreiten. Wenn man verstehen will, warum in der jüngeren Vergangenheit die Ansicht auch in Deutschland stärker verbreitet ist, daß der Klimawandel kein Problem darstellt, so muß man die Schuld dafür in erster Linie bei unseren Medien suchen, die immer wieder Leugnern ermöglichen, sich zu Wort zu melden.