Sonntag, 9. Januar 2011

Das Gedächtnis des Meeres

Das Gedächtnis des Meeres ist ein Buch von Eugen Seibold, das 1991 im Piper-Verlag herauskam. Mir fiel es im Antiquariat in die Hände, und auch wenn ich bisher nur einzelne Kapitel davon durchschmökert hatte, war es doch schon inspirierend. Genauso, wie uns die Schichtungen der Erde etwas darüber erzählen, wie über die letzten Milliarden Jahre der Erdgeschichte sich die Zusammensetzung der Atmosphäre geändert hatte und wann zum Beispiel der steigende Sauerstoffgehalt in den Meeren anfing, das gelöste Eisen auszufällen, genauso wie diese Ablagerungen uns auch sagen, wann die Erde von Eis bedeckt war, und genauso, wie beides zusammengenommen uns erzählt, daß die Zusammensetzung der Atmosphäre unser Klima beeinflußt, aber auch, daß das Leben auf der Erde wiederum die Zusammensetzung der Atmosphäre beeinflußt, genauso erzählen uns geologische Schichtungen auch etwas darüber, wie sich die Meere verändert haben. Und auch die Veränderungen der Meere sind eng verbunden mit dem Klima der Erde. Das Gedächtnis der Meere kann uns auch etwas über unsere Zukunft sagen.
Schematische Darstellung der Kontinentaldrift durch Aufstieg von Material des Erdmantels und Neubildung ozeanischer Kruste. Die leichtere Kontinentalkruste wird auseinandergeschoben. Solche Abläufe können in Millionen Jahren auch den Meeresspiegel um über 100 Meter anheben oder senken.

Freitag, 31. Dezember 2010

2010 - ein Jahresrückblick

2010 liegt, während ich das tippe, in seinen letzten Zügen. Für mich war es ein arbeitsreiches Jahr, auch aus familiären Gründen. Vieles, was ich gerne geschrieben hätte, ist dann doch liegen geblieben. Also wage ich mit dem Jahresrückblick noch mal einen Rundumschlag.
Temperaturanomalie 2000-2009 gegenüber 1951-1980 laut GISS, NASA. Von NASA Earth Observatory.

Das Jahr war reich an extremen Wetterereignissen, an neuen Rekorden. Es gab neue Erkenntnisse, die einem Trend folgten, der schon 2008 und 2009 bestand - der letzte IPCC-Bericht von 2007 hat die Gefahren des Klimawandels in den meisten Punkten untertrieben. Und die Öffentlichkeit und die Politik haben das nicht wirklich zur Kenntnis genommen. 2010 war das Jahr, in dem das sogenannte "Climategate" in sich zusammenfiel und die schmutzigen Hintergründe der erklärten sogenannten "Skeptiker", das heißt Leugner und Lügner, besonders offensichtlich wurden. 2010 schließlich war auch das Jahr der Folgekonferenzen zum Klimagipfel in Kopenhagen. Die Nachlese zum Gipfel in Cancun in Mexiko fällt gemischt aus - wenn man so will, ist das Glas halbvoll oder halbleer, je nach Sichtweise. Das 2-Grad-Ziel wurde als politisches Ziel akzeptiert. Aber bringt uns das weiter?

Sonntag, 21. November 2010

Der lebende Planet

Ich wollte ein neues Thema im Blog diskutieren, aber dazu muß ich erst einige Grundlagen legen. Und damit hier keine langen und langweiligen Vorträge stehen, gehe ich es indirekt an auf die Gefahr hin, daß ich neben Arbeit und Familie gar nicht mehr dazu komme, zum eigentlichen Punkt zu kommen. Sei es drum... Das Thema ist der lebendige Planet. Schaut man sich nämlich die Atmosphären verschiedener Planeten an, dann fällt bei der Erde auf, daß ihre Atmosphäre sich weit weg von einem chemischen Gleichgewicht befindet. Es ist ordentlich Sauerstoff vorhanden, der verschiedene andere Stoffe oxidieren könnte und auch nicht wenig Methan, das im Gleichgewicht eigentlich vollständig zu Kohlendioxid und Wasser abreagiert sein müßte. Anhand solcher Anzeiger (ein weiteres ist das vorhandene Lachgas) verrät die Erde, daß es hier Leben geht. Geologische Vorgänge könnten eine solche Atmosphäre nicht erzeugen, sondern würden uns entweder dem Mars oder der Venus ähnlich werden lassen. Schauen wir doch mal ein paar Milliarden Jahre in die Vergangenheit...

Mittwoch, 17. November 2010

Unbelehrbare Journalisten und die Spinner, die sie zitieren

Vor etwas über einem Jahr wurde der angebliche Climategate inszeniert. Damals hatten Unbekannte einen Server der Climate Research Unit an der East Anglia University gehackt und Emails gestohlen, aus denen dann Vorwürfe gegen Professor Phil Jones und seine Mitarbeiter konstruiert wurden. Nachfolgende Untersuchungen zeigten, daß diese Vorwürfe falsch waren. Die Drahtzieher dieser Straftat stammen wohl aus Klimawandelleugnerkreisen, aber polizeiliche Untersuchungen verliefen im Sande. Ungefähr zeitgleich wurde auch die angebliche Aufdeckung zahlreicher Fehler im IPCC-Bericht inszeniert. Auch hier ergab die nachfolgende Untersuchung, daß die angeblichen Fehler keine waren. Die zwei einzigen echten Fehler waren eine falsche Angabe der ungefähren Zeit, zu der die Gletscher im Himalaya weitgehend abgeschmolzen sein sollten und eine von den Niederlanden falsch übermittelte Zahl über den Anteil des Landes, der unterhalb der Meeresoberfläche liegt. Gerade der erste dieser Fehler war aber von IPCC-Autoren selbst entdeckt und korrigiert worden, während die Niederlande ihre falsch übermittelte Zahl korrigieren mußten und klarstellten, daß eher die Fläche damit beschrieben wird, die bei Hochwasser von Überschwemmung bedroht ist. Doch der Wahnsinn dieser Zeit ist nicht vorüber - einige Journalisten haben immer noch nichts begriffen. Ein Blick in die Thüringer Allgemeine.

Sonntag, 14. November 2010

Nicht typisch, aber erhellend

Ich schreibe selten darüber, was sich in den Hauptblogs der Leugnergemeinde tut, wie etwa Wattsupwiththat oder ClimateAudit. Inhaltlich bringt es nichts und ich sehe auch keinen Sinn darin, mich zu wiederholen - und darauf liefe es hinaus, wenn ich schon an Beispielen dargestellt habe, daß dort Unfug als Wissenschaftskritik verkauft wird. Dumme Beiträge, die man in der Kritik verreissen könnte, gibt es da fast täglich. Doch im Oktober waren Beispiele zu finden, die den Geist besonders gut darstellten, in dem diese Blogs verfaßt werden. Diese Beiträge waren vielleicht noch nicht mal typisch für diese Blogs, aber entlarvend und erhellend. Schauen wir uns das also einmal an...

Samstag, 13. November 2010

Klimaszenarien - realistisch oder brauchbar?

Klimaprojektionen basieren auf vorgegebenen Verläufen zukünftiger Emissionen der Treibhausgase. Diese Verläufe wiederum bauen auf eine gedachte Geschichte für die Zukunft auf. Mehr oder weniger erwartetes Wirtschaftswachstum kann genauso wie mehr oder weniger Bevölkerungswachstum bedeuten, daß die Emissionen von Treibhausgasen mehr oder weniger stark steigen oder vielleicht irgendwann auch sinken. Eine solche Geschichte der Zukunft mit einem solchen Verlauf der zukünftigen Emissionen und anderer Größen nennt man ein Szenario. Können wir darauf vertrauen, daß solche Szenarien für die Projektionen, die für das IPCC berechnet wurden, realistisch sind? Ich behaupte, nein. Das war auch nie Sinn der Übung. Überlegen wir einmal, warum.

Freitag, 29. Oktober 2010

Kann das IPCC den Nutzen des Klimawandels schönrechnen?

Professor Richard Tol hat zweimal in Beiträgen bei Roger Pielke junior und  später hier im Blog Klimazwiebel der Arbeitsgruppe 3 des IPCC implizit vorgeworfen, ihr Review hätte versagt, sie hätten vielleicht gar mit einer politischen Agenda gearbeitet und auf dieser Basis unangenehme Fachbeiträge unterdrückt oder die Analyse manipuliert. Das hätte die Ergebnisse des IPCC korrumpiert. Meiner Ansicht nach basiert der Vorwurf von Tol aber darauf, daß er zum einen aus Einzelentscheidungen der Arbeitsgruppe 3 auf die Gesamtergebnisse generalisiert, zum anderen läuft die Kritik oft darauf hinaus, daß Redakteure im IPCC zu anderen Ergebnissen bei der Berücksichtigung von Arbeiten kamen als Richard Tol und Tol daraus die Agenda des IPCC ableitet. Man könnte bei letzterem zurückfragen, ob nicht umgekehrt Richard Tol hier eine Agenda vertritt? Ich will noch mal zusammenfassen, warum ich in die Fachliteratur der Wirtschaftswissenschaften in Bezug auf den Klimawandel weniger Vertrauen habe als in die naturwissenschaftliche Literatur, warum deshalb das Heraushalten von fachbegutachteten ökonomischen Artikeln aus dem IPCC-Bericht kein Fehler sein muß und ich will nachfragen, ob Richard Tol beim IPCC und bei seinen eigenen Beiträgen mit zweierlei Maß mißt. Letzeres würde die Frage beantworten, ob Tol eine Agenda hat.

Montag, 27. September 2010

Wer die bösen Buben sind...

Für einen Europäer ist es eine sehr bequeme Sache, sich in den Lehnstuhl zu setzen und darüber zu philosophieren, wie der "american way of life" die Erde in die globale Erwärmung treibt. Doch kürzlich sah ich auf einer Webseite Illustrationen aus einem Buch von Prof. James Hansen ("Storms of my Grandchildren"). Und diese Graphiken zeigen ein alternatives Bild auf. Bei der Gelegenheit, auch ein Tip für eine Quelle im Internet. Unter dem Link Makiko's Page findet man weitere interessante Graphiken.

Montag, 20. September 2010

Spiegel schreibt schon wieder Blödsinn

Vor über 2 Wochen hatten Matthew Penn und William Livingston eine nicht-fachbegutachtete Studie auf arXiv geladen, laut der sie anhand einer Spektrallinie eine Abnahme des Magnetfeldes der Sonne und darüber der Sonnenfleckenzahl bestimmen konnten. Mit Hilfe einiger noch unbestätigter Annahmen und durch eine lineare Extrapolation meinten die Autoren, daraus ableiten zu können, das der gegenwärtige 11-jährige Sonnenfleckenzyklus nur halb so stark ausfällt wie der vorige und der nächste (25. in der internationalen Zählung) ganz ausfallen wird. Ob es so wird, geben die Autoren ehrlich zu, würde die Zukunft zeigen und empfehlen weitere Messungen.

Auf zur Geisterbahnfahrt beim Spiegel:

Sonntag, 19. September 2010

Currys italienische Flagge, postnormales Lagerdenken und Fehlerbalken

Prof. Judith Curry ist Leiterin des Instituts für Geo- und Atmosphärenwissenschaften am Georgia Institute for Technology. Sie ist zugleich auch eine Person, die es in Rekordzeit geschafft hat, ihre fachliche Reputation zu zerstören. Daneben entwickelt sie Ideen, die sich schwer mit ihrer Kompetenz in der Klimaforschung vereinen lassen. Aber vielleicht ist nicht die Kompetenz das Problem, sondern politischer Wille stellt wissenschaftlichem Verständnis ab und zu ein Bein. Jedenfalls hat Curry in ihrem Blog eine recht eigenwillige Ansicht entwickelt, wie unsicher unser Verständnis darüber ist, wie viel des aktuellen Klimawandels von Menschen verursacht wird. Diese Ansicht ist absurd, und das läßt sich einfach erklären. Aber ich fange besser beim Anfang an...

Samstag, 18. September 2010

Wundersame Welt der Wirtschaftswissenschaften 3 - das Lomborg-Dilemma

Stellen Sie sich vor, Ihr Haus brennt. Auf dem Tisch liegt eine Brieftasche mit Geld und Kreditkarten. Außerdem liegt dort ein Ordner mit ihren wichtigsten persönlichen Papieren. Was davon ist jetzt wichtiger? Was werden Sie retten? Wenn Sie anfangen, nachzudenken, heißen Sie vielleicht Björn Lomborg. Die meisten anderen würden sagen, daß sie beides mitnehmen. Lomborg hat die Kunst, Dilemmata zu konstruieren, extrem verfeinert, nur um irgendwie am Ende den Eindruck zu erwecken, daß die Vermeidung des Klimawandels kein wichtiges Problem sei. Neuerdings hat er seine Verwirrungstechnik noch verfeinert und es geschafft, den Eindruck zu erwecken, er halte den Klimawandel nun für ein wichtiges Problem. Dabei vermeidet er es jedoch, irgendetwas zu empfehlen, das geeignet wäre, den Klimawandel aufzuhalten - er ist zwar bereit, mehr Geld für das Problem des Klimawandels auszugeben, aber nach wie vor liegt dabei die Priorität nicht bei der Emissionsminderung.

Schauen wir uns also einmal das Lomborg-Dilemma an.

Donnerstag, 16. September 2010

Wundersame Welt der Wirtschaftswissenschaften 2 - was kostet ein Leben?

Eines der Merkmale des Klimawandels ist es, daß hier in starkem Maße Schäden auftreten, die nicht direkt in Geld umgerechnet werden können. Das Aussterben von Arten, das Absterben von Korallenriffen, die massive Umsiedlung von Menschen aus Gebieten, die durch Überschwemmungen und Dürren bedroht werden und mögliche Todesfälle durch Naturkatastrophen und Hungersnöte sind allesamt nicht in Geld zu bewerten.

Eines der Merkmale der Wirtschaftswissenschaften ist, daß man genau dieses dort versucht.

Montag, 13. September 2010

Wundersame Welt der Wirtschaftswissenschaften - Zinsen und Umverteilung

Als Naturwissenschaftler neigt man zur Naivität. Man weiß, daß unsere Lebensweise zu einer Veränderung des Klimas führt und man weiß, daß einige dieser Veränderungen das Potential haben, die Lebensgrundlage von Millionen Menschen zu zerstören. Man würde also annehmen, daß es nun darum geht, unsere Lebensweise so zu ändern, daß wir in überschaubarer Zeit aufhören, das Klima zu verändern. Dazu müssen wir auf eine kohlenstofffreie Energieerzeugung umstellen.

Doch von der Politik aus betrachtet ist das zu einfach. Zunächst muß man gründlich analysieren, was die wirtschaftlichen Kosten des Klimawandels bzw. von Maßnahmen zur Anpassung an ein verändertes Klima sind abzüglich des möglichen Nutzens, um das zu vergleichen mit den zu erwartenden Kosten von Maßnahmen zur Vermeidung des Klimawandels. Das klingt so, als bräuchte man viele Daten und würde dann eine Rechnung durchführen und am Ende steht ein Ergebnis: Klimaschutz rechnet sich oder Klimawandel und Anpassung daran sind billiger. Ich habe jedoch den Verdacht, daß das weder bisher durchgeführt wurde noch überhaupt möglich ist. Warum?

Mittwoch, 1. September 2010

Das kann man nicht erfinden...

Das Thema der Klimaveränderung ist in den USA eine Kontroverse zwischen den beiden großen Parteien - das ist schon seltsam genug. In Europa ist es undenkbar, daß es eine Frage der Parteizugehörigkeit sein könnte, ob man wissenschaftliche Erkenntnisse akzeptiert oder nicht. Aber die antiwissenschaftliche Haltung der politischen Rechten kann zu komischen Auswüchsen führen.