Freitag, 12. März 2010

Wenn etwas gut ausgeht, könnte man auch einfach froh darüber sein - Schweinegrippe

Ich hatte hier vergangenes Jahr abseits vom Thema über die Schweinegrippe geschrieben. Ich fand es wichtig, sich dagegen impfen zu lassen. Auch wenn sich viele Stimmen fanden, wir sollten doch erst mal abwarten und bloß keine Panik machen. Wie zu erwarten, meldeten sich die gleichen Impfgegner, die etwa auch Widerstand gegen die Masernimpfungen leisten und dafür verantwortlich sind, daß diese Krankheit noch nicht, wie die Pocken, ausgerottet ist. Inzwischen mußten sogar Wissenschaftler eine Arbeit zurückziehen, in der der Mythos in die Welt gesetzt wurde, der Masernimpfstoff könnte Autismus fördern. Daran war nichts wahr, aber Impfgegner verbreiten den Mythos weiter. Bei der Impfkampagne gegen die Schweinegrippe wurde eine Hysterie geschürt um die angeblichen Gefahren des Impfstoffs, es wurde verbreitet, er sei ungenügend ausgetestet. Die Impfkampagne führte aber zu genau dem Ergebnis, das zu erwarten war - es gab nicht mehr Impfschäden, als zu erwarten waren, und diese waren weitaus harmloser als die möglichen Gefahren der Grippe. Viele Menschen denken, daß eine Grippe, an der von Größenordnung 10 Millionen Menschen, die daran in Deutschland erkranken, einige 1000 sterben, harmlos sei. Ich weiß nicht, wie man auf diese Idee kommen kann. Irgendwo setzt da logisches Denken aus. Auch ein paar tausend Tote sind ein paar tausend Tote zu viel. Daher ist JEDE Impfkampagne sinnvoll.

Die WHO und alle damit befaßten Institute haben IMMER, JEDERZEIT darauf hingewiesen, daß der Ausgang der Schweinegrippepandemie nicht vorhersagbar ist. Es kann harmlos ausgehen und sogar schwächer als eine saisonale Grippe sein oder auch viel schlimmer und in der Größenordnung der spanischen Grippe 1917-1920 gelangen. Nachdem man die Pandemie eine Weile beobachtet hatte, was klar, daß einerseits überproportional viele junge Menschen einen schweren Krankheitsverlauf zeigten, andererseits die Krankheitsverläufe nicht die Virulenz und Mortalität der spanischen Grippe zeigten. Trotzdem war die Impfkampagne dagegen sinnvoll - zum einen, weil jeder, der nicht stirbt, den Aufwand wert ist und zum zweiten, weil das Virus um so mehr Gelegenheit hat, zu mutieren und dabei gefährlicher zu werden, je mehr Menschen die Grippe durchmachen. Und drittens schließlich schützt die Durchimpfung der Bevölkerung auch die Menschen, die aus irgendeinem Grund gleichzeitig zu den Risikogruppen gehören, aber nicht geimpft werden können, wie bestimmte Allergiker, die gleichzeitig Asthmatiker sind und Säuglinge.

Nachdem die erste Pandemiesaison nun abgelaufen ist und wir nicht mehr Todesfälle gesehen hatten als in einer normalen Grippesaison, tauchen nun immer mehr Menschen auf, die, ich kann es nur unhöflich sagen, argumentieren wie unverständige Kinder. Zum Beispiel meldet sich heute der Spiegel mit einem Artikel, in dem der WHO Panikmache vorgeworfen wird. Vor dem von mir oben gegebenen Hintergrund muß man doch fragen: haben diese Spiegel-Schreiberlinge eigentlich noch alle beieinander? Hier wird mal wieder aus Geldgier ein bestimmtes Sentiment des Bildungsproletariats bedient: wenn vor einer Gefahr gewarnt wird und man hat Glück, daß nichts passiert wird, dann wird "Panikmache" gerufen. Dann reagiert man gleich seinen Minderwertigkeitskomplex ab, weil hier Experten gewarnt hatten und man sich denen nun überlegen fühlen kann und man kann auch noch über die Steuergelder schimpfen, die dabei verbraten wurden. Aber es hat alles nichts mit dem zu tun, was ich oben geschrieben hatte: niemand konnte garantieren, daß die Schweinegrippepandemie harmlos verläuft und jede Impfkampagne gegen eine solche Infektion ist sinnvoll.

Jedes Gleichnis hinkt, aber ich bringe es trotzdem: wenn man Russisch Roulett spielt, sitzt eine Kugel in der Revolvertrommel. Die Chance, daß es gut ausgeht, wenn man abdrückt, ist 1:6. Wenn jemand also abdrückt und er dabei keine Kugel in den Kopf bekommt, würden dann die Beobachter sagen, daß Russisch Roulett zu spielen eine harmlose Sache ist und daß davor zu warnen Panikmache sei? Wenn also vor einigen Pandemien gewarnt wurde und diese dann glimpflich ausgehen, heißt das nun, daß Organisationen, die gewarnt hatten, kompromittiert sind, daß sie ihre Glaubwürdigkeit verspielt hätten? Genau das wird in dem Spiegel-Artikel behauptet. Hier werden die Leser für dumm verkauft, weil man damit Auflage machen kann. Das ist aber unverantwortlich, denn wenn die Menschen anfingen, sich auszusuchen, ob sie Warnungen des Robert-Koch-Instituts oder der WHO ernst nehmen, könnten wir diese Einrichtungen gleich schließen. Und wenn diese anfingen zu überlegen, ob sie lieber nicht warnen, weil sie ihre Glaubwürdigkeit nur behalten, wenn die Katastrophe 100% sicher kommt, vor der sie warnen, werden sie keine neutrale Bewertung von Krankheiten vornehmen können.

Und obwohl die Impfkampagne schon sinnvoll war, weil ein gefährlicher Pandemieverlauf möglich war, möchte ich noch einen drauf setzen. Die nachfolgende Graphik zeigt die Zahl der Todesfälle von Kindern und Jugendlichen in US-Städten von 2006 bis heute. In grün sind die normalen Todesfälle durc hsaisonale Grippe eingezeichnet. In violett die Todesfälle aufgrund der Schweinegrippe. Die Schweinegrippe hat für eine deutlich erhöhte Sterblichkeit von Kindern und Jugendlichen gesorgt. DESWEGEN hatten wir die Impfkampagne. Dieser Spiegelschreiberling soll doch mal den Eltern, die ein an der Grippe verstorbenes Kind zu beklagen haben, ins Gesicht sagen, daß das alles Panikmache war. Die Impfkampagne hat weltweit tausenden von Kindern das Leben gerettet und wenn mal wieder vor einer neuen Grippevariante gewarnt wird, hoffe ich, daß jeder, der das hier gesehen hat, diese Fakten mal auf sich wirken läßt und versteht, daß die Pandemievorsorge nicht erst dadurch sinnvoll wird, daß sich in den Straßen auf Ansage die Leichen stapeln. Sondern weil schon 266 tote Kinder und Jugendliche in den US-Städten zu viel sind, deshalb machen wir das alles. Und weil manche dieser Kinder aus irgendeinem Grund selbst nicht geimpft werden können, sind wir es, die mit verantwortlichem Handeln Herdenimmunität herstellen. Daran haben die Spiegel-Journalisten nicht gedacht. Falls sie überhaupt an etwas neben ihrer Bezahlung denken...

Quelle: CDC

Mittwoch, 10. März 2010

Teddybär beißt zurück - wehren sich die Wissenschaftler?

(Update vom 11.3.2010 am Ende des Beitrags.)
Wissenschaftler sind es gewohnt, recht behütet zu leben und zu forschen. Für ein im Vergleich zu ihrer Ausbildungsdauer mageres Gehalt bearbeiten sie Themen, die bereits die Kollegen im Nachbarinstitut nicht mehr verstehen und führen die Auseinandersetzung mit Kollegen über Artikel in Fachzeitschriften und gelegentlichen Vorträgen und Postern auf Fachtagungen. Wehe, wenn ihr Fachgebiet plötzlich in den Fokus politischer Aktivität gerät. Die armen Forscher werden völlig überrascht, wenn sie plötzlich falsche Darstellungen ihrer Arbeit in den Medien sehen, ihre Kompetenz und Integrität von Menschen angegriffen wird, denen beides offensichtlich fehlt und die Öffentlichkeit die Argumente von Laiendarstellern überzeugender findet als langatmige und schwierige Monologe der Wissenschaftler.

Doch jede Lobbykampagne kommt irgendwann an den Punkt, an dem sie überzieht. Für einige Wissenschaftler ist dieser Punkt erreicht. Man muß dazu bedenken, daß die Situation in den USA, zu einem gewissen Grad auch in anderen angelsächsischen Ländern, anders ist als in Deutschland. In Deutschland haben Ende der 80er Jahre alle demokratischen Parteien eine übereinstimmende Ansicht zum Klimawandel gebildet, die auf den Feststellungen von Wissenschaftlern beruhen. Politiker in Deutschland hören auf Feststellungen von Wissenschaftlern, sofern es um die Bewertung naturwissenschaftlicher Fragen geht. In den USA ist dies anders. Hier konnte über Lobbyinstitute erfolgreich ein Kampf geführt werden, in dem die Gesundheitsgefährdung durch Tabakrauch angezweifelt werden konnte. Teilweise die gleichen Institute und in Einzelfällen sogar die gleichen "Experten" (am bekanntesten ist hier Fred Singer) diffamieren nun Klimawissenschaftler. Eingebettet sind diese Aktionen in die republikanische Partei in den USA. Die Republikaner haben starke Gruppierungen, die eine Brachialmarktwirtschaft unterstützen, in denen Steuersätze angestrebt werden, die zum Zusammenbruch funktionierender staatlicher Institutionen führen würden - in den Augen vieler Amerikaner auf dem platten Land keine schlechte Sache. Hier sind Gruppierungen stark, die Unternehmen von jeglichen Verpflichtungen befreien wollen, als da wären Umweltauflagen oder soziale Pflichten. Und es gibt hier Gruppierungen, die ein fundamentalistisches Christentum betreiben, daß in Deutschland als extremes Sektierertum betrachtet würde, bei dem man an die wortwörtliche Schöpfung in 6 Tagen glaubt und die faktische Evolution der Arten leugnet. Im Gegensatz zu Deutschland kann sich also die Wissenschaftsfeindlichkeit und das Leugnen des menschengemachten Klimawandels auf die eine der beiden dominierenden Parteien stützen, wobei die Republikaner gemessen an unserem Parteienspektrum nach meiner Einschätzung zum größeren Teil rechts von CDU/CSU/FDP stünden - innen-, wirtschafts- und sozialpolitisch.

Nicht nur der Diebstahl von Emails bei der Climate Research Unit und die Instrumentalisierung zur Verbreitung von Lügen über die Klimaforschung, sondern wohl noch mehr die Diffamierungskampagne des republikanischen Senators James Inhofe, der Wissenschaftler auf der Basis von Lügen in der britischen Presse als Kriminelle darstellt und mit einer Verfolgung der Wissenschaftler droht, hat bei einigen Wissenschaftlern die Erkenntnis wachsen lassen, daß man sich dagegen wehren müsse. Bedauerlicherweise wurde ihre Emailverkehr darüber gestohlen und wird nun erneut von der Leugnerszene als Beleg vermarktet, Wissenschaftler wollten andere Meinungen unterdrücken. Nun, wenn man bedenkt, daß es um Meinungen informierter Menschen gegen Lügen von Lobbyisten geht, wäre die Unterdrückung der Lügen sehr vernünftig. Natürlich ist es illusorisch, und wenn man die Emails kritisieren möchte, sollte man eher die darin mitschwingende Naivität kritisieren. Auf der Seite der Lobbyisten arbeiten Medienprofis, denen zum Erfolg reicht, daß die Debatte weiterläuft. Ihnen gegenüber stehen Wissenschaftler, die meistens nie gelernt haben, wie man ein komplexes Problem Laien darstellt und dabei gegen Angriffe von geübten Lügnern verteidigt. Leute wie Monckton oder Singer sollten nicht von Wissenschaftlern in Debatten gezogen werden, sondern von Medienprofis. Gegen Leugner darf man nicht mit abgewogenen Darstellungen kommen, die allen Verästelungen der Leugnervorwürfe folgen, sondern man muß sich einen schwachen Punkt in der Leugnerargumentation herausgreifen und auf dem herumreiten, bis der letzte im Publikum verstanden hat, daß die Leugner ihn versuchten, für dumm zu verkaufen. Und gegen schlechten Journalismus hilft nur konsequent Material für gute Artikel zu liefern. Die meisten Journalisten sind nicht "böse", sondern stehen nur unter Zeitdruck und sind notwendigerweise nicht kompetent zu naturwissenschaftlichen Themen.

Ein Beispiel dafür, wie man die Presse mit Material füttert, liefern einige texanische Wissenschaftler, die auf die idiotische Feststellung des Parlaments in Texas reagierten, die Feststellungen des IPCC seien ein Schwindel. Wissenschaftler wie Andrew Dressler stellen im Houston Chronicle noch mal dar, daß die Grundaussagen des IPCC fundiert sind und nicht im Zweifel stehen. Im Grunde kommt man sich vor, wie im Kindergarten, wenn Selbstverständlichkeiten immer wieder erklärt werden müssen. Seit 1979 ist jeder Bericht einer Expertenkommission zur Entwicklung des Klimas zu den gleichen Feststellungen gekommen: atmosphärisches CO2 steigt aufgrund menschengemachter Emissionen an, es gibt dadurch einen zusätzlichen Treibhauseffekt, die Verdopplung des CO2-Gehalts erhöht die globale Temperatur um etwa 3 Grad, das würde gravierende Auswirkungen auf Wettererscheinungen, Klimazonen und Ökosysteme haben und wäre potentiell gefährlich für viele Menschen, daher sollten die Emissionen der Treibhausgase in absehbarer Zeit auf Null gefahren werden. Es gab dazu keine einzige Ausnahme.

Wenn also Wissenschaftler zurückbeißen, wird das nun die Leugner in die Defensive drängen? Sicherlich nicht, denn wie schon gesagt, ist den meisten Wissenschaftlern nicht klar, wie man wissenschaftliche Themen populär macht und wie man auf Desinformationskampagnen reagiert. Insbesondere sind die Wissenschaftler chancenlos, wenn sie von Medien und Politikern nicht gedeckt, sondern teilweise angegriffen werden. Über die Naivität der Wissenschaftler läßt Andrew Revkin auf seinem Blog den Journalismusprofessor Tom Yulsman berichten, der unter anderem darauf hinweist, daß die meisten Menschen in der Wirtschaftskrise und in einem Land mit schlechter staatlicher Infrastruktur ganz andere Sorgen haben als den Klimawandel, dessen Auswirkungen man erst in der Zukunft sehen wird.

Es sollte zwar Wissenschaftlern klar werden, daß in den USA und auch anderen Staaten die Wissenschaften von einer Zweckgemeinschaft religiöser Extremisten, wirtschaftlicher Lobbygruppen und marktradikaler Parteien für die Öffentlichkeit unglaubwürdig gemacht werden sollen und es die falsche Strategie ist, sich unpolitisch zu geben und abzuwarten, bis es einen selber betrifft. Noch wichtiger ist aber, daß Politiker und Journalisten verstehen, daß es zivilisatorischer Selbstmord ist, Diffamierungskampagnen gegen Wissenschaftler geschehen zu lassen. Schon den deutschen Medien traue ich hierin nicht. Aber der eigentliche Kampf findet in den USA statt unter ungünstigsten Bildungsvoraussetzungen der Durchschnittsbürger. Kaum einer würde auf die Seite der Wissenschaft wetten...

Nachtrag vom 11.3.2010:
Joe Romm weist auf einen Nature-Artikel hin, der ebenfalls die Reaktionen auf die Hexenjagd von Senator Inhofe auf amerikanische und ausländische Wissenschaftler auf der Basis selektiver Zitate aus den gestohlenen Emails der Climate Research Unit aufgreift. Im Nature-Artikel wird gefordert, daß die Wissenschaftler lernen müßten, mit den Medien umzugehen. Sie sollten die Wissenschaft verständlich darstellen, aber auch berücksichtigen, daß sie sich in einem Straßenkrieg befänden. Die Medienreaktionen auf den Fehler bezüglich der Gletscherschmelze im Himalaya hätten nicht Wochen andauern müssen. Es waren IPCC-Wissenschaftler, die den Fehler gefunden hatten, und hätte man sofort den Fehler erklärt und korrigiert, wäre die Angelegenheit nach wenigen Tagen wieder aus der Presse verschwunden. Hier allerdings kann ich Nature nicht ganz folgen. Natürlich wäre es besser gewesen, der Fehler wäre schon 2006 bei der ersten Entdeckung behoben worden. Nachdem aber 2007 der IPCC-Bericht erschienen war, wäre der Fehler auf jeden Fall von der Leugnerszene so ausgeschlachtet worden, wie es geschehen ist. Und natürlich steht man in den Medien besser da, wenn man Fehler schnell anerkennt, sofort korrigiert und seine eigene Geschichte darstellt. Das geht aber nur dann, wenn jemand zu seinem eigenen Bereich Stellung nehmen kann. Das IPCC ist im Grunde die Koordinierungsstelle für die Arbeit hunderter unabhängiger Autoren. Niemand hat dort die zentrale Stellung, bei Entdeckung eines Fehlers an einer beliebigen Stelle im Bericht sofort kompetent darauf zu antworten. Journalisten sollten den schwarzen Peter nicht einseitig der geringen Medienkompetenz von Wissenschaftlern zuschieben. Journalisten tragen selbst Verantwortung dafür, neutral zu berichten. Leugner und Wissenschaftler auf Augenhöhe gegenüber zu stellen, ist keine Neutralität. Aber genau das wird immer wieder getan.

Sonntag, 7. März 2010

Wie man einen Wissenschaftler vorführt

In einem Interview, das am 13.2.2010 von der BBC online gestellt wurde, hatte Phil Jones die Frage, ob es seit 1995 wärmer geworden sei, korrekt damit beantwortet, daß die globale Erwärmung seitdem gerade noch nicht statistisch signifikant sei. Schon da war bekannt, daß einige Fragen des Journalisten von Leugnern des wissenschaftlichen Sachstandes übernommen worden waren. Trotzdem könnte man fragen, wie der Journalist darauf kam, ausgerechnet 1995 als Startjahr für einen Trend zu nehmen. 1995 ist nichts besonderes vorgefallen, auch statistisch hat 1995 oder ein 15-Jahreszeitraum keine auffälligen Merkmale, daß man gerade diesen Zeitraum herausgreifen müßte und die Gefahren des Rosinenpickens sind bekannt.

Diese Frage wird bei DeepClimate beantwortet. Es war Richard Lindzen, der Wissenschaftler, der als Feigenblatt der Leugnerbewegung dafür zuständig ist, den Eindruck zu erzeugen, seriöse Wissenschaftler hätten Zweifel daran, daß die Menschheit mit Treibhausgasemissionen eine globale Erwärmung erzeugen kann. Lindzen verbreitet die Theorie, daß die Klimasensitivität sehr klein sei, zu klein, als daß die globale Temperatur um mehr als 0,5 Grad steigen könnte, zu klein aber auch, damit es die letzten Eiszeiten auf der Erde gegeben haben könnte. Schon längst ist die globale Temperatur höher gestiegen, als Lindzen es Ende der achtziger Jahre für möglich gehalten hatte. Doch dies stört ihn nicht, stattdessen verbreitet er Verschwörungstheorien darüber, daß skeptische Wissenschaftler aus dem Wissenschaftsbetrieb gedrängt würden. Das ist eine freie Erfindung, für die Lindzen erwartungsgemäß nie nachprüfbare Belege liefert.

Lindzen, der genauso, wie andere Leugner, Kontakte zu Lobbyorganisationen und Thinktanks pflegt, die Leugner unterstützen und benutzen, hatte laut DeepClimate, die Parole erstmalig ausgegeben, daß die globale Erwärmung seit 1995 nicht statistisch signifikant sei. Seitdem wird dieses Jahr über den Leugnerblog Wattsupwiththat weiterverkauft, unterstützt vom Blogbetreiber Lubos Motl, dessen oft inkohärenten Auslassungen zwischen fanatisch und paranoid anmutend schwanken. Immerhin verbreitet er die Theorie, daß Sozialisten die Weltherrschaft über eine Umweltgesetzgebung anstrebten. Er ist hier nur aufgrund seiner Präsenz in der Leugnerblogosphäre erwähnenswert, denn entweder Lindzen oder Watts oder Motl gaben Anlaß für die BBC-Frage, die nur eine Antwort erlaubte. Und genau diese Antwort wurde benutzt, damit britischer Lügenjournalismus behaupten konnte, Jones sähe keine globale Erwärmung mehr. Eine Unterstellung, die inzwischen millionenfach in Blogs wiederholt wurde, im Grunde aber zuerst fabriziert vom Zirkel um Lindzen-Watts-Motl und dann publizistisch erneut vermarktet von dem gleichen Netzwerk. Man brauchte nur zu warten, bis irgendein Wissenschaftler das offensichtliche statistische Ergebnis auszusprechen, um ihm das im Munde umzudrehen.

Hier wurde ein Wissenschaftler vorgeführt und eine weitere Leugnergeschichte fabriziert.

Samstag, 6. März 2010

Methan: Blubbergas aus dem Norden macht noch keine Angst

Vor etwas über einem Monat hatte ich beruhigende Sätze über Methan verbreitet. Das Gas verstärkt den Treibhauseffekt, zeigt aber keine Tendenzen eine ernsthafte Konkurrenz für CO2 zu werden. Teilweise liegt das daran, daß Methan in den letzten zwei Jahrzehnten kaum Zuwachs in der Atmosphäre zeigte. Die Ursachen dafür sind unklar. Für die Zukunft gibt dieses Treibhausgas aber Grund zur Sorge, weil gewaltige Mengen an Methan in den Permafrostböden und in den Ozeanen gebunden sind. Tauen die Permafrostböden auf oder wird in den Ozeanen durch eine Erwärmung das als Clathrat gebundene Methan instabil, blubbert das Methan aus diesen Reservoirs. Die dort gebundenen Mengen könnten möglichweise die Methankonzentration in der Luft vervierfachen und dadurch Methan zu einem gleichwertigen Treibhausgas verglichen mit CO2 machen. Ob dies geschehen kann und wie schnell dies geschehen kann, ist unklar. Zudem wird das in den Ozeanen gebunde Methan bei einer Freisetzung zum größten Teil noch im Wasser oxidiert und würde daher gar nicht als Methan in die Atmosphäre gelangen.

In den Gewässern vor Ostsibirien sieht das anders aus. Diese Gebiete wurden im Wechsel mit der Änderung des Meeresspiegels zwischen Eiszeit und Zwischeneiszeit abwechselnd überschwemmt oder trocken gelegt. In den Eiszeiten lagen die Gebiete trocken und waren fester Permafrostboden. Derzeit liegen sie unter ca. 50 Meter Wasser vor dem Festland. Das Wasser bringt die Temperatur in den Bereich des Gefrierpunkts. Schon geringfügige Erwärmungen lassen Methan-Clathrate instabil werden und Methan nach oben blubbern. 50 Meter Wassersäule reichen aber nicht mehr, damit dieses Methan überwiegend im Wasser gelöst und dort oxidiert werden kann. Erhebliche Mengen gehen also in die Atmosphäre. Natalia Shakhova und Igor Semiletov von der University of Alaska in Fairbanks sowie A. Salyuk, V. Yusupov, D. Kosmach und Ö. Gustavsson haben kürzlich in Science (Extensive methane venting to the atmosphere from sediments of the East Siberian Arctic Shelf, Science 327, 1246-1250 (2010).) Ergebnisse von Messungen in diesen Gewässern und in der Luft darüber publiziert, mit denen Sie belegen, daß tatsächlich nennenswerte Mengen von Methan aus dem Kontinentalsockel vor Ostsibirien in die Atmosphäre gelangen. Die Messungen belegen, daß das Schelfeis vor Sibirien keine Barriere mehr für Methan darstellt. Unklar ist, ob diese Situation neu ist und durch die globale Erwärmung bewirkt wird oder ob dieses Meeresgebiet schon immer eine wichtige Methanquelle darstellte. Nach Schätzungen der Autoren kommt die Hälfte des global aus den Meeren emittierten Methans aus dem Meer vor Ostsibirien, nämlich 7 Megatonnen. Um diese 7 Megatonnen Methan einzuordnen: die gesamten Emissionen global betragen ca. 500 - 600 Megatonnen pro Jahr (mehr als die Hälfte davon aus anthropogenen Quellen). Damit trägt Methan ca. 20% des Anteils von CO2 zum zusätzlichen Treibhauseffekt bei. Über diese Methanquelle müßten wir uns also Sorgen machen, wenn sie um mehr als eine Größenordnung stärker würde. Natürlich kann das niemand ausschließen. Aber bis das der Fall ist, sollte unsere Sorge dem CO2 gelten. Es ist ja letzlich auch der Treibhauseffekt durch unser emittiertes CO2, daß dafür sorgen könnte, daß am Ende das in der Arktis gebundene Methan ausgasen könnte.

Weitere Informationen mit weiteren Literaturverweisen bietet RealClimate an.

Dienstag, 2. März 2010

Skandalreporter Kulke bei der Welt mit neuen Lügen

In einem Beitrag hatte ich mich bereits über einen polemischen Kommentar von Ulli Kulke bei der Welt aufgeregt, der Aussagen von Dr. Phil Jones, Direktor der Climate Research Unit (CRU) ins Gegenteil verdrehte und damit ihn und CRU diffamierte. Dies ist, wie schon Dr. Stefan Rahmstorf feststellte, kein Einzelfall. Kürzlich hat sich Kulke erneut zu dem Thema ausgetobt, der bei der Welt offensichtlich Narrenfreiheit bei klimabezogenen Themen hat.

Die Schmiererei unter dem Titel „Die verlorene Unschuld der Klimaforschung“ ermöglicht den Blick in ein fremdartiges Paralleluniversum, in dem vermutlich auch Schweine fliegen können. Ich greife mal ein paar Absonderlichkeiten heraus und lasse den Rest als kleine Übung für den Leser.

Über Phil Jones schreibt Kulke, er stehe „im Verdacht, Daten „getuned“ oder wenigstens unsauber verarbeitet und verschlampt zu haben.“ Kulke läßt erstmal offen, daß es um Metadaten zu einem Artikel 1990 zusammen mit Wang geht. Der Leser soll glauben, daß die Temperaturzeitreihe der CRU im Verdacht stünde, gefälscht zu sein, worauf er aber erst weiter unten eingeht. Davon kann aber keine Rede sein. Daten zu Stationsstandorten in China waren bei Wang verloren gegangen. Dazu hatte es eine Untersuchung gegeben, in deren Ergebnis Wang vom Vorwurf der Schlamperei oder der versuchten Täuschung freigesprochen wurde. Jones selbst hatte die Metadaten gar nicht und konnte sie daher auch nicht verschlampen. Außerdem ist der Verlust der Metadaten praktisch folgenlos, weil 2007 eine neue Untersuchung bestätigt hatte, daß die Verlegung einiger 1990 verwendeten Stationen das Ergebnis der Studie nicht beeinflusst hat. Das alles enthält Kulke den Lesern natürlich vor. Stattdessen setzt er zu seinem Fälschungsvorwurf hinzu: „In mehreren Interviews gestand er dies jetzt auch ein, seit Dezember ist er beurlaubt.“ Gelogen, Jones hat keineswegs das Fälschen oder Tunen von Daten eingestanden, wie könnte er das denn? Und Jones wurde nicht beurlaubt, sondern er selbst läßt sein Amt während laufender Untersuchungen ruhen. Und vermutlich kann er derzeit bei der laufenden Diffamierungskampagne, in der die britische Presse eine Lüge nach der anderen auffährt und den wiederholten Morddrohungen sowieso nicht vernünftig arbeiten, bis sich die Aufregung wieder gelegt hat. Tatsächlich gibt es derzeit keinen belegten Vorwurf gegen CRU.

Vom Rücktritt von Yvo de Boer spannt Kulke einen Bogen zu Rajendra Pachauri, dem (ehrenamtlichen) Vorsitzenden des IPCC, von dem Kulke behauptet, fast alle maßgeblichen Klimaforscher würden seinen Rücktritt fordern, weil er die Verantwortung trüge für angebliche Übertreibungen in den IPCC-Berichten, namentlich für „(…) angeblich dramatisch ansteigende Naturkatastrophen, Abschmelzen der Himalaja-Gletscher in 25 Jahren, Untergang der Niederlande, Austrocknung des Amazonaswaldes und weiter Teile Afrikas und anderem mehr.“ Diese Punkte hatte ich bereits angesprochen. Und später erneut. Und wahr ist davon nur, daß es einen Fehler bei der unterstellten Geschwindigkeit des Abschmelzens der Himalaya-Gletscher an einer Stelle im Bericht gab. Diesen Fehler hat das IPCC deutlich sichtbar im Bericht korrigiert. Der Rest sind Lügen, die von britischen Journalisten verbreitet wurden und ein fähiger Journalist hätte das inzwischen recherchiert. Kulke natürlich nicht.

Das war aber nur zum Aufwärmen – hier kann man mit einem zugedrückten Auge noch sagen, Kulke versucht seine Leser irrezuführen, wandelt aber noch so gerade auf dem Grat zwischen Irreführung und Lüge. Doch dann kommt es dicke. Er schreibt: „Die Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften, die dem Weltklimarat im Jahr 2007 den Friedensnobelpreis verliehen hatte, kritisiert inzwischen öffentlich seinen Laureaten IPCC.“ Man kann noch mit Inkompetenz entschuldigen, daß Kulke hier nicht weiß, daß der Friedensnobelpreis von einem Komitee des norwegischen Parlaments vergeben wird. Die Schwedische Akademie hat damit nichts tun. Sie hat auch nicht das IPCC kritisiert. Für diese Behauptung bemüht Kulke erst einen aus dem Zusammenhang gerissenen Satz einer Meinungsäußerung des Akademiepräsidenten und dann einen Bericht der Akademie vom 22. September 2009. Und hier ist die Lüge, die beabsichtigte Falschaussage. In dem Bericht steht das genaue Gegenteil von dem drin, was Kulke unterstellt. Den Bericht kann man hier einsehen.

Kulke: „Bemerkenswert ist, dass die Akademie bereits im September 2009 auf Distanz gegangen war.“ Lüge, der Akademie-Bericht bezieht sich sogar mehrfach auch auf den IPCC-Bericht.

„Noch bevor die gehackten Emails manche Ungereimtheiten aus der Forschung von Phil Jones und seiner Kollegen ans Licht brachten(…)“ Falsch, aus den Emails ergab sich keine einzige „Ungereimtheit“ der Forschung am CRU.

„In einem eigenen Papier zur Erderwärmung bemerkte damals schon die schwedische Akademie, dass erst noch untersucht werden müsse, inwieweit menschliche oder natürliche Ursachen auf die Klimaentwicklung einwirkten,(…)“ Lüge, das steht keineswegs in dem Bericht. In dem Punkt 3 werden Klimavariationen der letzten 12000 Jahre angesprochen, im Punkt 8 zusätzliche Einflüsse neben den menschengemachten. Aber in Punkt 10 steht unmissverständlich „However, based on detailed theoretical and modelling studies, IPCC concludes that the observed warming of the climate from around 1970 is in broad agreement with the increase of greenhouse gases and aerosols and consequently considers this to be the most probable main cause of the present global warming.”

“Zwischen den „sogenannten“ Treibhausgasen und dem Klimawandel gebe es „keinen einfachen direkten (räumlichen oder zeitlichen) Zusammenhang“.“ Lüge durch Irreführung. Der Bericht nimmt es als Tatsache, daß Treibhausgase zu einer globalen Erwärmung führen, von „sogenannten“ kann da keine Rede sein. Die zitierte Formulierung stammt aus dem Punkt 11 und bezieht sich dort darauf, daß der Erwärmungseffekt der Treibhausgase und der Abkühlungseffekt bestimmter Aerosole sich teilweise gegenseitig kompensieren. Vor dem zitierten Halbsatz steht „The relation between the change in climate and changes in greenhouse gases and aerosols is complex,(…)” und damit wird direkt klar, daß hier die Komplexität des Zusammenhangs angesprochen wird, nicht aber, wie Kulke die Leser glauben machen will, daß der Zusammenhang zwischen Treibhausgasen und Klimawandel in Frage stünde.

Einfach nur boshaft ist „Von einer offiziellen Aufforderung, den Preis zurückzugeben, ist bislang nichts bekannt.“ Wieso auch? Es gibt überhaupt keinen Ablauf zur Rückgabe von Nobelpreisen und auch niemanden in Norwegen, der auch nur auf die Idee kommen könnte, das IPCC hätte den Preis zurückzugeben. Das ist eine rhetorische Figur der politischen Polemik. Man formuliert eine Diffamierung mit dem Hinweis, dies sei bislang nicht erwiesen. Dadurch kann man nicht mit einer Verleumdungsklage belangt werden, hat aber trotzdem die Diffamierung in die Welt gesetzt. Die Zuhörer ergänzen dann für sich, daß „bislang“ bedeutet, daß sich das jederzeit ändern kann und Beweise für die Unterstellung auftauchen werden. Im Kontext der zuvor geäußerten Lügen wird auch das eine Lüge: dem Leser wird suggeriert, die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften habe die Absicht, den (von ihr nicht verliehenen) Nobelpreis vom IPCC (obwohl die Akademie mit einem Bericht im September 2009 die Feststellungen des IPCC bekräftigt) zurückzufordern, die offizielle Aufforderung dazu sei aber, aus welchen Gründen auch immer, bislang nicht bekannt.

Für den von den Niederlanden dem IPCC falsch gemeldeten Anteil des Landes unter dem Meeresspiegel kann man bei RealClimate nachschauen, um Kulkes Rhetorik reichtig zu bewerten. So richtig dreckig wird es erst danach.

Kulke: „Aus der Klimawissenschaft mehren sich indes in den letzten Wochen auch Zweifel, ob bei den terrestrischen Temperaturmessungen selbst überhaupt alles mit rechten Dingen zuging.“ Eine freie Erfindung, es sei denn, man nimmt Blogbeiträge von antiwissenschaftlichen Leugnern als „die Klimawissenschaft“. Worauf gründet sich diese Unterstellung? Kulke schreibt: „Ob etwa aufgrund der Reduktion der weltweiten Messstationen um drei Viertel während der letzten Jahrzehnte – von etwa 6000 auf 1500 in – Zug um Zug in wärmeren Regionen gemessen wird.“ Falsch, und das zeigt sich sogar in fünf Punkten. Es gibt keine Reduktion der Messstationen, sondern es gibt Meßnetze, die innerhalb von Tagen ihre Temperaturmessungen anderen Wetterdiensten und der WMO und eben auch CRU die Daten zugänglich machen und andere, bei denen es Wochen, Monate oder gar Jahre dauert. Es ist also nicht die Zahl der Meßstationen zurückgegangen, sondern die Zahl der Stationen, für die bereits Daten vorliegen, nimmt naturgemäß ab, sobald wir uns auf die Gegenwart zu bewegen. In einigen Jahren wird also die Zahl der zwischen 2000 und 2010 meldenden Stationen dramatisch zugenommen haben. Falsch ist auch, daß die verbleibenden Stationen selektiv in wärmeren Regionen messen würden. Das ist eine freie Erfindung Kulkes. Außerdem korrelieren Temperaturanomalien über so große Strecken, daß das Stationsnetz für Zwecke der Klimabeobachtung mehrfach überbelegt ist. Verschiedene Arbeiten zeigen dies und daß man auch bei einer Ausdünnung der Messnetze zu den gleichen globalen und sogar regionalen Temperaturtrends kommt (siehe unten und auch bei Menne et al.). Weiterhin sind 70% der Erdoberfläche Meere, die von einer geringeren Zahl meldender Stationen gar nicht betroffen sind. Und selbst die Satellitendaten zeigen keineswegs, daß es systematische Abweichungen der Art gibt, die Kulke sich da ausdenkt. Alles zusammen also Stuß, den uns Kulke da verkaufen will. Da macht er aber nicht halt.

Kulke schreibt weiter: „Oder ob bei der – notwendigen – statistischen Aufbereitung Fehler unterlaufen seien, versehentlich. Oder absichtlich?“ Letzteres wäre eine Unterstellung eines Betruges. Das sollte sich Kulke noch mal überlegen, ob er das will, denn wegen übler Nachrede kann man verklagt werden, vor allem, wenn man das so völlig frei aller Belege dafür macht. Noch nicht mal seine angeblichen Fehler in der statistischen Aufbereitung kann Kulke belegen. Welche sollen denn das sein? Da müssten sämtliche globalen Temperaturzeitreihen, egal aus welcher Quelle, alle konsistent die gleichen Fehler enthalten, denn die Zeitreihen sind hochgradig korreliert und die bestehenden Abweichungen sind bekannt. Zum Beispiel unterschätzt die globale Zeitreihe von CRU, HadCruT den aktuellen Temperaturanstieg etwas, weil die Datenlücke in der Arktis nicht durch extrapolierte Werte von benachbarten Stationen gefüllt wird, wie das bei NASAs GISStemp und der Zeitreihe NCDC der NOAA geschieht.

Keineswegs mehren sich aus der Klimawissenschaft die von Kulke unterstellten Zweifel – es sind die bekannten Leugner in ihren Blogs, die olle Kamellen auftischen. Kulke führt nämlich den zum Meteorologen geadelten Wetterreporter Joseph d’Aleo an, der in seinem Blog ohne jeden Beleg behauptete „die Temperaturerwärmung gegen Ende des 20. Jahrhunderts sei weltweit allein der willkürlichen Auswahl von Messtationen geschuldet.“ Tamino beweist in seinem Blog das Gegenteil, indem er tut, was d’Aleo selbstverständlich vermeidet: er rechnet nach! Und ist damit nicht allein.

Also: Kulke beruft sich auf einen Bericht, in dem das Gegenteil von dem steht, was er unterstellt, er diffamiert Klimaforscher, indem er den Eindruck vermittelt, sie würden Daten fälschen oder verschlampen, obwohl er dafür keine Belege hat, er übernimmt ungeprüft Behauptungen aus Blogs oder von einzelnen britischen Journalisten (Rose und Leake), die bereits als Lügen widerlegt wurden, und macht aus dem ganzen eine antiwissenschaftliche Polemik, in der Kernfeststellungen der Klimaforschung geleugnet werden. Kulke ist als Journalist untragbar, denn es geht um mehr als Inkompetenz, es geht um Lügen, die die Zeitung „Die Welt“ auf das schwerste kompromittieren. Es ist ein Skandal!

Samstag, 27. Februar 2010

Viele Leute schulden viele Entschuldigungen

Und schon wieder geht es um den Diebstahl von Emails der Climate Research Unit (CRU) der University of East Anglia. Dieser Diebstahl ist von Leugnern den Medien verkauft worden als die Aufdeckung der Verschwörung von Klimaforschern. Nach und nach stellte sich jede Anschuldigung als falsch heraus. Das richtige Wort ist, und hier sollten Journalisten gut zuhören, die Anschuldigungen waren erlogen. Es war gelogen, daß bei CRU ein Täuschungsmanöver bei den Temperaturrekonstruktionen erfolgte. Daß Baumringdaten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine abnehmende Korrelation mit den Temperaturen zeigen, ist immer offen angesprochen worden, ist bekannt und wird in der Fachwelt diskutiert, hat aber keine Bedeutung für die Gültigkeit der Temperaturrekonstruktionen. Insbesondere wissen wir, daß die globalen Temperaturen ansteigen, und kein vernünftiger Mensch würde auf die Idee kommen, daß die veränderte Korrelation der Baumringdichte mit der Temperatur etwa bedeutet, daß es derzeit global kühler würde. Wir wissen auch, daß keineswegs unangenehme Publikationen aus dem IPCC-Bericht herausgehalten wurde, obwohl der Wunsch dazu in einer Email ausgedrückt wurde, denn die Publikation z.B. von McKitrick und Michaels, 2004, steht nachweislich im 4. IPCC-Bericht. Auch Behauptungen dazu, es sei Einfluß auf das Peer Review-Verfahren bei bekannt mangelhaften Artikeln von Douglass et al. genommen worden bzw. verhindert worden, daß sie Stellung zu einem Artikel, der ihnen widerspricht, hätten nehmen können, sind nachweislich falsch. Hintergründe dazu findet man in epischer Breite bei RealClimate. Wichtig ist aber, daß die Darstellung dort nachvollziehbar ist. Man kann in den IPCC-Bericht hineinschauen und sich von den Referenzen dort überzeugen und man kann auch seinen Verstand benutzen. Wenn ein Artikel erscheint, kann man immer dazu Stellung nehmen.

Es hat auch Untersuchungen gegeben, die zum Beispiel bei Michael Mann zur Feststellung führten, daß keiner der Vorwürfe gegen ihn zutrifft. Und auch bei Phil Jones treffen Behauptungen nachweislich nicht zu, eine Arbeit von 1990 zusammen mit Wang sei fehlerhaft und es wäre versucht worden, das zu vertuschen. Auch hier gibt es dazu eine Antwort der Universität, die Fakten solcher Art liefert, die man selbst nachprüfen kann.

Schon hier sind wir an einem Punkt, daß nicht nur die gesamte britische Presse und Teile der amerikanischen Presse und auch einige deutsche Journalisten deutliche Korrekturen ihrer Berichte schreiben müßten. George Monbiot, sonst eigentlich eher bekannt als ein Verteidiger der Klimaforschung, war hier völlig umgeknickt und hatte tatsächlich den Rücktritt von Phil Jones gefordert, weil er angeblich Fehler bei dem Artikel mit Wang 1990 versucht hätte zu vertuschen. Fehler wie gesagt, die so gar nicht bestanden.

Ein Makel bestand aber. Jones hatte in Emails seine Frustration über McIntyre ausgedrückt, der in das Netzwerk der Leugner eingebunden ist, die von Lobby-Gruppen gesteuert werden, die Verbindungen zu Energieunternehmen und zu den Republikanern in den USA haben, darunter das Heartland-Institut, das George C. Marshall-Institut oder das Competitive Enterprise Institute. Das sind Lobbygruppen, von denen bekannt ist, daß sie Lügen verbreiten, daß sie dies auch schon im Interesse der Tabakindustrie getan hatten, um die Gefahren des Passivrauchens zu leugnen, und daß sie dabei die Strategie verfolgen, nicht gegen die Fakten anzugehen, weil dies aussichtslos ist, sondern die Personen anzugreifen, die die Fakten erarbeiten. McIntyre ist bekannt dafür, daß er permanent versucht, Belege zu fabrizieren, daß seriöse Klimaforschung fehlerhaft ist, um Zweifel an den Kernfeststellungen der Klimaforschung zu schüren. Daher ist jedem Wissenschaftler klar, daß er kein Interesse daran haben kann, Anfragen von McIntyre nach Daten nachzugeben, da er nur auf Sabotage ausgerichtet ist und zudem in seinen Anfragen versucht, möglichst viel Arbeit für die Wissenschaftler zu erzeugen und auch Daten nachfragt, die er bereits hat oder die er leicht aus anderen Quellen erhalten oder selbst erstellen könnte. Als also bevorstand, daß McIntyre nach dem Freedom of Information (FOI) Gesetz Daten und Emails abfragen könnte, schrieb Jones voll Frustration in einer Email, daß er lieber Emails löschen würde, als sie McIntyre auszuhändigen und fragte Kollegen, ob sie Emails löschen würden. Wie sich aber herausstellte, ist diesen Emails keine Maßnahme gefolgt. Es sind keine Emails gelöscht worden. Das Untersuchungsergebnis bei Michael Mann war, wie schon geschrieben, ein klarer Freispruch. Bei Jones aber wurde gestreut und von Journalisten nachlässig ungeprüft verbreitet, daß eine Untersuchung des Information Commissioner's Office (ICO) ergeben hätte, daß gegen das FOI-Gesetz verstoßen worden sei, dieser Verstoß aber durch eine 6-Monats-Frist verjährt sei. Gelogen, hier von der Sunday Times!

Das ICO erlaubte daher der University of East Anglia mit zuteilen, daß ICO keinen Verstoß bei FOI-Anfragen festgestellt hat. Es gibt eine laufende Untersuchung durch eine unabhängige Kommission unter Sir Muir Russel, aber niemand sollte seinen Atem anhalten, daß diese zu anderen Ergebnissen kommt als der Standardaussage, daß man irgendwo immer etwas noch besser machen kann.

Also, Zusammenfassung: in 1000 gestohlenen Emails von CRU ließ sich nicht feststellen, daß es irgendeine Verschwörung gab, daß irgendwelche Daten verfälscht worden wären, daß in irgendeiner Weise falsch gehandelt worden wäre. Alles, was irgendwie verdächtig aussah, ließ sich aufklären und wirkte nur so, weil es aus dem Zusammenhang gerissen worden war. Es gibt nur einen Skandal. Und das ist, daß Journalisten unkritisch fabrizierte Verdächtigungen verbreitet hatten. Ich denke, daß eine ganze Reihe Journalisten Entschuldigungen aussprechen sollten. Zum Beispiel Monbiot mit seiner Rücktrittsforderung gegen Jones. Aber auch andere Personen stehen zunehmend als böse Buben da. Auch Hans von Storch, der Phil Jones heftig verurteilt hatte, sollte Konsequenzen ziehen.

Donnerstag, 25. Februar 2010

Nachtrag:...oder Wissenschaftler einsperren und mundtot machen

In meinem vorherigen Beitrag hatte ich darauf hingewiesen, daß in den USA Parlamente und Abgeordnete versuchen, per Abstimmung festzulegen, wie die Realität auszusehen habe, während bestimmte Unternehmen insbesondere der Kohle- und Ölförderung das gleiche über Zuwendungen zu Lobbygruppen versuchen. Diese Aktivitäten sind in einem Netzwerk eingebunden, in dem man sich bei Bedarf seine Alliierten zusammensucht und in dem verschiedene Blogs eingebunden sind. Unter anderem hatte ich dabei auf den "Bericht" der republikanischen Minderheit im amerikanischen Senat hingewiesen, unter der Leitung von Senator Inhofe, der gerne mit dem Instrument der Diffamierung und Lüge arbeitet, um den menschengemachten Klimawandel zu leugnen. In dem "Bericht" werden nicht nur zahlreiche absurde Behauptungen erhoben, mit denen man Wissenschaftlern Fälschung von Daten unterstellen will, sondern diese Wissenschaftler sollen auch kriminalisiert werden. Mir war beim flüchtigen Lesen des "Berichts" entgangen, daß hier den Wissenschaftlern ganz konkret Gesetzesverstöße vorgeworfen werden.

"The scientists involved in the CRU controversy violated fundamental ethical principles governing taxpayer-funded research and, in some cases, may have violated federal laws."
Hier wird Inhofe wohl auch Untersuchungen verlangen, was vor allem kritisch wird, wenn die Republikaner in den nächsten Wahlen wieder die Mehrheit im Senat erringen sollten. Das erinnert zunehmend an die Situation in den 50er Jahren, als ein Untersuchungsausschuß im Senat unter Leitung von JosephMcCarthy tatsächliche oder vermeintliche Kommunisten verfolgte und unter anderem eine schwarze Liste von linken Drehbuchautoren erstellt wurde, die die Karrieren der Verdächtigten Personen beendeten.

Inhofe strebt also an, Wissenschaftler mit erfundenen Anschuldigungen mundtot zu machen, darunter viele Personen, die zu den Besten in ihrem Fach gehören, Namen wie Susan Solomon, Michael Mann, Phil Jones, James Hansen oder Kevin Trenberth stehen auf der, man kann es ruhig schon so nennen, schwarzen Liste. Nicht nur die Tatsache an sich, sondern auch, wie sehr dies an den Medien vorbeigeht, die andererseits kritiklos die Lügen britischer Journalisten wie Leake verbreiteten, macht fassungslos. Hintergrund dazu gibt Climate Science Watch.

Solche Vorgänge sind ernstzunehmen, obwohl sie in erster Linie auf Fabrikationen und widerlegten Anschuldigungen aufbauen, wie Clive Hamilton bei der Australian Broadcasting Corporation im vierten Teil seiner Artikelreihe zu den Hintergründen der Angriffe auf Wissenschaftler darlegt.

Dieses Schema "wir können an den Tatsachen nichts ändern, aber wir können die Wissenschaftler angreifen, die sie feststellen" findet man immer wieder. Danach gehen nicht nur Lobbygruppen vor und bestimmte Kreise der Republikaner in den USA, man findet das auch dort wieder, wo man es nicht erwartet. Auch Hans von Storch versucht nämlich, Kollegen erst zu diffamieren, um sie dann aus dem IPCC als Autoren herauszukicken. Das kulminiert in:

Die Beteiligten haben allerdings ein Kartell gebildet, zu dem auch maßgeblich die Autoren der Kopenhagen-Diagnose zählen - etwa Michael Mann oder Stefan Rahmstorf. Ein Kartell, um die eigenen Ansichten gegen andere durchzusetzen. (...) Entsprechende Forscher sollten aus diesen Gremien zurücktreten und nicht mehr über andere Arbeiten urteilen.
Das macht deutlich, worum es von Storch vielleicht gehen könnte, wenn er Kollegen diffamiert und sich selbst als "ehrlicher Makler", als Mann zwischen angeblichen "Alarmisten" und selbsternannten "Skeptikern" beweihräuchert: wenn man die besten Kollegen wegmobbt, wird Platz für die eigene mittelmäßige Forschung gemacht. Man kann Positionen beim IPCC besetzen, man kommt in das Expertengremium der Bundesregierung...das ist, wohlgemerkt, nur eine Unterstellung, eine Motivsuche - wer kann schon in das Gehirn eines anderen Menschen blicken? Wenn man jedenfalls die Antwort von Stefan Rahmstorf dazu liest, wird man schnell einen Unterschied merken: bei von Storch liest man vor allem Unterstellungen, zu denen man vergeblich nach Belegen sucht. Manches wird bewußt nur angedeutet und dann vage gelassen. In der Antwort von Rahmstorf hingegen werden die Gegendarstellungen nachvollziehbar belegt und sind sehr spezifisch. Wenn man sich gegen Unterstellungen wehren will, braucht man vor allem ein Publikum mit gutem Gedächtnis und dem Willen, für alle Behauptungen auch die Belege zu fordern und selbst zu suchen. Lobbyisten, Leugner und "ehrliche Makler" rechnen damit, daß es genau daran fehlt. Sie könnten kurzfristig recht behalten.

PS.: In einem langen Beitrag bei RealClimate beschreibt Ben Santer unter anderem die persönlichen Angriffe von McIntyre und die von ihm betriebene Treibjagd (unterer Teil). Die finanziellen Verbindungen zwischen McIntyre und verschiedenen Think Tanks, die wiederum zum Teil von Energiefirmen finanziert werden, werden bei DeepClimate erhellt.

Mittwoch, 24. Februar 2010

Fakten demokratisch ändern oder die Realität kaufen?

Vermutlich hat jeder schon mal davon gehört, daß ein Landesparlament der USA versucht hat, die Zahl Pi gleich 3,2 zu definieren. Eigentlich ging es um eine andere Entscheidung, aber das Repräsentantenhaus in Indiana hatte tatsächlich die Ergebnisse eines Hobby-Mathematikers zum Gesetz erheben lassen wollen, um das exklusive Nutzungsrecht der "Entdeckung" zur Quadrierung des Kreises zu erhalten. Und diese "Entdeckung" enthielt unter anderem auch widersprüchliche und falsche Werte für Pi. Damals allerdings konnte ein herbeigerufener Mathematiker noch verhindern, daß diese Entscheidung im Senat bestätigt wurde.

Dieses Jahr hingegen zeigten sich die Parlamente gleich in drei amerikanischen Staaten weniger einsichtsvoll und definierten mit demokratischen Mehrheitsbeschlüssen die Klimaforschung um. Klimawandel und die IPCC-Ergebnisse seien ein Schwindel, daher erheben sie Einspruch gegen die Feststellung der amerikanischen Umweltbehörde EPA, daß CO2 als Luftschadstoff zu behandeln sei. So hinterwälderisch geht es in Virginia und Texas zu.

Die Petition von Texas behauptet, daß die gehackten Emails der Climate Research Unit belegten, daß dieses Institut voreingenommen sei und bereit sei, Daten zu manipulieren. Die Temperaturdaten dort, wie auch bei NOAA würden durch Modellrechnungen manipuliert. Da außerdem Phil Jones im IPCC-Report 39mal zitiert würde, seien die IPCC-Berichte dadurch, durch gefälschte globale Temperaturzeitreihen und durch weitere Fehler diskreditiert. Da sich die EPA-Feststellung, daß CO2 ein Luftschadstoff sei, dessen Emissionen reguliert werden müßten, auf die IPCC-Berichte stützten, würde dies aufgrund der gehackten Emails und des Fehlers bei den Gletschern und weitere Fehler, die man aus irgendeinem Grund nicht spezifizieren könne, angefochten. Unter anderem stützt sich die Texas-Petition, die am 17.2.2010 angenommen wurde, auf Artikeln von Jonathan Leake, dessen Serie von Lügen vor allem bei Deltoid dokumentiert sind. Viele der Unterstellungen in der Petition sind bereits widerlegt und was bleibt, ist völlig irrelevant für die Weisungen der amerikanischen Umweltbehörde. Ähnlich sieht die Petition aus Virginia aus. In beiden Fällen fragte Eli Rabett: Ist das alles, was sie vorbringen können?

Der Blog Frischer Wind befaßte sich bereits mit dem Beschluß des Parlaments von Utah, das unter anderem mit überwältigender Mehrheit die globalen Temperaturdaten als manipuliert feststellte.

Warum machen die das? Es ist wohl nicht überraschend, daß die Argumente in allen drei Petitionen bzw. Beschlüssen der Staatenparlamente auf den Lügen basieren, die von den Lobby-Institutionen wie dem Heartland-Institut unterstützt und koordiniert werden, die von Leugnerblogs immer neu rezykliert werden und letztlich den Interessen einiger Industrieunternehmen etwa der Kohle- und Ölförderung entsprechen. Eine schmierige Ölspur verbindet den Emaildiebstahl bei der Climate Research Unit, das Verbreiten von Lügen in den Medien vor und nach der Kopenhagenkonferenz, die seltsame Häufung unterstellter Fehler in den IPCC-Berichten und schließlich die Beschlüsse in Texas, Utah und Virginia sowie die Vorstellung eines Berichtes der Republikaner im amerikanischen Senat unter dem berüchtigten Senator James Inhofe, den größten Verbreiter von Lügen zum Klimawandel in der amerikanischen Politik. Der Bericht stellt, natürlich, dann auch fest, daß der Klimawandel, die IPCC-Berichte und die globalen Temperaturmessungen nur ein Schwindel wären, weil...man kann die dauernde Wiederholung des immer gleichen Unsinns nicht mehr hören.

Passend dazu arbeitet ein Bericht des Reporters Clive Hamilton der Australian Broadcasting Corporation die Zusammenhänge zwischen Lobby-Geldern bestimmter Unternehmen, Think Tanks, Leugner-Blogs und bestimmten politischen Gruppen heraus, die dann zu der Strategie führen, Wissenschaftler zu diffamieren, um unangenehme Ergebnisse der Wissenschaft für die Öffentlichkeit zu diskreditieren. Diesen Link empfehle ich besonders, um sich zu informieren, wie mit subversiven Taktiken, mit Einbrüchen in Instituten und der Netzwerkbildung in Leugnerkreisen versucht wird, die Öffentlichkeit zu täuschen. Das geht über das hinaus, was ich dazu erwähnt hatte.

Dienstag, 23. Februar 2010

Und wenn man das Leugnen leugnet?

Als ich mit diesem Blog anfing, dachte ich zunächst, daß ich die Leugner und ihre Blogs einfach ignorieren sollte. Die Fakten sollten für sich sprechen, der Ansatz sollte positiv sein. Doch je länger ich mich mit dem Thema des globalen Klimawandels beschäftige, desto deutlicher wird, daß ich nicht umhinkomme, die Leugner als Teil des Problems zu verstehen. Wie in der Öffentlichkeit der Stand der Wissenschaft wahrgenommen wird, basiert ja nicht auf den publizierten Fachartikeln, sondern der Geschichte, die die Medien erzählen. Und diese Geschichte wird von Lobbyarbeit extrem stark geformt. Es sind Milliarden nötig, um Klimaforschung zu betreiben, um Meßnetze zu betreiben oder Satelliten zu entwickeln und in eine Erdumlaufbahn zu bringen. Aber nur einige 100.000 Euro, um einen sogenannten Think Tank zu finanzieren, der dann fabrizierte Meinungen in der Öffentlichkeit implantiert. Ich hatte daher einiges dazu zu sagen, wie in den Medien eine verfälschende Darstellung des IPCC und der Klimaforschung entsteht und um sich greift und wie korrekte Äußerungen von Phil Jones ins Gegenteil verdreht werden. Der Zeittakt der Medien und der Blogs ist zudem viel zu schnell für die üblichen Abläufe zur Ergebnissuche in den Naturwissenschaften. Im Blog The Benshi wird mit einer Zeitachse zu dem Hacking der Emails der Climate Research Unit und den Medienreaktionen gezeigt, wie schnell die betroffenen Wissenschaftler sich dazu hätten melden müssen. Alle Erklärungen, die in den letzten 2 Monaten gegeben wurden, kamen zu spät.

Die Angriffe der Leugner nehmen, wie ich dargelegt hatte, die Form von Sabotage an. Es ist klar, daß hier kein gepflegter Austausch von Argumenten stattfindet. Wie auch? Die Fakten können in der Fachliteratur diskutiert werden. Wer sich vornehmlich in Presse und Blogs äußert und die Meinungsäußerungen in Emails oder einzelne Fehler in IPCC-Berichten für relevanter hält als die Kernergebnisse der Forschung, wer auf Personen zielt statt auf die Argumente, der will offensichtlich nicht diskutieren. Das Ausmaß, in dem Forscher persönlich angegriffen werden und die Angriffe von bestimmten Kreisen gesteuert werden, zeigt derzeit am Beispiel Australiens Clive Hamilton von der Australian Broadcasting Corporation in einer Artikelserie auf.

Rabett Run hat einige Links und weitere Links zum Thema der Falschdarstellungen durch Leugner gesammelt, die man mal in Ruhe durchgehen sollte. Darunter noch eine weitere Darstellung zu McIntyres destruktiver Rolle, die sich kurz zusammenfassen läßt damit, daß jener das Korinthenkacken (Nitpicking), das pedantische Rumreiten auf (oft scheinbaren) Detailfehlern betreibt, ohne je an den wesentlichen wissenschaftlichen Ergebnissen etwas zu ändern.

Wenn man dann in Diskussionsforen mit Personen zu tun bekommt, die den wissenschaftlichen Sachstand leugnen, erlebt man gelegentlich, daß diese nicht nur hier leugnen, sondern zugleich auch das oben geschilderte abstreiten. Sabotage? Das sei nur eine Verschwörungstheorie. Nun, ich bin jemand, der empfindlich auf Verschwörungstheorien reagiert. Verschwörungstheorien zeichnet der Mangel an nachprüfbaren Fakten und eine Neigung zur Selbstimmunisierung aus - Verschwörungstheorien leben davon, so abgefaßt zu sein, daß sie nicht falsifizierbar sind. Im Falle von Leugnern wie McIntyre fiele aber der Sabotagevorwurf in sich zusammen, wenn man beispielsweise keine Belege beibringen könnte, worin die Sabotage bestand, wie sie durchgeführt wurde und welche Ergebnisse sie hatte. Genau das kann man aber bei den 40 FOI-Anfragen mit dem Musterformular bei McIntyres Blog zeigen. Die Existenz der ThinkTanks, die Desinformation zum Klimawandel betreiben, ist nachprüfbar, ihre Finanzierung teilweise durch Konzerne mit Interessen zu CO2-Emissionen sind auch nachprüfbar und die Vernetzung von Personen, die als Leugner bekannt sind, ist auch nicht geheim. Aber nicht nur die Tatsache der persönlichen Angriffe und der Sabotage wird geleugnet, sondern sogar das Leugnen. Hier wird die Strategie, Verzeihung, besonders hinterfotzig. Ein Beispiel ist folgende Ausschnitt aus einer Antwort in einer Diskussion:

Allein der Begriff Leugner ist ja nun der Schwachsinn per se, niemand leugnet einen Wandel des Klimas. Was der Zimmermann da unterstellt ist ja Verschwörungstheorie reinsten Wassers.
Was machen denn da wohl all die Menschen, die unter dem Thema Leugner bei mir diskutiert wurden? Zunächst mal wird da eine kleine Ablenkung gefahren. "Leugner" bezieht sich auf das Leugnen gefestigter wissenschaftlicher Feststellungen, wie zum Beispiel den Treibhauseffekt (Gerlich, Tscheuschner), des menschlichen Einflusses auf den CO2-Gehalt der Atmosphäre (Beck), die gemessene globale Erwärmung (Watts, Pielke sr., Pat Michaels, McKitrick), den Konsens zur Klimasensitivität (Lindzen) und daß die Sonne oder galaktische kosmische Strahlung als Verursacher der Temperatursteigerung der letzten Jahrzehnte ausgeschlossen werden kann (Svensmark), geschweige denn viele (weitere) Blogger zu dem Thema und die Menschen, die die Diskussionsforen bei Spiegel, FAZ oder Welt bevölkern, weil ihnen sonst nirgendwo jemand zuhören würde. Leugner gibt es, aber es ist klar, daß die es gar nicht mögen, als solche bezeichnet zu werden.

Und Steigerungen sind auch hier noch möglich. Zum Beispiel "geistig nicht gesund". Was wäre denn die Diagnose, wenn man mal die Schilderung des Herrn Monckton durchgeht? Oder was ist von diesem Beitrag zu halten, in dem nicht nur untersucht wird, wie ein Journalist (Akerman) einem früheren IPCC-Vorsitzenden (Sir Houghton) ein Zitat unterschob, das nie geäußert wurde, sondern auch noch, wie ein gewisser Lubos Motl seine Version des ganzen bloggte, die er damit übertitelte, Houghton sei ein Lügner, aus Gründen, die kein gesunder Mensch nachvollziehen kann. Auch bei Motl stellt sich nach Durchsicht seiner Beiträge die Frage nach seiner geistigen Gesundheit. Wie Monckton sieht auch Motl eine sozialistische (oder faschistische, wieso da einen Unterschied machen?) Verschwörung, über das IPCC die Weltherrschaft zu erringen, wofür man nur alle wissenschaftlichen Publikation eines Jahrhunderts zu steuern brauchte und...äh...keine Ahnung, wie das dann funktionieren soll. Vielleicht findet sich jemand, der unter Schizophrenie leidet und erzählen kann, wie dann daraus die Weltherrschaft resultiert.

Ich bedauere: Leugner gibt es, sie behaupten sehr viel, auch viel, das sich widerspricht, was für Leugner kein Problem zu sein scheint, und sie behaupten es aus sehr unterschiedlichen Motiven politischer, wirtschaftlicher, religiöser oder persönlicher Natur. Und leider schaffe ich es nicht, sie zu ignorieren, denn sie sind das eigentliche Problem, der Grund, warum der Klimawandel auf absehbare Zeit nicht aufzuhalten ist.

Sonntag, 21. Februar 2010

Statistik - ein wenig Wissen ist ein gefährlich Ding

Auf Taminos Blog gibt es gerade einen sehr interessanten Beitrag, der die Gefahren des Auswählens von Abschnitten aus einer Datenreihe deutlich macht. Üblicherweise kann ich die Signifikanz eines Trends, den ich aus einer Zeitreihe bestimme, berechnen. Dabei mache ich einen Hypothesentest, ob der Trendparameter gleich Null sein könnte. Die Differenz zweier normalverteilter statistischer Größen folgt einer t-Statistik. Mit dem t-Test kann ich also untersuchen, ob der gefundene Trendparameter mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gleich Null sein könnte. Übersteigt das Ergebnis des t-Tests einen gewissen Wert, der von der Zahl der Freiheitsgrade (Zahl der unabhängigen Werte) abhängig ist, wird die Hypothese zurückgewiesen, daß der Trendparameter mit der zugehörigen Wahrscheinlichkeit gleich Null sein könnte.

Das ganze setzt voraus, daß der Trendparameter tatsächlich aus einer Normalverteilung stammt. Wähle ich mir nun Daten aus einer Grundgesamtheit aus, indem ich zusätzliche Bedingungen stelle, sind meine Trendparameter aber nicht länger normalverteilt. Ich muß meinen t-Test entsprechend anpassen oder mit einer anderen Statistik arbeiten. In der Realität kann das folgendermaßen aussehen.

Ich habe eine Zeitreihe und stelle fest, daß ich für einen Teil der Daten einen Trend berechnen kann. Hätte ich für alle Daten den Trend berechnet, hätte ich ihn aus einer zufälligen Verteilung entnommen. Ich könnte mir zum Beispiel vorstellen, daß es 1000 Erden gibt. Das Klima auf jeder Erde ist gleich. Aber die Reihenfolge von Wetterereignissen ist auf jeder dieser Erden zufällig anders. Auf jeder dieser Erden kann in einer trendlosen Zeitreihe zufällig eine Folge von Jahren kommen, die zufällig einen scheinbaren Trend zeigen. Mein t-Test schließt ja nicht aus, daß ein signifikanter Trend doch nicht signifikant ist. Es ist nur extrem unwahrscheinlich. Schaue ich mir alle meine 1000 Erden an, sehe ich, daß mein scheinbarer Trend für diesen Zeitabschnitt nur auf einer Erde auftritt und auf allen anderen nicht. Ich kann die Wahrscheinlichkeit dafür erhöhen, daß ich einen Scheintrend sehe, wenn ich meine Zeitreihe an einem ausgezeichneten Punkt, zum Beispiel einem Maximum oder Minimum beginnen lasse. Wenn ich also eine Auswahl vornehme, stimmen die Kriterien nicht mehr, um einen normalen Signifikanztest anzuwenden.

Diese 1000 Erden simuliert Tamino, um dann den wahren Vergleichswert für einen t-Test zu bestimmen, wenn man sich den Zeitraum seiner Zeitreihe auswählt. Das heißt andererseits natürlich, selbst wenn ich einen Trend über einen solchen Hypothesentest als signifikant bestimme, gibt es eine endliche Wahrscheinlichkeit, daß er trotzdem nicht signifikant ist, sondern zufällig. Bei statistischen Aussagen muß ich also mit Verständnis dafür umgehen, was dahintersteckt.

Buchbesprechung: große Ozeane, kleine Lebewesen

Wenn man das globale Klima verstehen will, kommt man an den Ozeanen nicht vorbei. Sie bedecken fast ¾ der Erde. Ein großer Teil der globalen Erwärmung besteht in dem Anstieg der Oberflächentemperaturen der Ozeane. Das ist auch ein Grund dafür, warum Behauptungen unseriös sind, der globale Temperaturanstieg sei nur ein Artefakt schlecht gewählter Temperaturmeßstationen . Über 90% des Klimaantriebs aus dem zusätzlichen Treibhauseffekt schlägt sich in einer Erwärmung des Meeres wieder und ist über die Ausdehnung des erwärmten Wassers in Form des Meeresspiegelanstiegs sichtbar.


Zugleich beeinflussen die Ozeane unser Leben massiv. Ein wichtiger Teil unserer Nahrung kommt aus den Meeren. Wären die Meere anders als sie jetzt sind, hätte das auch auf die Welternährung einen gravierenden Einfluß.


Daher fand ich in meiner Winterlektüre auch ein Buch von Stefan Rahmstorf und Katherine Richardson mit dem Titel „Wie bedroht sind die Ozeane?“ (Fischer Taschenbuch Verlag, 2. Auflage 2007, Frankfurt a.M., 9,95 Euro) sehr interessant. Das Buch ist schon länger auf dem Markt, also vermutlich werden viele, die das Thema interessiert, es schon gelesen haben. Wer das nicht getan hat, und ein Buch sucht, in dem er flott in die Thematik des globalen Wandels in den Ozeanen eingeführt wird, hat hier einen Tipp von mir. Ich will aber keine Inhaltsangabe machen, sondern einen subjektiven Eindruck wiedergeben. Das Buch beschreibt unter anderem die Geographie der Meere, die Meeresströmungen und die Kopplung mit dem Klima. Es beschreibt auch die großen Stoffkreisläufe für Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel, Silizium und Phosphor, in die die Ozeane eingebunden sind. Was ich aber besonders inspirierend fand, war die Beschreibung der Biologie der Weltmeere.

An Land fallen uns vor allem große Tiere und Pflanzen auf. Vermutlich haben wir dadurch ein verfälschtes Bild der Wichtigkeit der jeweiligen Arten für unser Überleben. Aber zumindest wenn es um die Biomasse geht, haben die Arten mit großen Exemplaren auch einen großen Anteil. Ein großer Teil der Biomasse an Land sind Bäume und große Landsäugetiere. Auf der natürlichen Erde sind auch große Teile der Landfläche bewachsen und von Tieren dicht besiedelt. In den Meeren sieht das völlig anders aus. Das typische Meereslebewesen, und das gilt sogar noch stärker für die Meerespflanzen, ist sehr klein. Wale, Robben, große Fische sind die Ausnahme. Sie umfassen nur einen kleinen Bruchteil der Biomasse der Meere. 95% der Photosynthese im Meer erfolgt durch Pflanzen, die mikroskopisch klein sind. Einzellige Algen haben einen dominanten Einfluß auf die Photosynthese in den Ozeanen und damit auf den Anfang der Nahrungskette, zugleich aber auch den Kohlenstoffkreislauf der ganzen Erde. Das hat aber dramatische Folgen auf die Produktivität der Ozeane für den Menschen.

Die Größen der Meerespflanzen verändern sich über viele Größenordnungen. Die kleineren Pflanzen können von Fischen nicht direkt verzehrt werden. Sie müssen selbst erst von größerem Plankton verzehrt werden und gelangen sogar erst über mehrere Stufen in den Größenbereich, der für Fische Futter bedeuten würde. Da auf jeder Stufe der Nahrungskette ein großer Teil der Energie verloren geht, weil er in Wärme, Fortbewegungsenergie, Antrieb des Stoffwechsels usw. umgesetzt werden muß und nur ein kleiner Teil dem Aufbau von Biomasse dient, sind große Teile der Ozeane für Fische Wüste. Nur in kleinen Bereichen der Ozeane ist ein nennenswerter Teil der Biomasse in Makroplankton gebunden, mit dem sich Fische gut ernähren können. Und nur hier entsteht dann die Nahrung im Ozean für uns Menschen, die unsere Fischerboote ernten können. Wenn wir in die Ozeane so eingreifen, daß sich die Verhältnisse ändern, in denen die Größenklassen vorliegen, beeinflussen wir ganz empfindlich unser Nahrungsangebot.

Warum aber sind kleine Lebewesen in den Ozeanen so bevorzugt? Das liegt auch daran, daß die Ozeane arm an Nährstoffen wie Stickstoff, Phosphor und Eisen sind. Kleine Lebewesen mit mehr Oberfläche relativ zu ihrem Volumen können die geringen Nährstoffkonzentrationen der Weltmeere besser ausnutzen. Gleiches gilt für die Lichtausbeute, denn nur einige Dutzend Meter unter der Wasseroberfläche wird es in den Ozeanen schnell sehr dunkel. In klaren, nährstoffarmen Meeren ist Photosynthese vielleicht in den oberen 100 Metern möglich, in nährstoffreichen Meeren kann auch schon nach weniger als 20 Metern Schluß damit sein. Die vertikale Durchmischung der Meeres ist dabei der entscheidende Vorgang, um für das Leben in den Meeren die Nährstoffe von unten und das Licht von oben zusammenzubringen. Mehrere Meter nach oben oder nach unten bedeuten aus Sicht der Meereslebewesen so verschiedene Lebensräume, wie an Land Wald, Steppe und Wüste. Veränderungen von pH-Wert, Sauerstoffgehalt und Temperatur können diese Lebensräume völlig verändern. Diese Veränderungen können zu Streß für die Lebensformen im Wasser führen, durch den kleine Lebensformen begünstigt werden. Das Nahrungsangebot für Fische bricht zusammen, selbst wenn die Biomasse insgesamt gar nicht besonders abnimmt. Genau deshalb ist eine globale Erwärmung, der dadurch bewirkte Klimawandel und die allgemeinen globalen Veränderungen so bedrohlich für unsere Versorgung mit Fisch aus den Ozeanen.

Wen solche Zusammenhänge interessieren, sollte das Buch lesen, um mehr darüber herauszufinden.

Mittwoch, 17. Februar 2010

2010 – es wird noch wärmer, wann merken es die Medien?

2010 hat das Potential, neue globale Wärmerekorde zu liefern. Die Voraussetzungen sind jedenfalls vielversprechend. Das letzte Jahrzehnt war das wärmste seit Beginn der Temperaturaufzeichungen und um 0,17 (HadCruT) bzw. 0,18 (GissTemp) Grad wärmer als das Jahrzehnt davor (Zeiträume 2000-2009 und 1990-1999). Auch das Nationale Klimadatenzentrum der USA NCDC meldet das abgelaufene Jahrzehnt 0,18 Grad wärmer als das vorherige Jahrzehnt und für 2009 eine Anomalie von 0,56 Grad. Nach HadCruT stand 2009 auf Platz 5 aller Jahre seit 1850, nach GissTemp auf Platz 2. Das abgelaufene Jahr ist im Rahmen des Fehlers der Auswertung gleichauf mit dem zweitwärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Auf der Südhalbkugel war 2009 laut GISS bereits das wärmste Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Alle bekannten Temperaturrekonstruktionen weisen das abgelaufene Jahrzehnt als das wärmste Jahrzehnt der letzten 2000 Jahre auf, wobei man aufgrund der hohen Fehlermarge in früheren Jahrhunderten sagen muß, daß dies wahrscheinlich gilt. Sicher ist aber, daß wir auf dem Weg zu Temperaturen sind, die den Bereich der letzten 2000 Jahre und sogar der letzten 3 Millionen Jahre dauerhaft verlassen, sollten die globalen Temperaturen im Laufe dieses Jahrhunderts um mehr als 2 Grad ansteigen.

Aufgrund des laufenden moderaten El Nino werden noch die nächsten Monate mit Sicherheit rekordverdächtig und das könnte das laufende Jahr entscheidend prägen. Beide Satellitentemperaturreihen UAH und RSS, melden den wärmsten Januar seit Beginn der Zeitreihe. Aufgrund der laufenden globalen Erwärmung reicht schon ein moderater El Nino aus, um das Rekordjahr 1998 in den Schatten zu stellen. Der Februar ist bislang ebenfalls rekordverdächtig. Die Zusammenfassung dazu kann man bei Joe Romm nachlesen.

Wie es unter diesen Umständen möglich ist, daß laut Umfragen gerade jetzt eine wachsende Zahl von Menschen an der globalen Erwärmung zweifelt, läßt sich einfach beantworten. Die Medien versagen komplett. Sie sind zwar in der Lage, jede Lüge und Unterstellung aus Lobbykreisen sofort zu berichten, um die Serie angeblicher Skandale in der Klimaforschung zu bedienen. Sie sind aber nicht in der Lage, den Lesern und Zuschauern seriös und richtig gewichtet mitzuteilen, was derzeit der Stand der Klimaforschung ist und in welchem Zustand sich das globale Klima befindet. Journalisten mauern und behaupten, es sei Aufgabe der Wissenschaftler, ihnen die Wissenschaft so zu erklären, daß sie sie richtig berichten können. So ein Weiterschieben der Verantwortung sieht man zum Beispiel bei diesem Spiegel-Artikel. Dazu will ich gleich noch etwas Hintergrund geben. Der Schreiberling hat genau diese 10 Minuten nicht investiert, um sich diesen Hintergrund zu erarbeiten, und schiebt deshalb die Verantwortung für die Falschberichterstattung der Daily Mail auf Professor Phil Jones. Er meint, Jones, dessen Job es ist, daß die Climate Research Unit ihre wissenschaftliche Arbeit gut macht, hätte bessere Öffentlichkeitsarbeit betreiben müssen. „Jones kümmert sich zu wenig um die Frage, wie Kritiker seine Aussagen missinterpretieren könnten.“ meint Christoph Seidler, der Autor des Spiegelartikels. Liebe Journalisten, ihr werdet dafür bezahlt, zu recherchieren und Informationen verständlich zu berichten. Und investigativer Journalismus heißt, Lobbygruppen auf die Finger zu schauen, wenn sie die Wahrheit verdrehen wollen, nicht unbesehen jeden Müll genau dieser Lobbygruppen als eingebildete Skandale zu verkaufen. Und schließlich: neutrale Berichterstattung kann auch heißen, gezielt nur über die Meinung der Experten zu berichten und dem Kreis der Spinner, Verschwörungstheoretiker und Lobbyisten, die Außenseitertheorien vertreten, eben keine Zeilen zu widmen. Es ist keine neutrale Berichterstattung, seriösen Klimaforschern und Lobbyvertretern die gleiche Zeilenzahl in Artikeln zu geben und Spinnertheorien ohne Wertung neben wissenschaftliche Erkenntnisse zu setzen. Was ich tagtäglich als Journalismus sehe, ist schlampig, oberflächlich, fehlerhaft, faul. Und die Verantwortung dafür tragen die Wissenschaftsredaktionen der Medien, die anscheinend inkompetent besetzt sind.

Beim BBC-Interview hatte Jones korrekte Antworten gegeben, die durch einen kompetenten Journalisten auch richtig interpretiert werden könnten. (Es gibt auch ein qualitativ beseres Interview bei Nature.) Die Daily Mail hingegen hat einfach aus dem Hinweis, daß 15 Jahre ein zu kurzer Zeitraum sind, um einen signifikanten Trend zu berechnen, die Schlagzeile gemacht, daß Jones eine 180 Grad-Wendung gemacht hätte und für die letzten 15 Jahre keine globale Erwärmung sähe. Das ist das Gegenteil seiner Aussage und somit eine Lüge und im Widerspruch zu den Fakten, die ich in der Einleitung des Beitrags nenne. Wie konnte es dazu kommen?

Das Interview von Jones war ein teilweise gesprochenes und schriftlich ausgearbeitetes Interview, bei dem die Fragen vom BBC-Reporter Roger Harrabin gestellt wurden. Den ernennt Seidler kurzerhand zum Umweltexperten, was aber nur heißt, daß der Mann regelmäßig die Berichterstattung zu dem Thema macht. Harrabins Fragen stammen aber gar nicht alle von ihm, sondern teilweise von Leugnern des Standes der Wissenschaft bzw. Lobbyisten gegen CO2-Minderungen (hier irreführend Klimaskeptiker genannt – diese Menschheit treibt nicht Skepsis). Diesen Hinweis am Anfang hat Seidler irgendwie überlesen, dabei erklärt der Hinweis, warum einige der Fragen bereits Wertungen enthalten und Jones keine faire Chance geben, sie offen zu beantworten. Es gibt ja keinen Grund, danach zu fragen, ob ausgerechnet in den letzten 15 Jahren eine globale Erwärmung festzustellen ist, wenn wir das für jeden statistisch signifikanten, längeren Zeitraum feststellen können.

So richtig unrund wird das Interview, wenn der Interviewer scheinbar die vorherigen Antworten vergißt. Nachdem Jones erklärt hatte, daß natürliche Einflüsse in den letzten Jahrzehnten, wenn überhaupt und soweit bekannt, eher einen abkühlenden Trend verursacht haben könnten, kommt die gleiche Frage erneut:

H – Wenn Sie damit übereinstimmen, daß es ähnliche Temperaturanstiege wie heute seit 1850 gab und die mittelalterliche Erwärmung zu erwägen ist, was überzeugt sie, daß die aktuelle Erwärmung wesentlich vom Menschen gemacht ist?

I – Wäre es vernünftig, sich die gleichen wissenschaftlichen Belege mit der Haltung anzuschauen, daß die aktuelle Erwärmung nicht vom Menschen verursacht ist?

Beide Male verweist Jones auf Frage D.

Eine typische geladene Frage ist auch die Frage N.
N - Wenn Wissenschaftler sagen, “die Debatte über den Klimawandel ist vorüber”, was genau meinen sie damit und was nicht?
Jones hätte zurückfragen können, welcher Wissenschaftler denn das gesagt haben soll. Debatten sind in der Wissenschaft nie vorüber, sondern nur in der Politik, weil dort irgendwann gehandelt werden muß, auf der Basis dann vorliegender Informationen, egal wie unvollständig sie dann sind. Die Frage transportiert nach Meinung des Blogs gather.com eine Unterstellung im Sinne von „Haben Sie aufgehört, ihre Frau zu schlagen?“ Jede Antwort dient der anderen Seite. Entweder kann sie sagen, daß auch Jones behauptet, daß die Klimaforschung noch gar keine gesicherten Ergebnisse habe, denn die Debatte sei noch offen, oder unterstellen, daß auch Jones so tue, als gäbe es Dogmen in der Wissenschaft, die nicht mehr debattiert werden dürfen. Joe Romm regt sich in seinem Blog genau darüber ebenfalls auf und meint, Jones hätte nicht so defensiv antworten dürfen. Hier bin ich anderer Meinung. Ein Journalist wird dafür bezahlt, daß er die Öffentlichkeit mit seriösen Informationen versorgt und dazu gehört, daß er sinnvolle Fragen in Interviews stellt und die Antworten gegebenenfalls mit dem erforderlichen Kontext versieht. Vor allem aber ist Jones nicht verantwortlich dafür, daß in der Daily Mail dann seine Worte umgedreht wurden. Denn dafür ist es völlig egal, was er sagt, irgendwas findet man immer, wenn man es sucht.

Der Spiegel berichtet nicht über die Tatsache, daß mehrere britische Zeitungen beim Thema Klimawandel Lügen verbreiten, was ein Skandal erster Güte ist. Und auch in diesem Fall erhält der Leser nicht die vollständigen Informationen vom Spiegel. Wann zieht eigentlich der Spiegel mal Konsequenzen aus seiner fortgesetzt fehlerhaften Berichterstattung, die darauf angelegt ist, daß die Leser ein verzerrtes Bild der Realität erhalten? Dauerndes Mauern, daß Journalisten keine Fehler machen, sondern allenfalls die, von denen sie ihre Informationen erhalten, ist keine Entschuldigung mehr. In einer besseren Realität könnte man den Chefredakteur Rüdiger Ditz fragen, welche persönlichen Konsequenzen er zieht. Aber was schreibe ich da…?

P.S.: Das gleiche gilt leider auch für jede andere Zeitung, die ich lesen konnte, mit einem besonders hohen Müllfaktor in der Welt. Versuchen Sie mal, bei diesem Welt-Artikel zu erkennen, worum es überhaupt geht. Es ist nicht zu glauben, aber auch dieser Artikel bezieht sich auf das BBC-Interview. Das Geschreibsel ist Müll, völlig frei von Quellenangaben und Realitätsbezug und der Schreiberling Ulli Kulke hat hier bezahlte Lügen abgeliefert. Er sollte gefeuert werden und der Chefredakteur der Welt, Thomas Schmid, der seinen Sauhaufen nicht unter Kontrolle hat, gleich mit.

Und noch ein Postscriptum nach einem Blick auf andere Blogs (18.2.2010):
Auch Stefan Rahmstorf war von Kulkes Leistung bei der Welt nicht angetan. Den Spiegel-Artikel fand er vergleichsweise okay - man muß schlechte Leistungen relativ zu Katastrophen sehen, um sie noch loben zu können. Und so gibt es für jeden Hoffnung. Selbst der Weltartikel kann noch unterboten werden durch ein Gratisblättchen. Und ein österreichischer Professor namens Oberhummer gibt mit einem Blogeintrag ein weiteres erschütterndes Beispiel dafür, was man aus dem Jones-Interview machen kann.

Dienstag, 16. Februar 2010

Rajendra Pachauri - Sündenbock als Job

Rajendra Pachauri ist der Vorsitzende des IPCC. Er vertritt das IPCC nach außen und leitet die Tätigkeit der kaum 10 dort angestellten Menschen, die als Sekretariat die Arbeit wissenschaftlicher Arbeitsgruppen unterstützen. Pachauri erhält dafür genau so viel Geld wie die Autoren und Reviewer des IPCC: nix, gegebenenfalls Auslagen erstattet.

Als Frontmann des IPCC ist er das geeignete Ziel, ihn anzupinkeln, wenn man mit den wissenschaftlichen Ergebnissen des IPCC nicht einverstanden ist. Schafft man es irgendwie, so lange Dreck gegen ihn zu schleudern, bis etwas haften bleibt, ruiniert man mit Pachauris Ruf irgendwie auch den des IPCC. Lobbygruppen haben deshalb ein Interesse daran, Pachauris Ruf zu beschädigen, und mit unsauberen Methoden funktioniert es auch. Wie es mit Sabotage läuft, habe ich erläutert. Und die Kampagne erreicht auch die Medien, die dabei mitmachen, ob sie wollen oder nicht, weil das Gesetz der Serie dazu nötigt, nach dem ersten "Skandal" die folgenden zu suchen. Selbst, wenn man dabei die Skandale fabrizieren muß, was in der britischen Presse ein besonderes Problem zu sein scheint, wie Tim Lambert in Deltoid zeigt. Und hier. Und hier. Und hier. Und hier...und noch ein Beispiel von RealClimate...

Irgendwann beeindruckt das sogar Wissenschaftler, die eigentlich keinen Anlaß haben, sich vor den Karren von Lobbyinteressen spannen zu lassen, die auf Dauer auch den fähigsten und ehrenwertesten IPCC-Vorsitzenden angreifen würden, so lange im IPCC-Bericht steht, daß unbegrenzte CO2-Emissionen auf Dauer ein Problem sind. Mehr brauche ich nicht zu schreiben, weil Georg Hoffmann dazu einen so gelungenen Beitrag verfaßt hat, daß es für mich sinnlos wäre, noch eine Zeile dazu zu schreiben. Wer es noch nicht gelesen haben sollte, alles weitere dort.

Bei RealClimate hat man inzwischen die Fehlerstatistik des IPCC zusammengefaßt. Es bleibt dabei: zwei Fehler beim IPCC, WG 2, mit dem Abschmelzen der meisten Himalayagletscher bis 2035 - das IPCC hat den Fehler anerkannt - und dem Anteil der Niederlande, das unter der Meeresoberfläche liegt, wobei die Verantwortung für die Zumeldung einer falschen Zahl bei - den Niederlanden liegt. Die restlichen sogenannten Fehler waren keine, sondern eher Ausdruck der Inkompetenz oder Böswilligkeit der befaßten Journalisten - siehe oben.

Ich wiederhole daher, was ich schon in einem anderen Beitrag geschrieben hatte - es ist erstaunlich, daß über angebliche Skandale, die sich auf wenige Zeilen von drei zusammen weit über 2000 Seiten starken Berichten beziehen, mehr in den Medien erscheint als über die korrekten Kernaussagen der IPCC-Berichte. Die Medien versagen hier völlig bei der neutralen Berichterstattung und desinformieren die Öffentlichkeit, die immer mehr eine völlig andere Ansicht entwickelt als die Fachwelt. Und die Zeitungen in Deutschland sind noch Qualitätsmedien im Vergleich zu vielen Massenmedien in den USA, Kanada, Australien und Großbritannien.

Und da schließt sich der Kreis wieder. Eli Rabett wundert sich in seinem Blogbeitrag, warum man in den Medien fast nichts über ein aktuelles Interview von Pachauri erfährt, in dem er einiges vom Kopf auf die Füße stellt. Aber entlastende Äußerungen zu Pachauri passen nicht in die Serie, die derzeit heißt - IPCC und Klimaforschung allgemein unter Feuer.

Sonntag, 14. Februar 2010

Sabotage

In einigen Beiträgen habe ich diskutiert, daß Fehler in den IPCC-Berichten aufgetreten sind, wie es nun einmal in Berichten dieser Größe zu erwarten ist. Weitaus mehr sind allerdings die „Fehler“, die in den Medien diskutiert werden, eher Ausdruck von Gesetzmäßigkeiten der Medien und von einer konzertierten Aktion politischer und wirtschaftlicher Interessengruppen, ihre Lobbyarbeit zu machen. Ihr Ziel ist es, Regulierungsmöglichkeiten des (amerikanischen) Staates und internationaler Organisationen zu beschränken, Energiepreise niedrig zu halten, so lange es geht und den Einfluß des Menschen auf die Umwelt zu bestreiten, damit möglichst lange keine Klimaschutzmaßnahmen in Kraft treten.

Letztlich ist das Bestreben solcher Gruppe die Verhinderung politischer Maßnahmen und die Sabotage der dafür erforderlichen wissenschaftlichen Arbeit. Nicht unwichtig ist in dem Zusammenhang, daß wir solche Abläufe bereits von der Diskussion um die Gefahren des Rauchens kennen. Vor allem in den USA spielen Lobbygruppen, sogenannte Thinktanks, eine große Rolle, um die öffentliche Wahrnehmung entsprechend den Interessen politischer oder wirtschaftlicher Gruppen zu formen. Ein Beispiel dafür ist die Kampagne gegen die wissenschaftliche Darstellung der Gefahren des Rauchens. Die gewählte Strategie der Tabakindustrie war zum einen, die Kontroverse zu fördern. In der Öffentlichkeit wurde der Eindruck erweckt, es gäbe noch eine wissenschaftliche Diskussion über die Gefahren des Rauchens, als die Wissenschaft hier zu den Grundsatzfragen schon längst einen Konsens erzielt hatte. Diese Strategie wurde von den entsprechenden Instituten, wie George C. Marshall Institute, Heartland Institute usw. auf das Thema des menschengemachten Klimawandels übertragen. In Deutschland gibt es so etwas in dem Ausmaß nicht, obgleich zum Beispiel EIKE, ein Altherrenverein, der vortäuscht ein seriöses europäisches Institut zur Klimaforschung zu sein, in bescheidenerem Maßstab solche Strategien umsetzt. Ich vermute unter anderem, daß Mitarbeiter von EIKE dafür Sorge tragen, daß die Diskussionsforen der Zeitung, z.B. von Welt und FAZ, von Menschen dominiert werden, deren Freizeit anscheinend damit ausgefüllt ist, zu jedem Artikel zum Thema wissenschaftsfeindliche Beiträge zu bringen und die Bewertungen von Artikeln in ihrem Sinne zu manipulieren.

Ich finde daher auch nur im englischen Wikipedia den Begriff „artificial controversy“ „künstliche Kontroverse“, bei man weitere Informationen zu diesem Thema finden kann.

Eine weitere im Rahmen des Abwehrkampfes der Tabakindustrie entwickelten Strategien ist die, nicht die Sache, sondern die Personen anzugreifen. Die Gegner der Tabakindustrie sind die Wissenschaftler, die den Erkenntnisstand zu den Gefahren des Rauchens entwickelten. Billiger als aufwendige Gegenstudien ist es, die Wissenschaftler anzugreifen. Zum einen können die Entscheidungsträger den wissenschaftlichen Gehalt von Studien gar nicht beurteilen. Sie sind darauf angewiesen, den Wissenschaftlern zu vertrauen. Wird das Ansehen der Wissenschaftler durch erfundene Anschuldigungen beschädigt, worüber auch Klimaforscher klagen, kann man sehr effizient die Wirkung wissenschaftlicher Ergebnisse mindern. Zum anderen kann man Wissenschaftler von ihrer Arbeit abhalten, wenn man sich damit beschäftigt, Anschuldigungen abzuwehren und einen immer größeren Aufwand zu treiben, die eigene Arbeit abzusichern. Zumal Wissenschafler typischerweise gar nicht darauf vorbereitet sind, Öffentlichkeitsarbeit und insbesondere Imagekampagnen zu betreiben. Im Gegenssatz zur Industrie haben sie dafür gar keine Mittel. Milliarden für klinische Forschung kann man also gegenhebeln mit wenigen Millionen, um ein paar Pseudoinstitute Stimmung gegen Wissenschaftler machen zu lassen. Am Ende läuft es darauf hinaus, daß das günstigste simple Sabotage an der Wissenschaft ist.

Also reden wir mal über Sabotage gegen die Klimaforschung.

Einen Namen möchte ich dabei hervorheben. Es ist Steve McIntyre. McIntyre ist ein Statistiker, der 30 Jahre lang als Angestellter im Bergbaubereich gearbeitet hatte und nun im Ruhestand ist. Ich denke aber, daß er aus dieser Zeit eine für den (Kohle-)bergbau freundliche Haltung mitbringt und für ihn der Kohleabbau und somit CO2-Emissionen nicht schädlich sein können, da sie nicht schädlich sein dürfen. Er bezeichnet sich selbst, ohne spezielle Vorkenntnisse dafür, als Auditor wissenschaftlicher Arbeit in Verkennung der Bedeutung des Wortes. McIntyre hört keineswegs denen zu, die er angeblich auditiert. Was er macht, ist die Kritik von Arbeiten, soweit sich dadurch politisch wirksam das IPCC angreifen läßt. Er ist weder neutral, immerhin gehört er unter anderem zu den Mitarbeitern des George C. Marshall-Institutes, das zu den Lobbyorganistionen gehört, die unter anderem öffentlich Stimmung gegen die Wissenschaft machen sollen, noch hält er Grundsätze des Audits und des Auditors gemäß ISO 19011:2005 ein. Er ist kein Wissenschaftler und seine einzige Publikation in einer seriösen wissenschaftlichen Zeitschrift ist, abgesehen von Kommentaren oder Antworten auf Kommentaren, zusammen mit dem Ökonomen McKitrick eine Kritik an der Temperaturrekonstruktion von Mann et al 1998. Er hat in dieser Kritik Detailfehler in der Arbeit finden können. Daraus leiten er, seine Anhänger um seinen Blog ClimateAudit und die Leugner, die sich auf ihn beziehen, ab, daß die Arbeit von Mann et al. damit widerlegt sei. Das ist falsch. Warum?

An der Stelle muß ich einen Einschub machen:

Bei wissenschaftlichen Arbeiten im Bereich der Geowissenschaften handelt es sich normalerweise um komplexe Bearbeitungen großer Datenquellen oft unterschiedlicher Quellen. Jeder, der in so einem Bereich gearbeitet hat, weiß, daß es praktisch unvermeidbar ist, daß sich immer wieder einzelne Fehler einschleichen. Gravierende Fehler können einem bei der Arbeit auffallen, und werden in der Regel beseitigt, bevor man in eine Publikation geht, aber Fehler, die sich auf das Ergebnis nicht auswirken, kann man unter Umständen übersehen. Entscheidend für die publizierte Arbeit ist, daß ihre Ergebnisse reproduzierbar sind und man auf ihr aufbauen kann. Stellt man Abweichungen im Detail fest, ist eine Korrektur erforderlich, aber niemand käme auf die Idee, zu behaupten, die ganze Arbeit sei dadurch wertlos.

Es geht sogar noch weiter. Wissenschaft ist keine Juristerei. Im Rechtswesen kann ein Urteil wegen eines Formfehlers ungültig werden. Wenn zum Beispiel Beweismittel nicht verwertet werden dürfen, kann das darauf ruhende Urteil angefochten werden, selbst wenn jeder weiß, daß der Verurteilte unwiderlegbar schuldig ist. Andererseits kann ein auf schwachem Beweismaterial beruhendes Urteil trotzdem voll gültig sein, weil es formal korrekt erteilt wurde. In den Naturwissenschaften ist es genau andersrum. Wissenschaftler würdigen das Beweismaterial und den Erfolg der Feststellungen. Stellt sich heraus, daß eine Feststellung auf teilweise falschen Daten beruht, die Feststellung selbst ist aber aufgrund seiner Vorhersagekraft erfolgreich eingeführt, wird sie nicht wieder aufgegeben. Ein Beispiel dafür sind die Mendelschen Regeln. Sie sind gültig und können inzwischen auf der Basis unserer Kenntnisse über die Genetik bestätigt werden. Aber die von Mendel angegebenen Daten, mit denen diese Gesetze einst bewiesen wurden, sind nach Hinweisen des Statistikers Ronald Fisher zu genau, um glaubwürdig zu sein. Hätte Mendel heutzutage publiziert, würden Nachprüfungen möglicherweise ergeben, daß die Daten geglättet wurden, um besser zu den Ergebnissen zu passen. Es gäbe einen Skandal. Aber an den Mendelschen Regeln würde das nichts ändern.

Das Beispiel zeigt, wo das erste Problem bei der Arbeit von McIntyre liegt. Fehler im Detail zu finden ist keine wissenschaftlich wertvolle Arbeit. Zwar sollten auch Fehler im Detail korrigiert werden, aber weitaus wichtiger ist, ob Feststellungen im Kern richtig sind. Man kann jetzt sehr lange dazu schreiben, ob Mann et al. Arbeit von 1998 richtig oder falsch ist. Es sind aber seitdem viele andere Temperaturrekonstruktionen veröffentlicht worden, aus denen diese Arbeit nicht heraussticht. Siehe Bild 6.10 in Contribution of Working Group I to the Fourth Assessment Report of the Intergovernmental Panel on Climate Change, 2007, Solomon, S., D. Qin, M. Manning, Z. Chen, M. Marquis, K.B. Averyt, M. Tignor and H.L. Miller (eds.), Cambridge University Press, Cambridge, United Kingdom and New York, NY, USA. Keine Temperaturrekonstruktion sticht heraus.



Wenn Mann et al. 1998 falsch sein sollte, müßten ALLE Arbeiten falsch. Wahrscheinlicher ist, daß McIntyre zusammen mit McKitrick auf unwichtigen Details herumreitet. Daran könnte sich nur etwas ändern, wenn irgendeine revolutionäre Entdeckung gemacht wird, die die Grundlagen für ALLE Temperaturrekonstruktionen ändern. McIntyre unternimmt nichts, was in diese Richtung führen könnte. Da seine Arbeit also nur dazu führen kann, daß nach Fehlern im Detail gesucht wird, die an den Kernfeststellungen nichts ändern, ist seine Arbeit alleine auf Obstruktion ausgerichtet, auf das Schüren von Zweifeln an dem Stand der Wissenschaft, ohne selbst etwas konstruktiv dagegen zu setzen. McIntyre, so muß ich vor diesem Hintergrund schließen, hat das Ziel, den Eindruck zu erzeugen, die Temperaturrekonstruktion von Mann et al sei falsch, obwohl er weiß, daß sie im Grundsatz korrekt ist. Dahinter steckt nach meiner Meinung, daß McIntyre hier Lobbyarbeit macht.

Hinweise darauf gibt zum einen die Darstellung der Wegman-Anhörung, in der sich zeigt, daß diese Anhörung eine politische Schauveranstaltung war, in der Michael Mann vorgeführt werden sollte. Beraten wurden die angeblich unparteiischen Untersucher von MacIntyre, der seinerseits mit dem republikanischen Lager gut vernetzt war.

Zum anderen zeigt sich McIntyres Bestreben, Sabotage zu verüben, um mißliebige Wissenschaftler zu behindern oder gar auszuschalten und Zweifel an etablierten Forschungsergebnissen zu produzieren, in seinen Versuchen, mit Anfragen zu Daten Angriffe auszuüben. Fragen nach Daten bei verschiedenen Institutionen sind für McIntyres Agenda immer ein Gewinn. Werden die Daten geliefert, können sie nach Fehlern durchforstet werden. In komplexen Datenmengen findet man fast immer Fehler. Es ist egal, ob diese Fehler signifikant sind. Entscheidend ist das Signal an die Öffentlichkeit, daß wesentliche Daten fehlerhaft seien, auf denen Aussagen zum Klimawandel beruhten. Werden die Daten nicht geliefert, kann McIntyre hingegen die Geheimhaltung wichtiger Daten reklamieren und die Unterstellung nähren, die Klimaforschung hätte Datenmanipulationen zu verbergen. Immer neue Anfragen und Forderungen stören zudem die Wissenschaftler bei ihrer Arbeit.

In einem Beispiel erzeugte McIntyre über seine Schar gläubiger Leugner um seinen Blog ClimateAudit über 40 Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz (FOI-Anfragen). Jede FOI-Anfrage muß nach gesetzlichen Regeln bearbeitet werden, auch wenn die Abfrage vermutlich missbräuchlich betrieben wird. Wenn die Anfrage nur gesichtet und dann die Ablehnung begründet wird, ist dies auch noch der harmloseste Fall. Gut 105 FOI-Anfragen in 5 Jahren waren alleine bei der Climate Research Unit zu bearbeiten. Die meisten Anfragen betrafen Daten, die im übrigen aus anderen Quellen hätten beschafft werden können. Klimadaten werden zum Beispiel vom Deutschen Wetterdienst verkauft. Würde McIntyre sie über FOI-Anfragen kostenlos von Forschungseinrichtungen beziehen, könnte der Deutsche Wetterdienst wie alle anderen nationalen Wetterdienste solche Daten nicht mehr kostenlos für Forschungszwecke zur Verfügung stellen. Es gehört nicht viel Intelligenz dazu, zu verstehen, daß McIntyre gar nicht in der Position ist, von allen Einrichtungen beliebig Daten einzufordern, die alleine zu Forschungszwecken zur Verfügung gestellt werden. McIntyre betreibt keine Forschung, er betreibt Lobbyarbeit, und sollte selbstverständlich die Arbeit, die er erzeugt und die Daten, die er abruft, bezahlen. Das macht er nicht.

Es bleibt der Schluß, daß die Anfragen von SteveMcIntyre einfach Mißbrauch waren. In einem Fall war einer der Versender einer FOI-Anfrage noch nicht mal in der Lage, in den Mustertext die Staaten einzusetzen, zu denen er angeblich Informationen wollte. Ein klarer Fall von Sabotage. Kein Wunder, daß man sich bei der Climate Research Unit von McIntyre angegriffen fühlte, und daß Phil Jones darüber nachdachte, Emails löschen zu lassen, die Ziel solcher Anfragen sein könnten. Anschuldigungen im Zusammenhang damit zielten auch auf Michael Mann an der Pennsylvania State University. Eine Untersuchung fand ihn allerdings unschuldig in Bezug auf alle Anschuldigungen (mit einer Ergänzung, die ich unten anbringe). Dazu gehört: keine Email ist tatsächlich gelöscht worden, wie Jones es in der Hitze der Emaildiskussion zunächst wünschte. In der öffentlichen Diskussion wurde aber so getan, als wären Daten versteckt und vernichtet worden, und McIntyre hatte über seinen Blog in aller Boshaftigkeit diesen Eindruck verstärkt. Auch dies ist ein übliches Muster. Hinter diesem Link wird geschildert, wie McIntyre den Eindruck zu erwecken versuchte, Keith Briffa hätte Daten zurückgehalten, bis dann herauskam, daß McIntyre diese Daten schon längst hatte - und Briffa hatte ihm auch gesagt, wie er an sie herankommen könnte. Hier weitere Beispiele dazu, wie McIntyre zu den gehackten Emails Unterstellungen produzierte.


Alle diese Anfragen, Anschuldigungen und provozierten Verteidigungen und Untersuchungen dienen gleichzeitig dazu, der Öffentlichkeit zu suggerieren, die Wissenschaft sei zerstritten und wichtige Wissenschaftler seien unseriös, und eben diese Wissenschaftler von ihrer eigentlichen Arbeit abzuhalten bis dahin, daß Phil Jones sogar dazu getrieben war, über Selbstmord nachzudenken. Wegen Morddrohungen steht er unter Polizeischutz - keine gute Umgebung für wissenschaftliche Arbeit.

Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, welchen Zusammenhang es zwischen dem CRU-Hack gibt und interessierten Lobby-Gruppen, in die McIntyre eingebunden ist. Dies ist alles Spekulation, daher schreibe ich zu diesem Punkt nichts weiter, so lange es keine Ergebnisse der polizeilichen Untersuchungen gibt. Sicher ist bisher nur, daß der CRU-Hack für die genannten Lobbyinstitutionen nützlich war und intensiv ausgenutzt wird, um Stimmung gegen Wissenschaftler zu machen.